Seßlach
Sicherheit

Warum Sanis in den Wald bei Krumbach fuhren

Schwere Unfälle bei der Waldarbeit sind eine Herausforderung für Rettungskräfte und Forstwirte. Regelmäßige Rettungsübungen sind daher Pflicht.
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Schwerer Unfall bei der Waldarbeit - bei einer Übung nahe Krumbach kümmern sich Laura Reblitz (links) und Katharina Höfner vom ASB um den "Verletzten" Frank Stölzel. Fotos: Rainer Lutz
Schwerer Unfall bei der Waldarbeit - bei einer Übung nahe Krumbach kümmern sich Laura Reblitz (links) und Katharina Höfner vom ASB um den "Verletzten" Frank Stölzel. Fotos: Rainer Lutz
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Der Stamm stand unerwartet unter Spannung. Als Frank Stölzel ihn mit der Kettensäge anschneidet, schnellt er zur Seite und zerschmettert ihm das Schienbein. Der Forstwirt stürzt über ein weiteres Stammteil und bleibt schwer verletzt liegen. Jetzt sind seine Kollegen gefragt. Sie müssen ihn versorgen und für schnelle medizinische Hilfe sorgen - mitten im Wald. Es ist eine Übung.
Doch solche Unfälle sind bei der Holzernte keine Seltenheit, wie Henry Renner betont. Der Forstwirtschaftsmeister ist der Sicherheitsbeauftragte im Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten. Gerade die Routine kann zur Gefahr werden. "Je länger man in der Holzernte arbeitet, desto eher wird man nachlässig", sagt er.
Als Leiter des Forstbetriebs weiß das auch Albert Schrenker. "Deswegen wird ständig wieder bei Besprechungen gemahnt, sich immer der Gefahr bewusst zu bleiben, nie leichtsinnig zu werden", sagt er.
Doch auch er weiß, dass immer etwas passieren kann. Auch wenn die BaySF ein Programm mit dem Titel "0-Unfälle" aufgelegt hat.


Üben schafft Routine

Für den Fall der Fälle sollen Rettungsübungen, wie die am Mittwoch bei Krumbach, auch das Helfen für die Mitarbeiter zur Routine machen. "Außerdem entdecken wir jedes Mal wieder etwas, das noch verbessert werden kann", ist Henry Renner überzeugt. Der Übungsverlauf gibt ihm recht.
Zunächst läuft alles nach Programm. Die vier Forstwirte, die an der Arbeitsstelle eingesetzt sind, wissen, was zu tun ist. Günther Jahrsdörfer meldet den Unfall an die Integrierte Leitstelle (und anschließend gleich an Revierleiter Justus Humbert), schildert die Verletzung und nennt den nächst gelegenen Rettungspunkt. Es ist der mit der Nummer 2064. Solche Punkte sind in Wald und Flur ausgeschildert. Werden sie mit einer Unfallmeldung angegeben, führen genaue Koordinaten die Rettungskräfte genau zu diesem Schild. Aus irgendeinem Grund fehlen in diesem Fall die Koordinaten. Die Leitstelle reagiert und schickt den Wagen zum letzten Haus in Krumbach. Inzwischen ist ein Kollege des Verletzten am Rettungspunkt - und sieht von dort aus den ankommenden Rettungswagen.


Aderpresse für jeden

Während dessen läuft die Erstversorgung des Verletzten. Die starke Blutung des offenen Bruchs muss gestoppt, das Bein also am Oberschenkel abgebunden werden. Dafür hat jeder Arbeitstrupp im Wald eine Aderpresse dabei - doch die liegt im Bauwagen einige Hundert Meter entfernt und muss geholt werden. Nach der Übung wird Albert Schrenker veranlassen, dass künftig jeder Arbeiter so ein Band am Mann hat.
Eine Rettungsdecke hält den Verletzten warm. Die Kollegen leisten ihm Beistand. Dann ist der Rettungswagen da. Laura Reblitz und Katharina Höfner kommen, geführt von Christian Völk, durch das Stangenholz heran und kümmern sich um den Verletzten. Rasch wird klar, dass ein Notarzt nach alarmiert werden muss. Auch er muss am Rettungspunkt abgeholt werden. Inzwischen kümmern sich die beiden angehenden Rettungsassistentinnen - auch für sie ist dieser Einsatz eine Übung - um Frank Stölzel. Die Wunde wird steril abgedeckt, das Bein stabilisiert, die Hüfte scheint gebrochen und wird gestützt, sicherheitshalber auch die Halswirbelsäule. Ein Zugang für eine Infusion wird gelegt, und schließlich wird Stölzel mit vereinten Kräften auf ein Tragebrett gelegt und sorgfältig angeschnallt. Rettungskräfte und Waldarbeiter tragen ihn gemeinsam zum Rettungswagen. Übungsende.


Wertvolle Zeit

Seit dem Unfall sind 50 Minuten vergangen. "Wenn man dort liegt, ist das ganz schön lang", stellt der "Verletzte" fest. Wie lange es ihm vorgekommen wäre, wenn er wirklich schwer verletzt worden wäre, mag er sich gar nicht vorstellen. Doch die Zeit ist normal. Henry Renner weiß von früheren Übungen: "Etwa eine Stunde brauchen wir immer. Hier kam uns zu Gute, dass wir ziemlich ebenes Gelände hatten, daher ging es etwas schneller." Komplizierte Anfahrt, Fußmarsch durchs Gelände für die Rettungskräfte und für den Transport des Verletzten - all das kostet Zeit. Um so wichtiger ist es für alle Beteiligten, diese Szenarien immer wieder zu üben, um möglichst viel von dieser wertvollen Zeit zu sparen.
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