Rödental
Schicksal

Hodenkrebs: 15-Jähriger muss das Einfrieren von Samen selbst zahlen

Nach der Entfernung eines bösartigen Hodentumors hat der 15-jährige Benedikt Fehd seinen Samen einfrieren lassen. Die Kosten dafür werden nicht übernommen.
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Benedikt Fehd hat seine Haare bei der Chemotherapie verloren. Langsam wachsen sie wieder und es geht aufwärts. Foto: Christiane Lehmann
Benedikt Fehd hat seine Haare bei der Chemotherapie verloren. Langsam wachsen sie wieder und es geht aufwärts. Foto: Christiane Lehmann
Die Diagnose war für die ganze Familie ein Schock: Hodenkrebs. Für den 15-jährigen Benedikt Fehd sollte sich die Welt von einem auf den anderen Tag radikal verändern.

Zunächst bemerkte der Junge im Sommer vergangenen Jahres ein Geschwür und dachte dabei an eine Entzündung. Doch als ihn sein Bruder darauf ansprach, war schnell klar, dass er schleunigst zum Urologen musste. Dort wurde er sofort ins Klinikum Coburg überwiesen und am darauffolgenden Tag auch schon operiert. Das ist gerade mal ein halbes Jahr her. "Nach drei Zyklen einer starken Chemotherapie wachsen die Haare schon wieder und Benedikt geht es besser", freut sich seine Mutter Mandy. Ausgestanden sind jedoch weder die Krankheit noch die Folgen.

Benedikts Großmutter hat sich ans Tageblatt gewandt, weil sie die Ungerechtigkeit nicht länger erträgt. Ein Ordner voller Korrespondenz zwischen der Familie und der Krankenkasse, MdL Jürgen W. Heike (CSU) und Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) offenbart das Dilemma.


Samen einfrieren

Eine Auswirkung der Operation beziehungsweise der Chemotherapie ist eine mögliche Unfruchtbarkeit. Deshalb wurde Benedikt nach der Entfernung des Tumors und eines Hodens von den Ärzten eine so genannte Kryokonservierung (Einfrieren des Samens) empfohlen. Dadurch ist es möglich, auch noch später Kinder mit dem Samen zu zeugen.

Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse wurde jedoch abgelehnt. In dem Ablehnungsschreiben heißt es, dass "die Kryokonservierung vorsorglich gewonnener imprägnierter Spermien für die mögliche Wiederholung eines Versuchs der Befruchtung keine von der gesetzlichen Krankenversicherung zu leistende medizinische Maßnahme zur Herbeiführung einer Schwangerschaft" sei.

Auch der Einspruch von Heiko Fehd, dass eine eventuell eintretende Unfruchtbarkeit hier durch eine Krankheit hervorgerufen wurde und somit eine direkte Krankheitsfolge darstelle, änderte nichts an der Ablehnung durch die Kasse.


"Kinder sind unsere Zukunft"

"Da wirbt die AOK in der Geschäftsstelle in Coburg mit übergroßen Plakaten mit der Aufschrift ,Kinder sind unsere Zukunft' und dann das", macht Monika Fehd ihrer Wut Luft. "Was, wenn die Eltern die Kosten nicht bezahlen können? Scheitert dann die Familienplanung am Geld?", fragt die aufgebrachte Oma und will sich für mehr Gerechtigkeit stark machen.

Die Kosten belaufen sich in etwa auf 800 Euro für das Einfrieren der Spermien, 100 Euro Blutabnahme kommt dazu und für die Einlagerung muss etwa mit 300 Euro pro Jahr gerechnet werden. Heiko und Mandy Fehd, Benedikts Eltern, haben die Kosten übernommen, aber dennoch kämpft die Familie weiter. "Uns geht es ums Prinzip", wettert Monika Fehd, die sich an den Landtagsabgeordneten Jürgen W. Heike (CSU) mit der Bitte um Unterstützung gewandt hat. "Einer, der sich unsere Sorgen angehört hat und gleich an Staatssekretärin Melanie Huml geschrieben hat - anders als MdB Hans Michelbach, der den Eingang unseres Anschreibens nicht mal bestätigt hat." Die Antwort aus dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege an Jürgen W. Heike war jedoch ebenfalls unbefriedigend für die Familie.

Melanie Huml schreibt: "Das Fünfte Sozialgesetzbuch ordnet die Kryokonservierung menschlicher Keimzellen gezielt der Eigenverantwortung der Versicherten zu. Sie gehört als versicherungsfremde Leistung nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen." Das Bundessozialgericht habe bestätigt, dass es sich bei einer Kryokonservierung weder um eine Maßnahme der künstlichen Befruchtung noch um eine Krankenbehandlung an sich handelt.

Der Anspruch auf Krankenbehandlung ziele lediglich darauf ab, die Fähigkeit ganz oder teilweise wiederherzustellen, auf natürlichem Wege eine Schwangerschaft herbeizuführen. Hierzu diene die Kryokonservierung und Lagerung von Samenzellen aber nicht.


Kein Spielraum

"Das Gesetz erfasse als Maßnahmen der künstlichen Befruchtung nur solche, die dem einzelnen natürlichen Zeugungsakt entsprechen und unmittelbar der Befruchtung dienen, nicht aber mittelbare Maßnahmen weit im Vorfeld einer Befruchtung wie hier die Tiefkühlkonservierung und Lagerung von Samenzellen", heißt es weiter. Vor diesem bundesrechtlichen Hintergrund sieht Melanie Huml derzeit keinen Spielraum für Verhandlungen mit den Krankenkassen auf bayerischer Ebene und bittet Jürgen W. Heike um Verständnis.

Enttäuscht von der Krankenkasse und frustriert über die Lücke im Gesetz, hofft Familie Fehd auf ein Bewusstwerden der Problematik in der Gesellschaft. So könnte Monika Fehds Meinung nach beispielsweise eine Stiftung für krebskranke Kinder die Kosten übernehmen, wenn sich eine Familie die Kryokonservierung nicht leisten kann.
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