Weidhausen bei Coburg
Umbau

Weidhäuser "Oase" soll weg von der Notlösung

Erst war das pädagogische Konzept "Bildungshaus", jetzt kommen der Umbau und die Sanierung des Schulhaus-Westflügels als neue Heimat für den Kindergarten "Oase". Die Gemeinde Weidhausen (Landkreis Coburg) nimmt viel Geld in die Hand, um zu einem leistungsfähigen Bildungsstandort zu werden.
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Erzieherin Nicole Schneider bei der Führung durch die "Oase". Foto: Berthold Köhler
Erzieherin Nicole Schneider bei der Führung durch die "Oase". Foto: Berthold Köhler
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Der Westflügel der Schule wird neue Heimat des Gemeinde-Kindergartens "Oase". Das hat der Gemeinderat am Montag beschlossen - allerdings nicht ohne heftige Diskussionen. Grund der Meinungsverschiedenheiten waren die Kosten: Rund 720 000 Euro dürften am Ende auflaufen - ein Vielfaches von dem, was noch vor zwölf Monaten im Raum stand. "Es hieß: Mit gut 100 000 Euro kommen wir hin", erinnerte Thomas Carl (Freie Bürger) an die Ausgangslage. Dass nun ein derart dickes Paket auf dem Tisch liege, könne den Gemeinderat nicht glücklich stimmen.
Bei einem Rundgang durch die "Oase"-Räume erläuterte Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) den Stand der Dinge. "Ein halbes Jahr den Kopf zerbrochen", habe er sich gemeinsam mit der Verwaltung, um die Umgestaltung des Schul-Westflügels voranzubringen. Dass der Gemeinderat erst jetzt, zugegeben relativ spät, über die genaue Höhe der Kosten informiert wurde, hatte nach Angaben Mönchs mehrere Gründe: langwierige Gespräche mit den Genehmigungsbehörden (Landratsamt, Regierung von Oberfranken), bautechnische Auflagen und den allgemein schlechten Zustand sämtlicher Versorgungsleitungen (Wasser, Abwasser, Elektrik).
Am Ende jedenfalls stehe für ihn eine Erkenntnis, sagte Mönch: "Es funktioniert nicht, in den vorhandenen Räumen zu arbeiten." Mönch erinnerte auch daran, dass die "Oase" Mitte der 90er-Jahre als Notgruppe genehmigt wurde und diesen Status heute noch besitzt. Nach dem Umbau werde dies anders, zudem müsse die Gemeinde bis zum Herbst 2016 zwölf neue Krippenplätze schaffen. "Der Bedarf ist da", berichtete Erzieherin Nicole Schneider, dass sämtliche Krippenplätze für das kommende Jahr schon jetzt belegt sind.

Gibt es keine Alternative?

Den Unmut einiger Gemeinderatsmitglieder dämpften die Informationen nicht. Besonders Walter Lorper (Freie Bürger) fühlte sich "überfahren". Seiner Meinung nach hätte der Gemeinderat viel früher als geschehen über den steigenden Umfang der Kosten informiert werden müssen. Letztlich müsse man vom Neubau eines Kindergartens reden, sprach Lorper Klartext. Andre Faber (Freie Bürger) fühlte sich ebenfalls in einer "sehr, sehr schwierigen Situation". Er tue sich schwer, die Gesamtinvestition von 720 000 Euro als alternativlos hinzunehmen. Hier verwies Markus Mönch auf staatliche Vorgaben, wie ein Kindergarten mit Kinderkrippe auszusehen hat: "Es gibt klare Vorgaben - da macht die Gemeinde nicht die Musik." Mönch bezweifelte deshalb, dass ein zweiter Architektenentwurf billiger ausfallen würde.
Architekt Karl-Heinz Höfner, der von der Gemeinde mit der Kostenberechnung für den Umbau beauftragt wurde, versicherte auch: "Dieser Plan ist die wirtschaftlichste Lösung für die Krippe und die Regelgruppe." Dies zeige auch der Blick auf vergleichbare Projekte.
Kämmerer Gerhard Friedrich berichtete von der Möglichkeit, den Umbau des Schulhauses finanziell in zwei Bauabschnitte zu unterteilen: die Neugestaltung der Räume für Krippe und Regelgruppe (Kosten: 600 000 Euro) sowie den Umbau der Schulküche (120 000 Euro). Zu stemmen, versicherte der Kämmerer, sei der Umbau im kommenden Jahr für die Gemeinde: "Ich habe einen Haushaltsentwurf in der Schublade, bei dem das Projekt zu finanzieren ist."
Bernd Faber (SPD) meldete sich nach über eineinhalb Stunden Rundgang und Diskussion als Letzter zu Wort und sprach sich für den Umbau aus. "Auch wenn uns die Kosten alle erschreckt haben: Wir können aus einer Notlösung eine gute Lösung machen", sagte Faber. Gegen die Stimmen von Walter Lorper, Thomas Carl und Thomas Vollrath (alle FB) sprach sich der Gemeinderat dann letztlich für den Umbau aus.

Das kostet der Umbau des Westflügels der Schule

Finanzierung: Rund 720 000 Euro dürften der Umbau sowie die Neugestaltung der Schulküche kosten. Für die zwölf neu geschaffene Krippenplätze würde die Gemeinde eine Pauschalförderung von 117 600 Euro (9800 Euro pro Platz) bekommen, insgesamt rechnet die Verwaltung mit Fördermitteln in Höhe von 350 000 Euro. Das heißt: Für die Gemeinde selbst würde ein Eigenanteil von etwa 370 000 Euro übrig bleiben.
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