In einem gemeinsamen Pressegespräch informierten am Mittwoch Vertreter von Geschäftsführung und Arbeitgeberverband sowie von Belegschaft und IG Metall über die Rückkehr in den Flächentarif. Zu diesem Ergebnis habe man nach zwei Runden "intensiver Gespräche" gefunden, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hubert Becker. "Darüber wollen wir nun zusammen informieren, um zu dokumentieren, dass wir gemeinsam nach vorn schauen."
Die Vereinbarung zwischen Waldrich Coburg und der IG Metall beinhaltet außer der Rückkehr in den Flächentarif auch die Zusage der Gewerkschaft, dass sie zu Gesprächen über Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bereit ist, wenn die wirtschaftliche Situation das erfordert.
Der Austritt aus dem Tarif sei eine Vorsorgemaßnahme für das Unternehmen gewesen, weil der aktuelle Abschluss zu einer "kritischen wirtschaftlichen Situation" führen könne, so Becker. Mit der Zusage der Gewerkschaft zu Gesprächen sehe man aber die Möglichkeit, wieder in den Flächentarif einzusteigen. "Dieser Entscheidung gebührt Respekt", erklärte Jürgen Apfel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Coburg. Ihn habe zudem gefreut zu sehen, "wie viele Beschäftigte hier den aufrechten Gang beherrschen". "Diese Geschlossenheit war der Schlüssel zum Erfolg." Apfel betonte: "Die Kolleginnen und Kollegen waren ganz kurz vorm Streik."
Die Aussicht auf einen Arbeitskampf war es wohl letztlich, die die Geschäftsführung zum Umdenken bewog. "Ein Teil der Verantwortung geht damit auf die Belegschaft über", sagte Hubert Becker. Das sah auch Uwe Herold so. Der Geschäftsführer Finanzen erinnerte daran, dass das Marktumfeld seit 2009 schwieriger geworden sei. Eingehende neue Aufträge reichten nicht aus, um die Fertigungskapazität auszulasten. Außerdem sei es nicht möglich, Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben. "Sicher gibt es Risiken. Aber wir hatten schon schlechtere Zeiten, und immer haben wir Lösungen gefunden", entgegnete darauf Betriebsratsvorsitzender Hardy Müller. Er äußerte sich, ebenso wie Jürgen Apfel, "sehr zufrieden, dass wir im Tarif zurück sind".
Die Geschäftsleitung habe Mut und Verantwortung gezeigt, erklärte Franz Brosch, vbm-Geschäftsführer für Oberfranken. Die in der Vereinbarung festgeschriebene Verhandlungsbereitschaft der IG Metall sei ein wichtiges Kriterium für den Wiedereintritt in den Tarif gewesen.
Um es deutlich zu machen: Aktuell besteht kein Grund zur Sorge um die wirtschaftliche Situation von Waldrich Coburg. "Die Geschäftsleitung muss aber ein ganzes Stück weiter in die Zukunft schauen als der einzelne Mitarbeiter", sagte Hubert Becker. Die nun geschlossene Vereinbarung bietet die Möglichkeit, im Fall von geschäftlichen Schwierigkeiten innerbetriebliche Lösungen zu vereinbaren. Becker zog sein Fazit aus der Rückkehr in den Tarif: "Für Waldrich ist das die richtige Entscheidung."