Coburg
Gericht

Täter einer Diebesbande steht in Coburg vor Gericht

Eine Diebesbande raubte Tankstellen und Geschäfte in Neustadt bei Coburg, Weismain, Burgkunstadt und Fürth aus und richtete 90.000 Euro Schaden an. Drei der Täter sind bereits verurteilt, einem vierten wird jetzt der Prozess gemacht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Täter hatten hatten Brecheisen und weitere Geräte für ihre Einbrüche.  Symbolfoto: Christopher Schulz
Die Täter hatten hatten Brecheisen und weitere Geräte für ihre Einbrüche. Symbolfoto: Christopher Schulz
Augenscheinlich hatten die Täter an alles gedacht: Bei ihren Raubzügen waren sie nicht nur mit Einbruchswerkzeug perfekt ausgestattet, sondern sie zerstörten auch alles, was sie vielleicht überführen konnte. Unter anderem nahmen sie mehrfach Überwachungskameras - einmal sogar die dazugehörige Festplatte - mit, schlugen Bewegungsmelder kaputt und montierten gar ein Syphon ab, damit das eindringende Wasser alle Spuren verwischt.

Ihr letzter Einbruch im April 2014 in einer Tankstelle in Fürth wurde der Bande zum Verhängnis: Die Polizei konnte insgesamt vier Männer festnehmen. Drei der Männer wurden in ihrem Fluchtfahrzeug gestellt, einen weiteren Komplizen verhafteten die Beamten in der Eisenbahn. Die Staatsanwaltschaft geht von weiteren Tätern aus, die allerdings noch flüchtig sind. Die benutzten Fahrzeuge, einen Teil der Beute und zahlreiche Tatwerkzeuge stellte die Polizei sicher.
Die Männer hatten Brecheisen, Sägen und Trennschleifer dabei sowie spezielle Gerätschaften, mit denen ein Entfernen von Türschlössern problemlos möglich ist, brachen gar durch stahlbewehrte Feuerschutztüren, nutzten Kopfkissenbezüge für den Abtransport der Beute und hakelten mit Draht Bargeld aus dem Standtresor einer Tankstelle in Gunzenhausen.


Täter räumt drei Einbrüche ein

Drei Angehörigen der Bande wurde bereits der Prozess gemacht, ab Montag muss sich nun ein vierter Mann vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg verantworten.

Der 26-jährige Angeklagte, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt in Kronach einsitzt und aus Georgien stammt, ließ über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. In dieser räumte er die Tatbeteiligung an drei der sieben von Staatsanwalt Christian Pfab aufgelisteten Einbrüche ein. Von Januar 2014 an brach die Bande in unterschiedlicher Besetzung und innerhalb weniger Wochen - einmal waren es gar vier Einbrüche innerhalb von acht Tagen - nachts in Tankstellen, Geschäfte und Getränkemärkte ein und klauten Alkohol, Zigaretten, Lose, Bargeld, Getränke und Süßigkeiten. Dabei richteten sie einen Sachschaden von rund 15.000 Euro an. In Burgkunstadt enterten sie einen Getränkemarkt durch die Leergutluke. Dabei erbeuteten sie Zigaretten und Whisky im Wert von 4200 Euro und öffneten einen Tresor.

Ein Schreibwarenladen und ein Friseurgeschäft waren das Ziel der Täter in Weismain. In einer Tankstelle in Neustadt bei Coburg verstauten die Diebe Zigaretten im Wert von fast 20.000 Euro in Abfalltüten und Kartons und stellten sie zur Abholung bereit. Als sie allerdings von der Ehefrau des Tankstellenbesitzers überrascht wurden, flüchten sie ohne Beute.

Eines der Lose tauchte wieder auf: Einem Fürther Kioskbesitzer legten zwei Männer ein Bayernlos mit einem Gewinn von 50 Euro vor. "Das Lospaket war jedoch gesperrt", berichtete der Mann, der als Zeuge geladen war. Bei seiner polizeilichen Aussage konnten er und ein anwesender Kunde, der ebenfalls als Zeuge aussagte, einen der beiden Männer anhand vorgelegter Fotos identifizieren.

Auf einen "Deal" mit dem Verteidiger des Angeklagten - der 26-Jährige wollte nach vollständiger Preisgabe des Täterwissens mit einer Bewährungsstrafe davonkommen - ließ sich weder die Kammer unter Vorsitz von Richter Christoph Gillot noch die Staatsanwaltschaft ein. Da der Angeklagte, der zuletzt als Fahrer und Mechaniker für eine Baustofffirma tätig war, daraufhin weitere Angaben verweigerte, nahm die Beweisaufnahme mit Begutachtung der Fotos von den jeweiligen Tatorten und der sichergestellten Spuren sowie der Zeugenvernehmung großen Raum ein.

Die Polizei sei jeder Menge Spuren nachgegangen, berichtete der zuständige Kriminalhauptkommissar aus Fürth, der zusammen mit einem Kollegen aus Coburg den Fall bearbeitete. So seien unter anderem die Verpackung eines Schokoriegels untersucht, DNA-Spuren, Mobiltelefone, Videoaufnahmen und zwei Navigationsgeräte ausgewertet worden.
Ein verlorener Zipper eines Reißverschlusses führte die Polizeibeamten auf die Spur eines der Männer. Zudem habe sich eine Adressliste der Einbruchsorte in einem der beiden Autos befunden, die bei den Taten benutzt worden seien, berichtete er.
Die Verhandlung wird am 9. und 11. Dezember fortgeführt.


Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren