Grub am Forst

Tödliche Schlägerei in Grub am Forst vor Gericht

Ein 21 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Coburg muss sich dafür verantworten, dass im vergangenen Jahr ein 17-Jähriger nach einer Schlägerei mit ihm starb. Am Mittwoch wird vermutlich das Urteil gesprochen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Etwas mehr als ein Jahr ist es her - da kostete eine Auseinandersetzung auf dem Bahnhof in Grub am Forst einem der beiden Kontrahenten (es war ein 17-Jähriger aus dem Landkreis) das Leben. Seit gestern muss sich der 21 Jahre alte Täter vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Coburg verantworten. Die Anklageschrift lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge.
Die Tat hat sich laut Staatsanwaltschaft so zugetragen, dass die jungen Männer in der Nähe der Gleise zunächst in eine verbale Auseinandersetzung gerieten. Dabei ging es um Verleumdungen, die das spätere Opfer angeblich über den Täter in die Welt gesetzt hatte. Es kam zu einer Schubserei. Später soll der Angeklagte dem Gegner einen Kopfstoß versetzt haben.
Gleich darauf soll der verhängnisvolle Schlag mit der Hand gegen den Hals des Opfers erfolgt sein.
Der Getroffene erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand, sackte in sich zusammen und wurde ohnmächtig. Eine später eintreffende Polizeistreife fand den Jungen bereits leblos am Boden vor. Freunde hatten Erste Hilfe geleistet. Der Verletzte wurde noch in die Klinik gebracht, wo er jedoch nach zwei Wochen an einem Organversagen infolge der schweren Sauerstoffschädigung des Gehirns verstarb.
Der Angeklagte selbst - ein eher unscheinbar wirkender junger Mann - kam im Juni 2012, kurz nach der Tat, ins Gefängnis. Der Haftbefehl wurde jedoch außer Vollzug gesetzt. In seiner ersten Einlassung gab er zu, dass es einen Streit gegeben hatte. Auch schon vorher soll ein Konflikt geschwelt haben. An jenem Abend wollte der 21 Jährige die Sache klären. Angeblich nur verbal. Zeugen sagten später aus, er habe schon bei einer Feier vorher gesagt, er wolle dem anderen eine reinhauen.
Die jungen Männer trafen am Bahnhof aufeinander. Der Angeklagte berichtete auch, dass das Opfer vorher bereits von einem anderen Bekannten in einen Zaun geschubst worden sei. Es habe auch Schläge gegeben. Aber einen gezielten Handkanten- oder Faustschlag habe er nicht gegen seinen Kontrahenten geführt - nur mit der flachen Hand habe er zugeschlagen. "Ich wollte ihm nicht weh tun", sagte der Angeklagte. "Ich höre mir den Mist nicht länger an", fuhr ihn Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein daraufhin an. Es gebe genug Zeugen, die genau gesehen hätten: Es gab einen Faustschlag gegen den Hals!
Viele Zeugenaussagen spiegelten größtenteils eine aufgeladene Stimmung wider. Während jedoch der Angeklagte erklärte, auch sein Kontrahent habe ihn körperlich bedrängt, sagten die meisten Augenzeugen aus, dass dies nicht so war. Das Opfer habe sogar mehrmals gefordert, in Ruhe gelassen zu werden.
Besonders schlimm für die Eltern des Opfers (die als Nebenkläger im Saal saßen) waren wohl zwei detaillierte Aussagen, die genau beschrieben, wie der Junge getroffen wurde. Nach dem Schlag habe das Opfer noch gesagt: "Das war nicht gut!" Danach habe er sich an den Hals gefasst, sei zwei Schritte gelaufen und zu Boden gegangen. Der Schlag soll sich nach Aussage eines Zeugen angehört haben, "als ob man einen trocknen Ast abbricht". Alle Zeugen sagten aus, dass das Opfer zu Boden sank und nur noch für kurze Zeit Puls zu tasten war.
Der Nebenklagevertreter hatte recherchiert, dass der Angeklagte vor Jahren auch sporadisch eine Kampfsporttechnik erlernt habe. Dort würden alle Schüler immer und sehr intensiv aufgeklärt, wie lebensgefährlich derartige Schläge gegen diese Körperregion sind, erklärten zwei Trainer der Sportart.
Sachverständiger Peter Betz (Rechtsmediziner an der Universität Erlangen) erklärte, dass zum Zeitpunkt der Obduktion keine erkennbaren äußerlichen Verletzungen mehr feststellbar waren. Festgestellt wurden jedoch deutliche Zeichen einer Einwirkung von Scherkräften am Übergang vom Schädel zur Wirbelsäule. Betz: "Da gab es Nervenschäden in der Region am Hirnstamm, in der die lebenswichtigen Zentren liegen: Atmung, Kreislauf." Dies könne nur ein mit großer Wucht ausgeführter Schlag verursacht haben.
Alles, was dann geschah, war eine Abfolge von Reaktionen: Kreislaufkollaps, Atemstillstand, Hirnschwellung, Absterben von Nervenzellen und das Multiorganversagen letztendlich als Todesursache. Auch ein durch einen Handkantenschlag ausgelöster "Vagus-Reflex", der einen Herzstillstand bedinge, könne eine Erklärung sein. Eine Gehirnblutung aufgrund einer bereits bestehenden Blutgefäßerweiterung konnte nicht nachgewiesen werden. Betz: "Am wahrscheinlichsten ist die direkte Nervenschädigung durch Scherkräfte von einem Schlag."
Zuletzt gab der Vorsitzende Amend noch dem Vater des Opfers die Gelegenheit, über seinen verstorbenen Sohn zu erzählen: "Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Aber mein Sohn hatte auch Pläne und Ziele - er war 17 Jahre alt", sagte der Mann erstaunlich gefasst, während seine Frau mit den Tränen rang. Mit ruhigen Worten erzählte er dem vollbesetzten Saal, wie groß der Schock war und wie sehr die Familie noch leide.
Der Angeklagte zeigte während dieser Aussage keine Regung, ab und zu machte er Notizen, einmal blickte er auf die Uhr. Bis heute hat er sich noch nicht bei den Eltern gemeldet und das Gespräch gesucht.
Richter Amend wünschte den Eltern, dass es ihnen bald gelingen möge, ihren Schmerz zu überwinden.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren