Coburg
Vor der Premiere

Tanz- und Theaterprojekt der Coburger

"COnstrukt: Versunken" ist das aktuelle Bürgerprojekt von Luca Pauer am Landestheater überschrieben. Es geht um die Kraft von Märchenbildern.
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Schätze der Vergangenheit, des Unterbewusstseins, aus Sagen und Märchen: Das TanzTheater-Projekt des Landestheaters mit 45 Coburger Bürgerinnen und Bürgern gräbt sich bildhaft und rhythmisch in unser kollektives Gedächtnis.  Foto: Henning Rosenbusch
Schätze der Vergangenheit, des Unterbewusstseins, aus Sagen und Märchen: Das TanzTheater-Projekt des Landestheaters mit 45 Coburger Bürgerinnen und Bürgern gräbt sich bildhaft und rhythmisch in unser kollektives Gedächtnis. Foto: Henning Rosenbusch
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"Och nä, einen steinernen Löwen spiele ich nicht". Und überhaupt, Sagen und Legenden, auch noch aus unserem Raum, was soll das denn werden? - Ein spannendes Konstrukt, sagte die Spielleiterin, Theaterpädagogin, Betreuerin Luca Pauer vom Landestheater Coburg. Auf der Suche nach dem Versunkenen. Das uns aber auch heute tief prägt, jeden einzelnen und uns als Gesellschaft alle zusammen, konkret bezogen auf Coburg, aus Coburg heraus.
"COnstruct: Versunken" hat Luca Pauer ihr aktuelles "Bürgerprojekt" überschrieben, das kurz vor der Vollendung steht. Premiere im Großen Haus ist am Samstag, 2. Juli.
Mit Michael Endes "Unendlicher Geschichte" hatte Luca Pauer vor drei Jahren gezeigt, welch spannendes Theater durchaus im großen Rahmen ganz normale Leute, also Laien, machen können.
Das kann so eindrucksvoll werden wie professionelles Theater, wenn die Akteure nicht zu Darstellungen gezwungen werden, die sie nicht leisten können. Den professionellen Rahmen bietet das Landestheater wieder. Wie für die "Unendliche Geschichte" stützt die HUK das aufwändige Projekt finanziell weitreichend.
Und aus der kulturell ambitionierten lokalen Gesellschaft Coburgs haben sich etwa 45 Menschen von 5 bis 75 Jahren zusammengefunden, zusammengerauft, um im Bilder-, Bewegungs-, Körpertheater von Luca Pauer aufzugehen. Entwickelt wurde die Bühnenerzählung gemeinsam. Gesucht wurde nach ästhetischen Bildern, die Darsteller wie Zuschauer zu reicher Assoziation anregen sollen.
Sagen, Märchen, Legenden. - So altmodisches Zeug also? Ach ja, sobald aber "Fantasy" drauf steht, rennen alle. Fantasy boomt. Und ist doch nichts anderes als die schon immer von Menschen gesuchte mythische Verarbeitung existenzieller Grundsatzfragen. Sagen, Legenden, Märchen gehören elementar zum kollektiven Gedächtnis der Menschheit. In ihnen werden moralische Fragen verhandelt, Verhaltensmuster beispielgebend weitergereicht an die kommenden Generationen. Auch, um nicht die gleichen Fehler immer wieder zu machen. Doch im Gegensatz zur unmittelbaren moralischen Belehrung packt das Sagenhafte und märchenhaft Mythische faszinierend im Unterbewusstsein, in der Seele.


Schatztruhen vom Dachboden

Also hat das Darstellerteam von "COnstruct" diesmal nach den vergessenen Märchen- und Schatztruhen auf den Dachböden gesucht, durchaus jeder nach seiner eigenen. Auf die Bühne kommt nicht ein spezielles Märchen, sondern die theatrale Auseinandersetzung der Mitwirkenden mit Sagen und Legenden aus ihrem eigenen Umfeld, aus unserer Region. In einem abstrakten Raum werden die Akteure immer wieder in die von ihnen entdeckten Geschichten hineingezogen, spüren, dass dies alles durchaus heutige Geschichten sind. "Wir haben miteinander gelernt, die Stoffe ernst zu nehmen", berichtet Luca Pauer. "Bilderreich und mit rhythmisch treibender Musik stellen wir auch den eigentlichen Findungsprozess dar."
Und irgendwann bedeutete es durchaus etwas Tiefgreifenderes, die "Weiße Frau" darzustellen, oder eine Nymphe. "Wir haben versucht, eine Essenz der Menschheit zu finden. Das ist vielleicht ein bisschen groß ausgedrückt", erschrickt Luca Pauer ein bisschen. "Wir haben es aber versucht. Herausgekommen ist schon eine Art Geschichte der Menschheit, vom Urknall, dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Kampf, dem Wiederfinden." Luca Pauer bezieht das auf die individuelle wie auf die kollektive Entwicklung. - Es war einmal und ist noch immer...


COnstruct: Versunken Generationenübergreifendes TanzTheater-Projekt des Landestheaters für Coburger Bürger.

Das Team Projektleitung und Inszenierung: Luca Pauer.
Choreografie: Sebastian Eilers.
Bühnenbild und Kostüme: Moksha Lehr in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Innenarchitektur der Hochschule Coburg. Tanzpädagogische Mitarbeit Gabriele Leithäuser-Heß und Denise Madeleine Schliefke. Dramaturgische Mitarbeit Volkmar Günther.
Mitwirkende Mit Shameer Ali, Miriam Bock, Collin Bolton, Annetta Chiantone, Heidi Daouk, Joan Ender, Karl-Friedrich Fehn, Yan Flaßbeck, Nolan Flaßbeck, Simon Gabriel, Valentina Gaudiello, Bastian Gebel, Kirsten Gensinger-Weiß, Sigrid Gerding, Horst Gründel, Katalin Hauck, Lia Hauschke, Ulrike Heckl-Fischer, Felix Heß, Till Hübner, Elly-Xenia Jurgan, Leni Langbein, Birk Menzel, Mees Menzner, Rosalie Mertl, Wolfgang Müller, Gabriele Munzert, Elvira Nettelroth, Rieka Pauer, Lucie Pfefferlein, Samira Pflaum, Kevin Pojani, Lara Reißenweber, Anna Rogler, Luca Schenk, Julia Schindler, Denise Madeleine Schliefke, Annegret Schüppler, Jennifer Steinhorst, Margarete Steinhorst, Christiane Stellmacher, Dominik Tippelt, Josephine Unger, Denice Verganza, Sandra Wagner, Anna-Pauline Weiß, Lilli-Diane Weiß.

Premiere Samstag, 2. Juli, 19.30 Uhr im Großen Haus des Landestheaters Coburg.
Weiterer Termin: 5. Juli, 19.30 Uhr
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