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Coburg
Gericht

Weizenglas voll aufs Auge

Zwei Betrunkene prügeln auf einen jungen Studenten ein. Einer der beiden benutzt ein kaputtes Weizenglas und verletzt sein Opfer schwer im Auge und Gesicht. Jetzt müssen sich die beiden vor dem Richter verantworten.
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Nachdem sie einen Studenten durch eine Hecke auf die Straße geschleift, mit den Fäusten traktiert und einer der Beteiligten diesen mit einem zerschlagenem Weizenbierglas im Gesicht und im Auge erheblich verletzt hatte, wollten die beiden Täter mit dem Taxi davon fahren. Dies wusste allerdings ein 31-jähriger Zeuge zu verhindern. Nun muss sich das Gericht mit dem Fall beschäftigen.
Anlass der blutigen Auseinandersetzung war eine Party in einer Wohngemeinschaft im ersten Stock eines Wohnhauses in Coburg, bei der wohl zu viel Alkohol und auch Drogen im Spiel gewesen waren. Im Laufe der Feier pinkelte einer der beiden Männer gegen die Hauswand des 31-jährigen Zeugen, der im Erdgeschoss wohnte, Dozent an der Hochschule Coburg ist und bei dem das spätere Opfer zu Besuch war. Daraufhin eskalierte die Situation.
Nun müssen sich die beiden jungen Männer aus dem Landkreis für ihre Tat vor dem Coburger Amtsgericht verantworten.
Die Anklage lautet auf schwere Körperverletzung. Einer von ihnen, ein 23-Jähriger muss auch für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln gerade stehen.

Bleibender Schaden am Auge

Der Geschädigte, der als Nebenkläger auftrat, leidet noch heute unter den Folgen der Auseinandersetzung, die sich um halb drei Uhr in der Nacht des 19. Oktober 2013 ereignete. Mit Faustschlägen traktierten die Angeklagten Körper, Hinterkopf und die rechte Gesichtshälfte des jungen Mannes. Durch das zerbrochene Weizenglas, das der 23-Jährige seinem Opfer über das Gesicht zog, erlitt der junge Mann zahlreiche bis zu acht Zentimeter lange Schnittwunden, die genäht werden mussten. Zudem wurde die Hornhaut des linken Auges so erheblich verletzt, dass eine Narbe auf der Hornhaut zurückblieb und sich die Sehkraft auf 80 Prozent reduzierte. Seit dem Vorfall muss der junge Mann, der deutliche Spuren im Gesicht davontrug, eine Brille tragen.
Neben dem genauen Tatablauf, von dem sich das Gericht durch Ladung zahlreicher Zeugen ein Bild machen wollte, versuchte Richter Werner Bauer zu klären, ob der 23-Jährige das Weizenglas im Laufe der Auseinandersetzung absichtlich zerschlug, um sein Opfer zu verletzen, oder das Glas unabsichtlich zu Bruch ging. "Ich habe versucht, es ihm zu entwinden", sagte eine Zeugin aus, der beim Anblick des Glases Übles schwante, "habe es aber nicht geschafft", obgleich sie dem 23-Jährigen auf die Arme geschlagen und versucht habe, seine Finger vom Glas zu lösen. "Irgendwann schlug der Angeklagte das Glas am Asphalt kaputt und zog es ihm durch das Gesicht."
Weiter beteuerte die Zeugin auch nach hartnäckiger Nachfrage durch das Gericht, dass beide Angeklagte den teils schon am Boden liegenden Studenten nicht nur mit Schlägen, sondern auch mit Tritten attackiert hätten. "Der lag auf dem Boden", erinnerte sie sich, die beiden hätten getreten und geschlagen.
Die zwei Angeklagten hatten einiges intus: Der gemessene Blutalkoholwert lag bei ihnen bei mindestens 1,4 und höchstens 1,9 Promille. Weiterhin konnten dem 23-Jährigen der Konsum von THC, das Bestandteil von Cannabis ist, nachgewiesen werden. Mehrere Zeugen sagten aus, der Angeklagte habe gewirkt, als stünde er unter Drogen. "Er war kreidebleich", erklärte beispielsweise der 31-jährige Dozent, habe zusammenhanglos herum gestammelt und orientierungslos gewirkt.
Zusammen mit dem späteren Opfer habe er den jungen Mann zur Rede gestellt, als dieser an die Wand seines Hauses uriniert habe. Der junge Mann habe sich allerdings nicht beruhigen lassen. "Er war auf Stress aus", erinnerte sich der Nebenkläger, "der ist immer und immer wieder gekommen." Irgendwann sei der 23-jährige Angeklagte dann mit einem leeren Weizenbierglas "schnurstracks" auf sein Opfer losgegangen, so der Dozent, der den zweiten Angeklagten, einen groß gewachsenen 24-Jährigen von dem Studenten trennte, indem er ihn in den Schwitzkasten nahm.

Taxifahrer wollte sie mitnehmen

Nach der Tat wollten die beiden Angeklagten mit einem Taxi, das die ganze Zeit am Straßenrand auf sie gewartet hatte, davonfahren. Nachdem der Dozent den Fahrer informiert hatte, dass soeben eine Straftat begangen und die Polizei gerufen worden sei und - als der Taxifahrer mit seinen Passagieren dennoch wegfahren wollte - gar das Nummernschild des Fahrzeuges fotografierte, mussten die Angeklagten das Fahrzeug wieder verlassen. "Wir haben ja gar nicht gewusst, wer die sind", sagte der Zeuge.
Am Montag, 26.Januar, wird die Verhandlung fortgeführt und das Urteil verkündet.
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