Dörfles-Esbach

Wenn die Kirche zur Bühne wird

Pfarrerin Gabriele Töpfer und Sängerin Bojana Blohmann inszenieren in Dörfles-Esbach das Mehr-Generationen-Musical "Haltestelle Glück".
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Bojana Blohmann (vorne links) und Gabriele Töpfer (Mitte) freuen sich über den bunten Chor, der sich zusammengefunden hat. Foto: Angelika Müller
Bojana Blohmann (vorne links) und Gabriele Töpfer (Mitte) freuen sich über den bunten Chor, der sich zusammengefunden hat. Foto: Angelika Müller
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Volle Kirchen zum sonntäglichen Gottesdienst sind eher eine Seltenheit. Viele Gemeindemitglieder haben nur noch eine lose Verbindung zum Gotteshaus. Das empfindet auch die Pfarrerin von Dörfles-Esbach so. Zwar füllt Gabriele Töpfer "ihr Haus" bei den musikalischen Abenden unter dem Motto "Atempause" - einmal im Monat. Doch wenn zu einem "ganz normalen" Gottesdienst 50 bis 60 Kirchenbesucher kommen, findet sie das schade. "Ich möchte die Menschen verlocken. Sie sollen gerne in die Kirche gehen. Besonders im Lutherjahr suche ich die Begegnung mit den Gläubigen," sagt sie und erzählt von ihrem neuen Projekt. Es geht darum, Menschen durch eine andere Form von Gemeindearbeit mit dem Reformationsgedanken in Verbindung zu bringen.

Das Thema des Mehr-Generationen-Musicals "Haltestelle Glück" von Michael Schmoll, trifft genau das Anliegen des Reformationsjahrs. "Selbst kirchenmusikalisch ausgebildet und tätig, ist es mir gelungen, Bojana Blohmann als ortsansässige Gesangs-und Tanzlehrerin für diesen Gedanken zu begeistern." Etwa 40 Hobby-Sänger im Alter von fünf bis 83 Jahren sind seit vergangenen Juni dabei, das Projekt umzusetzen. Dazu kommt der Schulchor der ansässigen Grundschule, die Kantorei der Kirchengemeinde, eine eigens dafür zusammengestellte Band und technikbegeisterte Jugendliche. Premiere ist am 18. März in der evangelischen Kirche in Dörfles.
Die Platzkarten zu einem (Glücks-)Cent sind für diese Vorstellung schon alle vergeben. Wer Lust hat, kann jedoch auch am 19. März um 17 Uhr in die Vorstellung - oder eine der beiden Zusatzvortsellungen am 1. oder 2. April besuchen.


Auf dem Weg zum Glück

Um was geht es in dem Stück, dessen Bühne die gesamte Kirche sein wird? Ein Reisebus auf dem Weg zum Flughafen erleidet einen Motorschaden und bleibt in Dörfles-Esbach stehen. Die einzige Unterkunft, die abends noch offen ist, ist die Kirche, weil dort der Chor "Die Luthersingers" probt.

Verschiedene Menschen begegnen sich in der Kirche, um den Aufenthalt zu überbrücken und treffen aufeinander und kommen ins Gespräch. Alle sind aus unterschiedlichen Gründen unterwegs, kommen aus verschiedenen Zusammenhängen, aber alle verbindet der Wunsch, ein glückliches, sinnerfülltes Leben zu führen mit all dem, was sie mitbringen an Problemen, an Sehnsüchten und Träumen. Durch das Musical zieht sich der Grundgedanke: "Was ist der Weg zum Glück?", den die Lieder, Worte aus der Bibel, der Pfarrer, der Kinderchor und einzelne Reisende ganz unterschiedlich beantworten. Aber alle spüren, wie sie die Begegnung mit anderen und auch gerade die Begegnung mit dem christlichen Glauben weiterführt und ihnen neue Wege öffnet.

Höhepunkt der Begegnungen ist ein Finale, in dem das Miteinander-Teilen und das Brotbrechen zusammenführend wirkt. Die Reisenden ziehen weiter, aber versehen mit neuen Impulsen. Auf jeden Fall gehen sie verändert aus der Kirche.

"Faszinierend an diesem Projekt ist die Offenheit, mit der Menschen, die oft eine distanzierte Verbindung zum christlichen Glauben haben, bei den Proben bereits jetzt ins Gespräch kommen und sich auseinander setzen mit den Themen nach dem Sinn des Lebens und auch dem Verständnis des Wort Gottes," sagt Gabriele Töpfer. "Wir erhoffen uns, dass das Musical Kreise zieht, denn das ist ja das, was Martin Luther besonders wollte: Dass Menschen sich auf neue Wege besinnen."

Das Musical ist eingebettet in eine Fotoausstellung zum Thema "Haltestelle Glück" mit Bildern von Angelika Müller zu den Figuren von Hilde Würtheim.

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