Dem Mann wird vorgeworfen, im September 2010 ein Ladenlokal mit Imbiss in der Ketschengasse in Brand gesteckt zu haben. Dabei war das Leben von vier Menschen, die im selben Gebäude wohnten, in Gefahr geraten.
Die Anklage lautet auf besonders schwere Brandstiftung in Tateinheit mit versuchter Brandstiftung, tateinheitlich mit versuchtem Mord in vier Fällen. Staatsanwalt Johannes Berg wirft dem Angeklagten vor, bei Ausräumarbeiten brennbare Gegenstände aufgetürmt zu haben. Der Imbissbetreiber war im Begriff, das Lokal aufzugeben.
Vorausgegangen war Streit mit den Vermietern. Der Angeklagte habe eigenmächtig die Miete gekürzt, da seiner Meinung nach vertragliche Vereinbarungen seitens der Vermieter nicht eingehalten wurden. Darauf kündigte die Vermieterfamilie die Räume zum 30. September 2010. Am Vortag habe der Imbissbetreiber die Räume geräumt und gereinigt. Einige Holzschubladen und Kartons mit Servietten hatte er im Laden gestapelt. Daneben noch einige Elektrogeräte, die eine Firma abholen sollte. Auf nicht näher bekannte Weise soll er in den Morgenstunden des 30. September die Gegenstände angezündet haben. Kurze Zeit später wurde der Brand bemerkt und die Feuerwehr verhinderte dessen Ausbreitung. Es entstand Sachschaden von 20 000 Euro am Gebäude, verletzt wurde niemand.
Der Angeklagte bestritt in der Verhandlung, dass er etwas mit dem Brand zu tun hat. Er gab zu, dass er am Vortag das Ladenlokal ausgeräumt hatte. Dabei habe man mit Lappen Fett aufgewischt und sie neben dem Müllstapel entsorgt. Auch sei mit einer Flex gearbeitet worden. Auch gab er zu, am Morgen des Brandes kurz im Laden gewesen zu sein, eine Zeugin hatte seinen Wagen bemerkt. Er sei nur dort gewesen um einen Schlüssel zu holen, den er am Vorabend vergessen hatte. Gleichzeitig hatte er dem Betrieb, der die Geräte abholen sollte, einen Schlüssel hinterlegt. Das sei gegen 8 Uhr gewesen, und alles in Ordnung.
Als er später mit seinem Auto wieder in die Stadt fuhr, erfuhr er telefonisch, dass es im ehemaligem Imbiss brennt. Auch gab er zu, dass ein gespanntes Mietverhältnis geherrscht hatte. Fast 13 Jahre lang sei er Mieter gewesen. Doch hätten die Vermieter vertragswidrig gehandelt. Räume, die ihm zugestanden hätten, habe der Schwiegersohn der damaligen Eigentümerin genutzt.
Einen Raum habe er nicht nutzen können, da Schimmel an den Wänden war, deshalb sei auch die Miete überhöht gewesen. Später habe man ihm vorgeschlagen, diesen Raum aus dem Vertrag zu nehmen, aber gleichzeitig die Miete für die verbleibenden Räume um 80 Prozent erhöht. Bedroht habe er den Vermieter nie, dagegen hätten sich die Vermieter manchmal vor Kunden abfällig geäußert. Den Brand könne er sich nur so erklären, dass sich die Fettlappen selbst entzündeten oder ein Funke vom Flexen dazu führte. Als er am Morgen im Lokal war, sei alles in Ordnung gewesen.
"Die Räume sind immer in Schuss gehalten worden", sagte die Eigentümerin. Sie gab zu, zuweilen etwas aufbrausend zu reagieren. In diesem Fall jedoch nur, als sie sich über den Mieter geärgert hatte, als der das Treppenhaus mit Müll zustellte. "Das waren Essenreste, und es war Sommer."
Ihr Mann gab an, lange geduldig mit dem Imbissbetreiber gewesen zu sein: "Aber er hat ständig versucht etwas herauszuhandeln und auch noch die Miete gekürzt. Da haben wir gesagt, wir machen einen Schnitt und haben ihm gekündigt." Später soll der Gastronom ihm gedroht haben: "Ich mach dich fertig!" Der Angeklagte erklärte, er habe gesagt: "Ich mach das fertig" - und damit das Wegräumen des Mülls im Treppenhaus gemeint.
Sachverständiger Schluderer ist sicher: Der Brand kann nicht durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein, denn kein Gerät war am Netz. Die Selbstentzündungsvariante schloss er auch aus. Seiner Meinung nach bleiben nur fahrlässiges Handeln mit der Flex oder Vorsatz. Funkenflug könne einen Schwelbrand auslösen, der nach Stunden zum Flammenbrand wird. Was er nicht stehen lassen mochte, war die Aussage, dass der Angeklagte den Schwelbrand beim morgendlichen Besuch nicht bemerkt hat: "Das ist schwer vorstellbar. Das wäre ein extrem außergewöhnliches Brandgeschehen. Dass das so 13 Stunden vor sich hinglimmt. Nicht brennt, als er dort ist, und kaum ist er aus dem Raum, flammt das auf. Das wäre wie ein Sechser im Lotto, also 1:14 Millionen."
Doch da es Sechser im Lotto gibt, mochte der Sachverständige nicht ausschließen, dass es sich um einen ungewöhnlichen Ablauf gehandelt haben könnte. "Jeder Brand ist ein chaotisches Geschehen. Da kann man nichts auf Minuten festnageln. Da spielen zu viele Faktoren mit." Möglich ist also der Schwelbrand genauso wie vorsätzliche Brandstiftung ohne Brandbeschleuniger. Zuletzt wollte sich Schluderer dann doch festlegen und formulierte vorsichtig, dass es sich eher um Vorsatz als um einen Schwelbrand, der von Schneidearbeiten herrührt, handeln könnte.
Um mehr Licht in die Sache zu bringen, hat Richter Amend für Mittwoch, 27. Juni, wichtige Zeugen geladen.