Neustadt bei Coburg
Sicherheit

Verbrechen lohnt sich in Neustadt nicht

Drei Viertel der Straftäter gehen der Neustadter Polizei ins Netz.
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Der Leiter der Polizeiinspektion Neustadt, Uwe Kalamala, erklärt die Kriminalstatistik für seinen Zuständigkeitsbereich.  Foto: Rainer Lutz
Der Leiter der Polizeiinspektion Neustadt, Uwe Kalamala, erklärt die Kriminalstatistik für seinen Zuständigkeitsbereich. Foto: Rainer Lutz
Die Zahl der Straftaten ist im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Neustadt im vergangenen Jahr gestiegen. Doch verdient dieser Anstieg durchaus eine differenzierte Betrachtung, wie der Leiter der Inspektion, Uwe Kalamala, beim Blick in die Statistik deutlich macht. Die Nutzung der Frankenhalle als Notunterkunft spielt dabei eine Rolle.

Bayernweit wurden im vergangenen Jahr 594 899 Straftaten erfasst. Der Zuständigkeitsbereich der Polizei in Neustadt steuerte seinen Teil dazu bei. Nach 1514 Straftaten im Jahr 2014 wurden im vergangenen Jahr 1849 registriert. Das ist kein eklatanter Anstieg und auch kein Rekord. 2007 wurden von der Inspektion 2160 Fälle bearbeitet, in den Folgejahren mal mehr als 1700, mal unter 1600. In der Tat ist der Anstieg zum Teil der Flüchtlingsthematik geschuldet. Denn Flüchtlinge, die zur Erstaufnahme in die Frankenhalle gebracht wurden, mussten von der Polizei als illegal eingereist betrachtet werden. Zwar wurde keinem der Flüchtlinge der Prozess gemacht, doch als Fall schlug jeder Vorgang zu Buche. Rechnet der Inspektionsleiter diese Fälle aus der Statistik heraus, fällt der Anstieg auf dann noch 1709 Straftaten schon deutlich geringer aus. Ansonsten betont Uwe Kalamala: "Es gab keinerlei Probleme mit Eigentumsdelikten oder dergleichen."

Im Gegenteil, in vielen Deliktfeldern ging die Zahl der Taten gegenüber dem Vorjahr zurück. So etwa bei der Gewaltkriminalität (von 53 auf 39 Fälle), bei den Rohheitsdelikten (von 284 auf 268), der gefährlichen Körperverletzung (von 39 auf 31), den Diebstählen im Allgemeinen (von 407 auf 403) und den Ladendiebstählen im Besonderen (von 49 auf 41). Die Zahl der Fahrraddiebstähle ging von 64 auf 54 zurück.


Ein Täter, viele Taten

Einen Anstieg verzeichnet die Polizei bei Diebstählen an und aus Autos. Hier verursacht oft ein einzelner Täter oder eine Tätergruppe durch eine Reihe von Delikten einen sprunghaften Anstiegt der Fallzahlen. So etwa im Jahr 2005, mit 77 Taten, während die Zahl in den vergangenen fünf Jahren kaum die 30er Marke erreichte. Nach 22 Fällen 2014 wurden im vergangenen Jahr 29 solcher Vergehen registriert.

Ein Einzeltäter ließ auch die Zahl der Betrugsdelikte deutlich ansteigen, nämlich von 178 auf 291. Er ließ sich eine ganze Reihe von Internetbetrügereien zu schulden kommen.

Dass die Zahl der Rauschgiftdelikte von 57 auf 108 angestiegen ist, wertet Uwe Kalamala nicht als Indiz dafür, dass Neustadt zum Hotspot der Drogenszene geworden wäre. "Das muss auch in Zusammenhang mit der Statistik der Verkehrspolizei gesehen werden", erklärt der Inspektionsleiter. Wenn etwa bei Kontrollen besonderer Wert auf die Suche nach möglichen Drogendelikten gelegt wird, dann zieht jeder entdeckte Fahrer, der unter Rauschmitteln am Steuer saß, auch einen Fall in der Kriminalstatistik nach sich.


Vorsicht vor "Legal High"!

In diesem Zusammenhang warnt Uwe Kalamala eindringlich vor Kräutermischungen, die als "Legal High" auf dem Markt sind. Das Betäubungsmittelgesetz hinkt immer neuen Mischungen mit einem jeweiligen Verbot hinterher. Die Szene reagiert auf jedes Verbot mit einer neuen Mischung, die als solches wieder legal gekauft werden kann. Die Wirkung ist jedoch fatal. Die Polizei registriert Bewusstseinsstörungen bei den Konsumenten. "Es gab auch schon Todesfälle", sagt Kalamala. Und - legal erworben oder nicht - am Steuer eines Kraftfahrzeugs führen auch diese Mischungen zum Verlust de Fahrerlaubnis.

Straßenkriminalität (von 250 auf 217 Fälle) und Sachbeschädigungen (229 auf 204) gingen gegenüber dem Vorjahr spürbar zurück.


Die Täter und ihr Alter

Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr wurden im vergangenen Jahr 49 mal zu Tatverdächtigen. Im Jahr davor waren es noch 21. Ähnlich viele gab es zuletzt 2010, damals mit 46 Fällen. Die Zahl der Jugendlichen (14 bis 18 Jahre) unter den Tatverdächtigen stieg von 50 auf 73. Sie lag damit im Fünf-Jahres-Vergleich noch niedrig. 2010 und 2011 rangierte die Zahl bei 100.

Nicht viel anders stellt sich die Entwicklung bei den Heranwachsenden (18 bis 21) Jahre dar, die 82 mal in der Statistik auftauchen. Im Vorjahr waren es noch 65. Der Löwenanteil aller Tatverdächtigen ist aber erwachsen. Das gilt für 724 Tatverdächtige nach 631 im vergangenen Jahr.


Häufigkeitszahl

Um Vergleichbarkeit von Kommunen oder Regionen zu erreichen, werden die erfassten Straftaten in der Statistik auf 100 000 Einwohner hoch gerechnet. Das Ergebnis sind die so genannten Häufigkeitszahlen als Messmarke der Kriminalitätsbelastung. Bereinigt um die Zahlen aus Asylrechtsverstößen liegt die Stadt Neustadt mit einer Häufigkeitszahl von 6042 (unbereinigt 6947) etwas unter dem Wert von Bayern (6350), aber über der oberfränkischen Zahl (4885). Deutlich überragt sie die Häufigkeitszahl im Landkreis Coburg (3568).

Betrachtet man die Häufigkeitszahl für den gesamten Bereich der Inspektion inklusive Rödental (3939), Sonnefeld (3666) und Weidhausen (3005), dann fällt die Zahl der Delikte je 100 000 Einwohner mit 5083 schon günstiger aus.


Gute Aufklärungsquote

Im Zuständigkeitsbereich der Neustadter Polizei straffällig zu werden ist eher eine riskante Sache. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2015 immerhin bei 76,7 Prozent und damit spürbar über dem landesweiten Ergebnis in Bayern mit 72,5 Prozent.
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