Klicken Sie sich doch einfach mal durch unsere Fotogalerie und lesen, was Coburger Persönlichkeiten über ihre Doktorarbeit zu erzählen haben und was sie zur aktuellen Guttenberg-Diskussion sagen!
Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen auf der Veste: "Meine Doktorarbeit hatte das Thema ,Die Borstei in München. Ein konservatives Siedlungsmodell der Zwanziger Jahre, in Miscellanea Bavarica Monacensia'. Ich musste mich dabei weitgehend auf Quellen stützen, denn Sekundärliteratur über die Borstei gab es kaum. Und je mehr Sekundärliteratur zu einem Thema vorliegt, desto größer ist die Gefahr, dass man einen Gedanken übernimmt, den ein anderer hatte. Copy & Paste ist schon sehr verführerisch, gerade mit dem Internet. Bei einer umfangreicher Dissertation mit über 1000 Fußnoten kann schon mal eine dem Umbruch zum Opfer fallen. Wenn aber Passagen leicht verändert verwendet und nicht gekennzeichnet wurden, ist das schon unangenehmer."

Margarete Bögelein, Leiterin der Pressestelle der Hochschule Coburg: "Ich habe an der Universität Bamberg Volkswirtschaft studiert. Meine Doktorarbeit zum Thema ,Ökonomische Legitimation ordnungspolitischer Ausnahmebereiche' ist mit dem Preis der Wolfgang-Ritter-Stiftung Bremen ausgezeichnet worden. Ich habe das aber nicht wegen des Doktortitels gemacht, sondern zum einen wegen der Herausforderung, mal an einem Lehrstuhl arbeiten zu können. Zum anderen fand ich das Thema spannend: Wann versagt der Markt und wann braucht man Staat? Ich habe mich in viele Bücher eingelesen und war bei Quellenangaben und ähnlichem sehr genau - schon alleine deshalb, weil mein Doktorvater sehr viel Wert auf Genauigkeit legte."

Ulrich Herbert, Coburger Rechtsanwalt und FDP-Stadtrat:"Mein Thema war ,Die Sequestration im Konkursantragsverfahren'; die Sequestration entspricht heute in etwa der vorläufigen Insolvenz. Ich habe etwa sieben Jahre lang daran gearbeitet, weil ich parallel dazu bereits als Rechtsanwalt tätig war. Ich konnte zwar auf einige Quellen zurückgreifen, habe aber auch viel nachgefragt bei Insolvenzgerichten. Internet gab es ja zu meiner Zeit noch nicht - das vermehrt die Quellen heutzutage natürlich um ein Zigfaches. Und, ganz klar: Wenn jemand etwas übernimmt, ohne die Quelle zu nennen, dann ist das Klauen. Bei der Hexenjagd, die es gerade auf Herrn zu Guttenberg gibt, kann ich aber nicht ausschließen, dass da auch politischer Neid der Antrieb sein könnte."

Franziska Bachner, Leiterin des Herzoglichen Kunstbesitzes (Sitz: Schloss Callenberg): "Ich habe mich mit dem deutschen Frühbarockmaler Adam Elsheimer und dessen stilistischer Entwicklung beschäftigt; Elsheimer war ein Zeitgenosse Rubens und auf seinem Werk fußt etwa das Schaffen Rembrandts. Ich konnte zwar in Sekundärliteratur recherchieren, meine Hauptquelle bestand aber darin, sich möglichst viele Gemälde von ihm im Original anzuschauen. Das heißt, ich musste viel reisen, vor allem nach Italien."

Hans Michelbach, Bundestagsabgeordneter der CSU: "Die Universität Kiew hat mir den ,Doktor honoris causa', also den Ehrendoktortitel, verliehen - für langjährige politische wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ich war stellvertretender Vorsitzender der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe. Zur Diskussion: Als Abgeordneter ist man generell in der Gefahr, sich von seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern helfen zu lassen, wenn es um Publikationen geht. Ich habe dem immer widerstanden. Nachdem Karl-Theodor jetzt eigenhändig auf die Führung des Titels verzichtet hat, sollte die überzogene Treibjagd auf ihn beendet werden. Die Fairness ihm gegenüber wurde in beinahe beschämender Art und Weise durch Vorverurteilungen und Neidreflexe verletzt."

Carolin Herrmann, Tageblatt-Kulturredakteurin: "Für meine Untersuchung der Funktionen lokaler Presse, vornehmlich im ländlichen Raum, habe ich unter anderem auch das spannende Feld der ländlichen Soziologie erarbeitet. Dort gibt es sehr aufschlussreiche Studien, wie Kommunikation in Dörfern und kleineren Städten abläuft, nämlich sehr komplex und vielschichtig und keineswegs so dumm, wie in "Komödienstadeln" vorgeführt. Auch die wissenschaftliche Kommunikation ist komplex, allerdings auch das erste, was man im Studium lernen sollte. Oberstes Gesetz: Ich nenne jede Quelle, auch wenn ich großzügig zusammenfasse. Deshalb die vielen Fußnoten. Wo auch nur geschlampert wird, kommen wir in Teufels Küche, und keiner kann mehr dem anderen trauen."