Coburg
Gesundheit

Wenn die Harfe wieder gut klingt

Beim "Tag des Hörens" gab es viele technische Informationen. Günther Beckstein berichtete, wie es ist, plötzlich auf ein Hörgerät angewiesen zu sein.
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Horst Geiger engagiert sich in der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und Implantierte Coburg.
Horst Geiger engagiert sich in der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und Implantierte Coburg.
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"Nicht sehen trennt von den Dingen, nicht hören trennt von den Menschen" - mit diesem Zitat von Immanuel Kant eröffnete Jessica Heß, Geschäftsführerin des Terzo-Zentrums Hörgeräte Geuter, den mittlerweile achten "Tag des Hörens" im Kongresshaus. "Das Ziel unserer Veranstaltung ist es, darüber zu informieren und aufzuklären, wie wichtig gutes Hören ist. Auch liegt es in unserem Interesse, den Besuchern Möglichkeiten darüber aufzuzeigen, wie sie ihr Gehör schützen können und was getan werden kann, sobald eine Hörminderung vorliegt", berichtete Jessica Heß.

Die Ursachen für eine Hörminderung können vielseitig sein, wie Jessica Heß erläuterte: "Häufige Mittelohrentzündungen können das Gehör schädigen, und natürlich kann eine Hörminderung auch erblich bedingt sein. So kommt es auch, dass bereits Kinder betroffen sein können." In der Regel seien aber dennoch überwiegend ältere Menschen betroffen.

Einer der vielen Betroffenen ist der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). Sein Vortrag war ein Höhepunkt der Veranstaltung. Beckstein ist Träger eines Cochlea Implantats und eines Hörgerätes. "Es ist wichtig, bei einer Hörminderung möglichst frühzeitig einen Hörakustiker aufzusuchen. Hat man das Hören erst einmal verlernt, wird es viel schwieriger, in kurzer Zeit mit einem Hörgerät oder Implantat zurecht zu kommen", so Günther Beckstein. Er finde es "faszinierend", wie gut er nach der Anpassung seines Implantats und Hörgeräts selbst schwierige Hörsituationen meistern kann. "Plötzlich hatte ich wieder die Möglichkeit, an Diskussionen teilzunehmen und nicht nur Reden zu halten. Für die genaue Anpassung der Hörhilfen musste ich sehr viel Geduld aufbringen, aber mittlerweile hören sich selbst Harfen und Geigen bei Konzertbesuchen für mich wieder gut an", erzählte Beckstein.

Wie Günther Beckstein trägt auch Horst Geiger ein Hörgerät im rechten und ein Implantat im linken Ohr. "Nach mehreren Hörstürzen wurde ich vor etwa 30 Jahren auf dem linken Ohr taub. Da mein rechtes Ohr dadurch umso mehr beansprucht wurde, hat auch dessen Leistung mit der Zeit nachgelassen. Irgendwann war es mir kaum noch möglich, mich zu unterhalten", so Horst Geiger. Seit eineinhalb Jahren trägt er ein Implantat im linken Ohr. "Nach sämtlichen Gesprächen und Untersuchungen habe ich mich schließlich für die Operation entschieden." Gleich nach dem Eingriff in einer Spezialklinik ging es für Horst Geiger mit der Reha los: Noch bis zum Sommer wird er alle sechs Wochen zwei Tage in Suhl verbringen. "Wir arbeiten bei der Reha zehn Stunden pro Tag mit Logopäden und Technikern, die alles versuchen, um die Implantate für die Patienten bestmöglich einzustellen. Bis man mit Fortschritten belohnt wird, muss man sich allerdings gedulden", berichtete Horst Geiger. Aber er lässt sich nicht entmutigen: "Bisher habe ich leider noch nicht so große Erfolge wie die meisten anderen. Aber ich habe nichts zu verlieren und werde deswegen weiter an meinem Hörvermögen arbeiten." Um sich mit anderen auszutauschen engagiert sich Horst Geiger in der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und Implantierte Coburg. "Wir treffen uns ein Mal im Monat und tauschen uns über Arztbesuche, verschiedene Therapieformen und Technisches aus. Meistens sind wir zwischen zehn und 15 Personen. Der jüngste Teilnehmer ist 25 Jahre alt."

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