Coburg
Verkehr

Verärgerung über "sinnlose Diskussion"

Mal wieder gibt es Äußerungen, wonach sich die Brandensteinsebene vielleicht doch dauerhaft für den Instrumentenflug ertüchtigen ließe.
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Tolle Lage, aber gefährliche Rahmenbedingungen für Piloten: die Brandensteinsebene mit ihrer kurzen Start- und Landebahn. Foto: CT-Archiv/Simone Bastian
Tolle Lage, aber gefährliche Rahmenbedingungen für Piloten: die Brandensteinsebene mit ihrer kurzen Start- und Landebahn. Foto: CT-Archiv/Simone Bastian
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Der Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken ist, was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, auch zuständig für das in Nürnberg ansässige Luftamt Nordbayern. Und eine Aussage dieses Pressesprechers sorgt jetzt für Aufregung: Er hatte gesagt, dass sich der Verkehrslandeplatz auf der Coburger Brandensteinsebene vielleicht doch dauerhaft für den Instrumentenflug ertüchtigen ließe - es müssten lediglich Lichtmasten installiert werden, um eine unbefristete Genehmigung für Instrumentenflug zu erhalten.

Während die Gegner des bei Neida geplanten, neuen Verkehrslandeplatzes bereits leise jubeln, herrscht bei den Befürwortern große Verärgerung. Denn sie sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Brandensteinsebene keine Zukunft haben kann - selbst dann nicht, wenn ein paar Lichtmasten errichtet werden.

Am Montag trafen sich Vertreter der Stadt Coburg, der IHK sowie von Unternehmen, die Werksflugverkehr betreiben. Unter anderem wurde vereinbart, dass Michael Stoschek, der Vorsitzende der Brose-Gesellschafterversammlung, einen Offenen Brief an die Regierung von Mittelfranken verfasst. Dieser enthält einige sehr deutliche Aussagen. Unter anderem fordert Stoschek ein Ende der "sinnlosen Diskussion über die Eignung der Brandensteinsebene für Geschäftsflugzeuge".


Wie auf einem Flugzeugträger

Einleitend beschreibt Stoschek die Situation auf dem jetzigen Verkehrslandeplatz in Coburg: "Die Brandensteinsebene liegt auf einem Berg über unserer Stadt, mit der Folge, dass das Gelände vor und hinter der Asphaltbahn stark abfällt." Deshalb sei die Bahnlänge von nur 920 Metern, die für eine vorübergehende und befristete Wiedererlangung der Instrumentenflugberechtigung sogar auf 630 Meter verkürzt wurde, von "ganz elementarer Bedeutung". Stoschek: "Im Prinzip landen Piloten in Coburg auf einem Flugzeugträger."

Für mehrere Firmen des, so Stoschek, "an der Peripherie gelegenen Coburger Raumes", sei der Geschäftsflugverkehr "von großer Bedeutung". Und gerade weil die Länge einer Start- beziehungsweise Landebahn für die Sicherheit des Flugbetriebs von ausschlaggebender Bedeutung sei, würden seit Jahrzehnten immer höhere Anforderungen an die Bahnlänge gestellt.

Das der Regierung von Mittelfranken unterstellte Luftamt Nordbayern hat, so Stoschek weiter, wegen der zu kurzen Bahnlänge nur noch den ortsansässigen beziehungsweise speziell eingewiesenen Piloten mit einer Ausnahmegenehmigung die Nutzung der Brandensteinsebene nach Instrumentenflugregeln bis 2019 gestattet. Und nachdem mit der Regierung "sämtliche Möglichkeiten der Ertüchtigung der Brandensteinsebene untersucht und verworfen" worden seien, ist 2005 ein Raumordnungsverfahren für einen neuen Verkehrslandeplatz durchgeführt worden, mit dem Ergebnis, dass das Gelände bei Neida am geeignetsten ist.

Dann spricht Stoschek den Regierungspräsidenten Thomas Bauer direkt an: "Wir können gut nachvollziehen, dass das Luftamt Nordbayern die Sicherheit des deutlich kürzesten Landeplatzes für Geschäftsflugzeuge in Deutschland beanstandet. Vor diesem Hintergrund halte ich es für absolut unverantwortlich, dass Ihr Pressesprecher den Eindruck vermittelt, als sei durch die Installation von Lichtmasten, deren Lage und Höhe übrigens ungeklärt sind, die Brandensteinsebene geschäftsflugtauglich."

Stoschek nennt auch ein Beispiel aus der Praxis: Brose betreibe in Coburg eine Beechcraft King Air 90 mit fünf Sitzplätzen und eine B200 mit maximal neun Plätzen. Wenn beide Maschinen mit Passagieren und Sprit beladen sind, würde die Bahnlänge "absolut nicht ausreichen", um zum Beispiel im Falle eines Triebwerkausfalls beim Start das Flugzeug auf der Bahn zum Halten zu bringen. Stoschek wörtlich: "Ich bin nicht mehr bereit, die Gesundheit unserer Mitarbeiter länger als unbedingt notwendig aufs Spiel zu setzen und fordere deshalb auf, dafür zu sorgen, dass die sinnlose Diskussion über die Eignung der Brandensteinsebene für Geschäftsflugzeuge beendet wird."

Stoschek bittet Bauer abschließend um Unterstützung: Das Luftamt Nordbayern möge die Planfeststellung des Flugplatzes bei Meeder "aktiv und positiv" vorantreiben. Aber: "Leider gibt es nach meinen Informationen Mitarbeiter im Amt, die das Verfahren behindern und lieber mit den Flugplatz-Gegnern zusammenarbeiten als mit der Projektgesellschaft aus Stadt, Land und Wirtschaft."
Zur "Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Bevölkerung des Coburger raumes", so Stoschek, seien Infrastrukturmaßnahmen "unverzichtbar". Und nach der "weitgehenden Abkopplung vom ICE-Netz" sei der Neubau eines sicheren Verkehrslandeplatzes "eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt der Arbeitsplätze". os


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