Laden...
Coburg
Klinikum Coburg

Wenn's um Leben und Tod geht

Was die Case-Managerinnen leisten, wenn sich Angehörige von Schwerstkranken überfordert fühlen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Begeistert von der Betreuung: Dieser 71-jährige Patient hat nur positive Erfahrungen mit der Case-Managerin Tanja Eller gemacht. "So was habe ich bisher noch in keinem Krankenhaus erlebt", sagt der Krebspatient, der auch schon in den Unikliniken Würzburg und Erlangen viel Zeit verbracht hat. Foto: C. Lehmann
Begeistert von der Betreuung: Dieser 71-jährige Patient hat nur positive Erfahrungen mit der Case-Managerin Tanja Eller gemacht. "So was habe ich bisher noch in keinem Krankenhaus erlebt", sagt der Krebspatient, der auch schon in den Unikliniken Würzburg und Erlangen viel Zeit verbracht hat. Foto: C. Lehmann
Eine Notfall-Visite: "Sie haben eine Vorsorgevollmacht für Ihren Vater oder hat er eine Patientenverfügung unterschrieben?" fragt der Arzt am Krankenbett. In den nächsten zwei Stunden steht eine Bronchoskopie an und der Zustand des Patienten ist sehr kritisch. Die Ärzte müssen wissen, wie sie bei Komplikationen im OP entscheiden sollen. Sollen alle lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet werden? Die Aussichten, dass der Patient von der Beatmungsmaschine je wieder wegkommt, sind gering, sagen die Ärzte. Die Tochter fühlt sich von der Situation überfordert. Hilflos.
Eine Patientenverfügung hat der Vater nicht ausgefüllt. Da wollte sich der 71-Jährige noch etwas Zeit lassen und sich Gedanken machen. Es ist gar nicht so einfach zu entscheiden, wie man einmal sterben möchte - vor allem, wenn man noch leben will. Das Krankheitsbild ist komplex.
Nach mehreren Krebsoperationen wird der Mann über eine Magensonde ernährt. Er kann weder essen noch trinken, auch nicht mehr schlucken. Eins weiß der schwer kranke Mann: Weitere Schläuche und eine künstliche Beatmung möchte er nicht haben. Doch der Notfallschnitt für eine Trachealkanüle könnte ihm das Leben retten...

Eine Entscheidung muss her

J etzt liegt er mit Lungenentzündung und hohem Fieber im Bett, ist kaum ansprechbar. Die Tochter muss eine Entscheidung mit ihm zusammen treffen. Es bleibt aber nur wenig Zeit. Das Ärzteteam verlässt das Zimmer und bittet inständig um eine baldige Benachrichtigung, damit die OP vorbereitet werden kann.
Schweigend und ratlos bleiben Vater und Tochter zurück. Da kommt Tanja Eller ins Zimmer. Der Arzt hat sie gerufen. Sie kommt vom Case-Management des Klinikums Coburg und ist Ansprechpartnerin für Patienten und Angehörige während der Behandlung im onkologischen Zentrum.
Die erfahrene Krankenschwester, die selbst jahrelang in der inneren Intensivmedizin tätig war, weiß um die Sorgen und Nöte der Angehörigen, die sich mit den immer gleichen Fragen quälen: "Was passiert, wenn der lebensnotwendige Luftröhrenschnitt nicht gemacht wird? Stirbt der Vater dann sofort? Welche Möglichkeiten gibt es noch? Bin ich dafür tatsächlich allein verantwortlich, wenn sich der Vater nicht näher äußert?" Behutsam tastet sich Tanja Eller vor, hört sich die Probleme an und gibt Hilfestellung. Sie weiß um die richtigen Ansprechpartner - von den Ärzten über den Sozialdienst bis zum Palliativmediziner.

Intensives Gespräch

Zusammen mit der Tochter führt die Case-Managerin ein langes intensives Gespräch, beruhigt und zeigt Wege auf, die nach der Operation möglich sind. Selbsthilfegruppen, Hospizhäuser und Seelsorger können in den nächsten Wochen hilfreich zur Seite stehen. Auch eine Reha in der Geriatrie kann von der Case-Managerin gemeinsam mit den Kollegen des Sozialdienstes in die Wege geleitet werden. Tanja Eller geht sensibel vor. Sie versucht, der Tochter den Druck, der auf ihr lastet, im Gespräch zu nehmen. Ihre Erfahrung aus der eigenen beruflichen Praxis - gerade in der Intensivmedizin - helfen. Die Zeit drängt, die OP steht an. Tanja Eller geht mit der Tochter zurück ans Krankenbett. Dort gibt sie ihr eine Patientenverfügung "einfach als Anhaltspunkt". Konkrete Fragen dazu und Hilfestellung leistet der Sozialdienst. Gestärkt und um einiges besser informiert, spricht die Tochter noch einmal mit dem Vater. Das, was er nicht will, wird in der Patientenverfügung festgehalten: Keine Wiederbelebungsmaßnahmen, keine Trachealkanüle, keinen Anschluss an die Beatmungsmaschine. Da kommt auch schon der Krankenpfleger und holt den 71-Jährigen für die Bronchoskopie.
Zwei Stunden später ist alles überstanden. Es gab keine Komplikationen. Die Erleichterung ist bei allen Beteiligten spürbar. Tanja Eller erkundigt sich noch Tage danach regelmäßig nach dem Befinden. Der Patient erholt sich dieser Tage in der Geriatrie. Auch die Aromatherapeutin war da und hat ein atemstimulierendes Öl dagelassen. Nach der Entlassung bleibt Tanja Eller Ansprechpartnerin und ist für die Familie weiterhin erreichbar.


Verwandte Artikel