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Coburg
Greifvögel

Ulrich Leicht und seine Schützlinge

Der Experte begeisterte die Besucher der Vogelauffang- und Pflegestation in Neu- und Neershof mit Geschichten seiner gefiederten Patienten.
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So nah kommt man einem Turmfalken selten - Ulrich Leicht machte es möglich. Foto: Wolfgang Desombre
So nah kommt man einem Turmfalken selten - Ulrich Leicht machte es möglich. Foto: Wolfgang Desombre
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Beim Tag der offenen Türe der Vogelauffang- und Pflegestation in Neu- und Neershof der Landesgruppe Coburg des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) beeindruckte die Besucher besonders die Vorstellung ausgewählter Tiere durch den Greifvogelexperten Ulrich Leicht.

Das Ziel, den Wanderfalken in Region heimisch zu machen, ihn zu züchten und wieder auszuwildern, habe nicht den erhofften Erfolg gehabt, wenn auch jetzt eine Wanderfalkenbrut an der Morizkirche festgestellt wurde, so Frank Reißenweber in seiner Begrüßung. Der Erste Vorsitzende sprach denoch von einer kleinen Sensation, dass nach 132 Jahren erstmals wieder ein Paar hier in Coburg erfolgreich gebrütet hat.


Streben nach Freiheit

Die Auffangstation in Neu- und Neershof sei vergleichbar mit einem Krankenhaus, alle hier untergebrachten Vögel hätten irgendwelche Blessuren, klärte Ulrich Leicht auf.
"Sie streben nach Freiheit und werden so schnell wie möglich wieder entlassen". Jeder der hier lebenden 21 Vögel habe eine persönliche Geschichte. Ulrich Leicht hat es den Abend über perfekt verstanden, mit launigen Worten, aber auch sehr informativen Erläuterungen die vielen Besucher des traditionellen Sommerfestes zu unterhalten.

In Tettau hatte sich ein Turmfalke auf der Schulter eines Lehrers niedergelassen und an dessen Ohr geknabbert, so schilderte es Leicht. Er habe sich des Vogels angenommen und über den Alu-Ring am Füßchen den Züchter ermitteln können. Legal war der Turmfalke dann verkauft worden. Der große Nachteil sei jedoch, dass der Falke von Menschen mit der Hand aufgezogen worden war, so Ulrich Leicht. Somit habe der Greifvogel keine Angst vor dem Menschen. Und er habe mit einem "normalen" Turmfalken nichts mehr am Hut hat. "Der ist geprägt vom Menschen und kann sich auch nicht mehr fortpflanzen".


Geschwächter Turmfalke

Keine Minute war für die Sommerfestgäste langweilig und mit witzigen Worten und natürlich auch mit der wirklich hautnahen Präsentation seiner Schützlinge faszinierte er große und auch kleine Besucher gleichermaßen.
Sehr geschwächt ist ebenfalls ein Turmfalke in Schalkau gelandet. Er wird, so Leicht, hier in Neu- und Neershof aufgepäppelt und so schnell wie möglich wieder freigelassen. "Wo er sich am wohlsten fühlt, dort soll er auch wieder hin, nämlich in die Freiheit".

Kurzweilig war auch eine weitere Episode von Ulrich Leicht. Einer am Flügel verletzten Falkin, die zwar immer Eier gelegt hatte, aber die nicht befruchtet waren, hat er mit einem männlichen Turmfalken verkuppelt. Acht junge Falken waren das Ergebnis. Der Hunger dieser "zehn Mäuler" war dann so groß, dass Leicht zehn Mäuse und Eintagsküken zu füttern hatte. "Aus den Kleinen wurden dann acht schöne und normale Turmfalken", freute sich der Tierschützer aus Leidenschaft.


Nicht mitnehmen

Ulrich Leicht verknüpfte seine Erzählungen auch mit deinem Appell an vermeintliche Tierliebhaber. Gerade in diesen Tagen würden Turmfalken die ersten Flugversuche starten und landen dabei oft am Boden. Diese Tiere sollten dort belassen werden oder höchstens auf einen Busch oder auf etwas höhere liegende Bereich gelegt werden und nicht zu einem Tierarzt oder in die Auffangstation gebracht werden "Sie klauen sonst dem Vater und der Mutter das Kind". Turmfalken würden kein eigenes Nest bauen, sondern sie klauen das Nest der Elster, merkte Leicht an.

Aber auch die Geschichte des kleinen Waldkauzes, faszinierte die Gäste. Mit einer Prellung und Nerveneinklemmung war er bei einem Tierarzt abgegeben worden und kam dann in die Auffangstation. Nach gut 24 Stunden hatte sich die Blindheit gegeben und für Ulrich Leicht war dies ein Erfolgserlebnis der ganz besonderen Art. Für seinen Schützling hatte er täglich tote Mäuse mit der Schere zerkleinert und den Kauz mit der Hand gefüttert. Und es hatte nicht lange gedauert: "Tür auf und ab und davon, zurück ins Leben". Und das sei auch der Sinn der Vogelwarte, sagte Ulrich Leicht.

Täglich seien in den letzten vier Wochen bis zu vier Vögel zu ihm gebracht worden, berichtete Leicht. Und all die Pflege werde von ihm ehrenamtlich geleistet.


Steinkauz wird in ein Nest gelegt

Sogar aus dem Italienurlaub hätten Leute einen kleinen Steinkauz mitgebracht, erzählte Leicht. Ob dieser in Thüringen wieder ausgewildert werden könne oder doch wieder in seinem Heimatland, hätte schon reichlich Diskussionen ausgelöst. Da aber keine "Artenunterschiede" zwischen Italien und Thüringen bestehen, werde er den Steinkauz in den nächste Tagen in dem ihm bekannten Brutgebiet einfach in ein Nest legen. "Wo zwei schon sind, kommt einfach einer mit dazu".

Letzten Samstagabend hatte zu vorgerückter Stunde bei ihm daheim das Telefon geklingelt und eine Lautertaler Tierarztpraxis um Hilfe gebeten. Ein Vogel sei in einem Garten und würde fauchen und quieken und immer umfallen. Der Fernsehabend hat sein schnelles Ende genommen und Ulrich Leicht machte sich auf den Weg. Einen geschwächten Grau-Reiher hatte er dann angetroffen, der seine Brutstätte bei Fornbach bei einem seiner ersten Flugversuche verlassen hatte. "Der hat gefressen wie ein Weltmeister und sechs Küken waren garen nix", schilderte es Leicht. Mit einem Ring der Vogelwarte am Fuß hieß es "Tschüss und Abmarsch".


Die Vogelauffang- und Pflegestation in Neu- und Neershof besteht seit 1969 und hat zum Ziel, verletzte und flugunfähige Greifvögel, Eulen und andere Großvögel gesundzupflegen. Jährlich werden zwischen 50 und 100 Vögel von Ulrich Leicht gerettet und wieder freigelassen.
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