Coburg
Kommentar

Warum besuchen Sie nicht den Coburger Bahnhof, Herr Dobrindt?

Unser Redakteur Oliver Schmidt macht sich Gedanken darüber, wie der Bundesverkehrsminister kurz vor der Bundestagswahl seine Schwerpunkte setzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Foto: dpa/Nicolas Armer
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Foto: dpa/Nicolas Armer
Am Dienstag kommt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ins Coburger Land. Das ist schön. Aber auch ganz schön kompliziert. Aber was ist wenige Wochen vor einer Bundestagswahl schon einfach?

Ursprünglich waren drei Termine geplant: Besichtigung der Baustelle an der B303 bei Oberelldorf, Besichtigung des Coburger Bahnhofs und Besuch bei der Firma Brose. Doch vergangene Woche teilte das Verkehrsministerium mit, dass Herr Dobrindt von der Klausurtagung auf Kloster Banz früher als geplant zurück nach Berlin müsse. Die drei im Coburger Land anberaumten Termine könne er deshalb leider nicht wahrnehmen.

Am Montag tat sich dann aber doch wieder ein kleines Zeitfenster auf. Mal davon abgesehen, dass die bevorstehende Bundestagswahl dabei durchaus eine Rolle gespielt haben könnte: Die Auswahl, die der Minister am Ende getroffen hat, erstaunt. Denn er zieht einen Besuch an der B303 einer Visite des Coburger Bahnhofs vor. Nun gut, der Bund fördert den wichtigen Ausbau der Bundesstraße mit immerhin acht Millionen Euro. Da darf sich ein Minister schon gerne mal von der sinnvollen Verwendung des Geldes überzeugen - gar kein Thema.

Andererseits: Die Bauarbeiten bei Oberelldorf haben längst begonnen und werden im August ihre "heiße Phase" (inklusive Straßensperrung) erreichen. Sehr viel mehr als freundlich in die Kamera lächeln und ein paar Sätze über die Bedeutung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum sagen, kann Alexander Dobrindt da eigentlich nicht. Gleichzeitig liegt am Bahnhof in Coburg noch sehr viel im Argen. Die Deutsche Bahn ist kein einfacher Verhandlungspartner für die Stadt Coburg, wenn es etwa um Parkplätze am künftigen ICE-Halt oder auch eine weitere Sanierung des maroden Gebäudes geht. Da hätte ein Machtwort des Ministers gut getan und vielleicht ja sogar ein wenig geholfen. Zumal auch der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel, zum Termin dazu kommen wollte.

Dass der Termin am Bahnhof jetzt nicht zustande kommt, ist - zurückhaltend ausgedrückt - sehr schade. Denn damit wird der Eindruck erweckt, dass der Minister lieber an der B303 ein bisschen Wahlkampf macht statt am Coburger Bahnhof bei der Lösung kniffliger Probleme zu lösen.

P.S.: Für seinen ebenfalls zunächst wieder abgesagten Besuch bei der Firma Brose hat sich dann übrigens auch noch ein Zeitfenster aufgetan. Direkt von Oberelldorf geht's am Dienstag in die Max-Brose-Straße. Dort soll unter anderem über Elektromobilität gesprochen werden. Zweifelsohne: Dieser Austausch erscheint sinnvoll und dürfte auch allen Beteiligten etwas bringen - und zwar nicht nur, weil bald Bundestagswahl ist.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren