Horst Uhlemann ist tot. Der langjährige Verleger und Eigentümer der Bayerischen Rundschau sowie des Coburger Tageblatts und Chef des Hauses Baumann verstarb am vergangenen Samstag im Alter von 83 Jahren. Die Nachricht vom Tod des Kulmbacher Ehrenbürgers löste nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern in der gesamten Region und darüber hinaus Bestürzung und Trauer aus. Er genoss höchstes Ansehen nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als großzügiger Mäzen und als vorbildlicher Bürger, der seine Erfahrung und seinen Sachverstand immer wieder in den Dienst des Gemeinwohls stellte.
Horst Uhlemann hatte sich 2003, im Alter von 75 Jahren und zum hundertjährigen Bestehen der Bayerischen Rundschau, ins Privatleben zurückgezogen. Zuvor hatte er, auch erfüllt von hoher sozialer Verantwortung für die Mitarbeiter seines Unternehmens, die Belange der Firma geordnet, die sein Großvater Ekkefried Caspar Baumann gegründet, die seine Mutter Hilde Uhlemann in den Nachkriegsjahren geführt hatte und die Horst Uhlemann beeindruckend aufbaute und zu einem überregional bedeutsamen Druck- und Medienzentrum machte.
Mit der ihm eigenen Umsicht und geleitet von jener Heimatverbundenheit, die ihn und seine Entscheidungen stets prägte, suchte Horst Uhlemann für die Weiterführung der Zeitungen und der Druckerei einen regionalen Partner, und er fand ihn im Fränkischen Tag mit Sitz in Bamberg, der die Firma E. C. Baumann schließlich übernahm. Zu diesem Zeitpunkt hatte Horst Uhlemann, zunächst gemeinsam mit seiner Mutter und ab 1968 in alleiniger Verantwortung, die Geschicke des Hauses Baumann mit der ihm eigenen Tatkraft und mit seinem trotz mancher Widrigkeit nie erlahmenden Durchsetzungswillen 50 Jahre lang geprägt.
Am 9. Januar 1928 geboren, absolvierte Horst Uhlemann nach den Wirren der Nachkriegsjahre zunächst eine Schriftsetzerlehre im Sprechsaal in Coburg und dann die Meisterschule des Deutschen Buchdruckerhandwerks in München, die er mit Betriebsleiterdiplom und Meisterprüfung abschloss. Prägend war für ihn zudem ein einjähriger Studienaufenthalt in den USA.
Bei aller Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit dem technischen Fortschritt gegenüber erhielt sich Horst Uhlemann zwei Wesenszüge, die ihn ebenso kennzeichnen: Traditionsbewusstsein und Bodenständigkeit. Diese Eigenschaften zeigten sich nicht nur in der für einen mittelständischen Familienunternehmer typischen Art, mit der er seine Verantwortung als Arbeitgeber wahrnahm, sondern auch in dem Engagement, mit dem er darüber hinaus seine Kraft, sein Ansehen und seinen Einfluss immer wieder in den Dienst seiner Heimat und ihrer Menschen stellte.
Unter anderem galt sein ehrenamtlicher Einsatz der Kommunalpolitik, in der er für die CSU dem Kreistag und dem Kulmbacher Stadtrat angehörte. Sein Wissen und seine Erfahrung brachte er aber auch in den Verband Bayerischer Zeitungsverleger ein, wo er fast zehn Jahre den Vorsitz im Medienbeirat führte, der sich zu dieser Zeit mit der Einführung des lokalen Rundfunks befasste. Hier trat Horst Uhlemann für kleingliedrige Lösungen ein, die Gründung von Radio Plassenburg ist Zeichen seines Erfolgs.
Vor allem aber hat sich die Liebe zu seiner Heimat jahrzehntelang in einem ausgeprägten Mäzenatentum niedergeschlagen, das sich neben der Schlaraffia Culminaha und einer Vielzahl anderer Initiativen auf die Plassenburg ob Kulmbach konzentrierte. Hier hat er den Verein Freunde der Plassenburg als Vorsitzender übernommen und ihn zwei Jahrzehnte mit großem Erfolg geführt. Auch er konnte aber nicht verhindern, dass sich die Erschließung mit einer Standseilbahn, die er mit großer Energie vorantrieb, politisch nicht durchsetzen ließ.
Neben einer Vielzahl von Ehrungen, zu denen auch der Bayerische Verdienstorden als höchste Auszeichnung im Freistaat sowie das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zählten, wurde das Lebenswerk des Unternehmers, Verlegers und Mäzens Horst Uhlemann mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Kulmbach in besonderer Weise anerkannt.
Horst Uhlemann war nicht nur barocker Mensch und patriarchalischer Unternehmer, sondern auch Kulmbacher aus Überzeugung, Franke mit Hingabe und aus Neigung sowie Bayer aus Patriotismus und aus Gründen der Staatsraison. Nicht zuletzt aber war er als große Verlegerpersönlichkeit noch aus jenem Holz geschnitzt, das man heute publizistische Verantwortung nennt: Für Uhlemann war die Zeitung mehr als ein Produkt. Er sah sie im Dienst der Heimat und ihrer Menschen, denen sie Identität verleiht und für die sie Sprachrohr ist.

Requiem am Samstag