Coburg
Initiative

Verwandlung einer grauen Maus

Die Renovierung der Fassade des Hauses Oberer Bürglass 15 war die bisher teuerste Investition für Stadtbild Coburg.
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Stolz auf die neue Plakette (von links): Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber, die Hausbesitzer Marion und Bojan Antretter-Bolkovac und der Vorsitzende von Stadtbild Coburg, Hans-Heinrich Eidt.  Foto: Ch. Lehmann
Stolz auf die neue Plakette (von links): Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber, die Hausbesitzer Marion und Bojan Antretter-Bolkovac und der Vorsitzende von Stadtbild Coburg, Hans-Heinrich Eidt. Foto: Ch. Lehmann
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Wenn Hans-Heinrich Eidt mit Michael Stoschek und seiner Frau Gabriele im Auto durch die Stadt fährt, richten sich die Blicke vor allem auf die Fassaden. Was ins Auge sticht, weil es verkommt oder Sanierungsbedarf hat, könnte dann durchaus zu einem neuen Projekt von Stadtbild Coburg werden.
Vor rund zwei Jahren war es das graue, abgeblätterterte Haus am Oberen Bürglaß 15, das Hans-Heinrich Eidt als Schandfleck so nicht länger im Stadtbild sehen wollte - zumal das Gebäude als zweigeschossiges Trauf-seithaus mit Zwerchhaus aus dem 17. Jahrhundert in dem dicken Bildband über die Baudenkmäler der Stadt Coburg aufgeführt wird.
Wer jetzt glaubt, die Eigentümer wären dem Vorsitzenden der Gemeinschaft Stadtbild um den Hals gefallen, als er ihnen verkündete, die Fassadensanierung zu übernehmen, der irrt. Marion Antretter-Bolkovac war skeptisch.
Die Münchnerin, die das Haus vor 19 Jahre geerbt hatte und seither die Wohnungen nach und nach renoviert hat, um sie vermieten zu können, glaubte einfach nicht, dass da jemand kommt und ihr Geld schenken möchte. Deshalb spricht Hans-Heinrich Eidt gestern bei der Plakettenverleihung von einem "sehr schwierigen Fall" mit der bisher dicksten Bauakte.
Denn um weitere Zuschüsse und Genehmigungen zu erhalten, brauchte Hans-Heinrich Eidt eine Vollmacht der Besitzerin. Und die wollte sie ihm zunächst gar nicht so leicht geben. Doch letztendlich hat sie eingesehen, dass es doch tatsächlich noch Ritter gibt, die, wenn auch nicht auf dem weißen Pferd, so doch mit Sachverstand und Spendenmitteln Glück bringen können.


Allein nicht geschafft

"Wir haben jetzt ein Schmuckstück, und ohne Hans-Heinrich Eidt hätten wir das nie geschafft", sagt Marion Antretter-Bolkovac voller Dankbarkeit. Rund 130 000 Euro sind in das Dach, die Fenster und in den Putz geflossen. Der Vorsitzende von Stadtbild war nicht nur Geldgeber, er kümmerte sich auch um weitere Spenden, Zuschüsse, um die Handwerker und die Abwicklung. Ein wichtiger Schritt war die Beauftragung von Georg Brütting, der ein dendrochronologisches Gutachten erstellte. Dabei wird das Holzalter der verbauten Balken berechnet. "Demnach dürfte das Haus um 1500 entstanden sein, plus/minus 100 Jahre", sagt Brütting. Diese Einordnung half bei der Gewährung von Zuschüssen durch den Denkmalschutz. Natürlich hat auch die Familie Eigenmittel eingebracht, und die Stadt Coburg leistete einen Beitrag aus der Denkmalschutzkasse.
Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) freute sich über die Initiative von Stadtbild, die mit den Eigentümern solche Projekte stemmt. "Die Stadt allein könnte das nicht."
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