Gabi Höhn ist eine Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Sie setzt sich zur Wehr, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. Das hat sie auch diesmal getan - mit Erfolg. Weil sie im vergangenen Jahr sehr sparsam war, was die Nebenkosten für ihre Wohnung betrifft, sollen ihrem Mietkonto 420 Euro gutgeschrieben werden - eine unerwartete Freude. "Ich dachte mir, da geht noch mehr und habe mir einen Schwedenofen gekauft." Das Holz, das sie darin verheizen will, wolle sie sich teilweise selbst sammeln oder preiswert kaufen. "Damit könnte ich noch mehr Heizkosten sparen." Als sich die Gelegenheit ergab, einen günstigen Ofen zu bekommen, nutzte sie die.
Aber Gabi Höhn ist eine sogenannte Aufstockerin. Das heißt, sie kann von dem Geld, das sie mit Arbeit verdient, nicht leben und bekommt zusätzlich Arbeitslosengeld II. Und damit kompliziert sich die Geschichte. "Plötzlich kriege ich ein Schreiben vom Jobcenter, dass ich die 420 Euro zurückzahlen soll." Ein Albtraum. Der Ofen steht schon im Wohnzimmer, die Abnahme durch den Schlotfeger muss bezahlt werden und auch das Anschließen kostet Geld. Gabi Höhn verstand die Welt nicht mehr.
2008 war sie mit ihren Kindern in die neue Wohnung mit den hohen, großen Räumen gezogen. Die Miete ist niedrig, aber die Heizkosten hoch. "Ich konnte am Anfang damit nicht so richtig umgehen. Das Ergebnis: Ich musste 800 Euro Nebenkosten nachzahlen." 500 Euro übernahm das Jobcenter mit dem Hinweis, dass diese Mehrkosten unverhältnismäßig hoch seien. "Im Jahr darauf war ich vorsichtiger und habe 35 Euro zurückbekommen", erzählt Gabi Höhn. 2010 dann das Einsparwunder, das ihr nun auf die Füße fallen sollte.
"Es kann doch nicht sein, dass das Jobcenter locker mal 500 Euro zahlt, wenn ich viel Energie verbrauche, mir das Geld aber abnimmt, wenn ich sie einspare." Wer sollte denn da motiviert sein, über Sparsamkeit nachzudenken? Gabi Höhn legte Widerspruch ein - und konnte nicht fassen, dass sie nach wenigen Tagen schon einen Brief vom Jobcenter bekam. Ihrem Widerspruch gegen die Rückforderung wurde stattgegeben.
"Wir sehen im Fall von Frau Höhn aber noch weitere Optimierungsmöglichkeiten", sagt Stefan Trebes, Geschäftsführer des Jobcenters Coburg Stadt. Darüber werde man mit ihr noch sprechen. Er erläutert auch gleich, wie es zu der Rückforderung gekommen ist. "In den Leistungen zum Arbeitslosengeld II sind die Kosten für die Unterkunft und den Lebensunterhalt enthalten. Miete und Nebenkosten zahlen wir so, wie sie im Mietvertrag festgelegt sind." Wird der Wert, der für die Nebenkosten veranschlagt wird, erheblich überschritten, dann übernimmt das Jobcenter nur einen Teil der Rückzahlung - wie bei Gabi Höhn im ersten Jahr. War der Leistungsempfänger sparsam und ihm werden Nebenkosten gutgeschrieben oder zurückgezahlt, habe er darauf eigentlich keinen Anspruch. "Im konkreten Fall wollen wir aber die Initiative unterstützen, obwohl wir von der Anschaffung des Ofens vorher nichts gewusst haben", ergänzt Stefan Trebes.