Seßlach
Justiz

Totschlag-Prozess: Richter sauer - Sitzung unterbrochen

Im Prozess zu einer Messer-Attacke, die sich vergangenes Jahr beim Seßlacher Altstadtfest ereignet hat, ging es am Mittwochnachmittag plötzlich hoch her.
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Angeklagt ist ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge.  Foto: Christiane Lehmann
Angeklagt ist ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge. Foto: Christiane Lehmann
Nachdem eine Ärztin aus dem Klinikum, die als Zeugin aussagen sollte, unentschuldigt fern blieb, ließ der leitende Richter am Landgericht, Gerhard Amend, im Klinikum anrufen. Dringend benötigt werden Aussagen zum Stichkanal an der Schulter des Opfers , damit der Gutachter den Fall rekonstruieren kann. Doch der Oberarzt am Klinikum ließ wissen, dass er nichts dazu sagen könne und auch nicht wisse, wo sich die Krankenakte befindet. Amend drohte daraufhin, "eine Meute Polizisten zu schicken und die Akte zu beschlagnahmen". Es bestehe schließlich von Seiten der Klinik eine Dokumentationspflicht.

Patientenakte soll beschlagnahmt werden

Doch der Oberarzt wollte am Telefon keine weiteren Aussagen machen, woraufhin der Beschluss erging, die Patientenakte beschlagnahmen zu lassen. Ein Polizist wurde beauftragt, die Akte am Klinikum abzuholen. Amend aufgebracht: "So etwas ist mir noch nicht passiert. Ich lass mich doch nicht wie einen dummen Schuljungen behandeln!"

Gleich zu Prozessbeginn am Mittwochmorgen hatte sich der 24 Jahre alte Angeklagte aus dem Landkreis Haßberge bei seinem Opfer entschuldigt. "Es tut ihm leid", ließ er von seinem Anwalt verlesen. Aber hätte keine andere Wahl gehabt. Nach seiner Schilderung des Tathergangs hätte er in Notwehr gehandelt.

Ganz anders sieht das die Staatsanwaltschaft und auch das Opfer selbst. Den Messerstich, den der 25-jährige in den Rücken erhielt, erfolgte ohne Gegenwehr. Noch heute leidet der junge Mann erheblich unter den Folgen. Er kann seinen linken Arm nicht mehr heben, hat Schmerzen im Lungenbereich und von den Narben, die nicht heilen wollen. Seinen Beruf als Feinmechaniker kann er nicht mehr ausüben, ebenso wie seine Hobbys bei der Feuerwehr und im Fußballverein. Er gilt zu 50 Prozent als behindert und ist noch krank geschrieben.

Zeugenaussagen widersprechen sich

Am Vormittag wurden die Zeugen verhört, die direkt am Tatgeschehen beteiligt waren. Die Aussagen widersprechen sich teilweise.

Ein kleiner Junge aus Seßlach war ebenfalls im Zeugenstand: Er hatte die Tatwaffe, das Messer hinter einer Hecke gefunden, während die Polizeibeamten die Umgebung des Tatorts absuchten.


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