Coburg
Stadtentwicklung

Vom Coburger Schlachthof bleibt nicht viel übrig

Noch in diesem Jahr wird sich das Gesicht des früheren Coburger Güterbahnhofes und des Schlachthofes ändern. Mehrere Gebäude fallen dann dem Abrissbagger anheim. Der Bau- und Umweltsenat hatte sich auch mit einem Problem im Untergrund des Grundstücks der neuen Dreifach-Turnhalle zu befassen.
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Der Schlachthof steht seit 2013 leer. Heuer sollen noch drei alte Stallungen abgerissen werden. Foto: Simone Bastian (Archiv)
Der Schlachthof steht seit 2013 leer. Heuer sollen noch drei alte Stallungen abgerissen werden. Foto: Simone Bastian (Archiv)
"Die Entwicklung dieses Geländes ist enorm wichtig für die Stadt", sagte der Geschäftsführer der kommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Projektsteuerer, Stephan Horn. In der Sitzung des Bau- und Umweltsenats am Mittwoch erinnerte Horn an die schon vollendeten Abbruch-, Rodungs- und Vermessungsarbeiten der Vergangenheit. Als nächstes werden bei der Bezirksregierung in Bayreuth die Möglichkeiten staatlicher Förderung ausgelotet und das gesamte Gelände auf Altlasten hin untersucht. Aktuell wird der Standort eines früheren Tanklagers saniert. Sobald für das ausgedehnte Gelände ein Bebauungsplan vorliegt soll ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb folgen.

Da die Wohnbau der Stadt mit der Entwicklung des Areals betraut ist, erläuterte Reiner Wessels die kommenden Abrissarbeiten. In diesem Jahr verschwinden drei alte Stallungen des früheren Schlachthofes sowie das Gebäude Am Güterbahnhof 1. Fallen wird auch eine alte Scheune nahe der früheren Stückguthalle. Im nächsten Jahr kracht die Abrissbirne dann in den Anbau des Verwaltungsgebäudes des Schlachthofes und auch die Schlachthallen werden abgetragen.


Weitere Beschlüsse sollen frühestens 2017 fallen

Der Bau- und Umweltsenat wird über den Abriss der Lagerhallen und Scheunen Am Güterbahnhof 5, 6, 11, 12, 14 und 15a frühestens 2017 entscheiden. Wie Reiner Wessels weiter sagte, soll das Dienstgebäude des Zolls erhalten bleiben. "Das ist auch nicht im Besitz der Stadt." Ebenfalls "historisch nicht unbedeutend ist die Pakethalle".

Für Hans-Heinrich Ulmann, CSB, ist der Bau- und Umweltsenat gefordert "zu beschließen was und wann im Einzelnen dort zu passieren hat". Weiter vermisste er Entscheidungen zum Bau der neuen Itzbrücke in Verlängerung der Ernst-Faber-Straße. "Davon hängt die Umsiedlung der Firma Ros ab", meinte Ulmann unwirsch. Ebenso sah es CSU-Stadtrat Jürgen Oehm, der anstelle von Planungssicherheit "Rumgeeiere" ausmachte. Das wiederum wies Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (C'SU) zurück und erhielt Schützenhilfe von Petra Schneider. "Ich lasse mir "rumeiern" nicht gefallen", schoss die SPD-Frau in Richtung der CSU. Oehm und Parteikollege Max Beyersdorf wollten nur "alles platt machen". "Wir müssen nicht um jede Hütte dort jahrelang herumhüpfen", verteidigte sich Beyersdorf und beruhigte etwas die Gemüter: "Wir haben einen guten Plan, den dürfen wir nicht Stück für Stück zerreden." Hingegen fand "die bedachte Entwicklung" den Zuspruch von Grünen-Stadtrat Wolfgang Weiß und Peter Kammerscheid (Pro Coburg). Schließlich gebe es noch keinen Bebauungsplan.

Die dreispurige Straßenbrücke über die Itz ist am vergangenen Wochenende europaweit ausgeschrieben worden. Der Baugrund für die Widerlager wird zur Zeit untersucht.

Der Bau- und Umweltsenat hatte sich in seiner jüngsten Sitzung auch mit einem Umweltproblem zu befassen. Beim Bau der neuen Dreifach-Sporthalle an der Ecke Karche- und Bamberger Straße sind in einer Grundwasserprobe polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden worden. Im zwischenzeitlich abgetragenen Erdwall entlang der Bamberger Straße fanden sich nach den Worten von Thorsten Huld vom Hochbauamt der Stadt Sulfate. "Die stammen wahrscheinlich von mineralischem Bauschutt."

Das Gelände im Coburger Süden und damit das Grundstück der neuen Dreifach-Sporthalle auf dem Ketschenanger ist vor Jahrzehnten um bis zu 1,80 Meter aufgefüllt worden. Wie Thorsten Huld am Mittwoch in der Sitzung des Bau- und Umweltsenats mitteilte, überschreitet das Grundwasser dort nach einer Untersuchung den Stufe-1-Wert bei PAK. Eine weitere Grundwasserprobe, aus einem Brunnen auf der Benno-Benz-Sportanlage entnommen, bestätigte die Verunreinigung nicht.


Kläranlage macht's teuer

Das Grundwasser bedeutet einen erhöhten Aufwand beim Bau der Sporthalle, der sich bislang nur grob abschätzen lässt. "Schließlich steht das Gebäude später etwa 1,10 Meter tief im Grundwasser", sagt Huld. Während der Bauarbeiten muss das Wasser aus der Baugrube abgepumpt werden. Gerechnet wird mit sechs bis zwölf Litern Wasser je Sekunde. Wenn das Wasser unbelastet ist, kann es durch den Regenwasserkanal und weiter in die Itz geleitet werden. Sollte es verschmutzt sein, dann wird es über das Kanalsystem in die Kläranlage gepumpt. Ersteres kostet 15 Cent Einleitungsgebühr je Kubikmeter, zweiteres drei Euro. Bei starker Belastung müsste das Grundwasser vor Ort in einer speziellen Anlage gereinigt werden, was wiederum noch höhere Kosten nach sich ziehen würde.

Um Gewissheit über eine mögliche Schadstoffbelastung zu erhalten, soll die Baugrube der Sporthalle bis auf den gewachsenen Boden ausgehoben werden. Sollten sich höhere Entsorgungskosten für Erdreich und Grundwasser ergeben, so Thorsten Huld, könne bei den nachfolgenden Bauarbeiten und Ausstattungen nach Einsparmöglichkeiten gesucht werden, um den gesetzten Kostenrahmen von acht Millionen Euro einzuhalten. Daher, und auch dies fand die einmütige Zustimmung des Bau- und Umweltsenates, werden der Roh- und Innenausbau erst später ausgeschrieben.


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