Selbst treue Besucher der HSC-Spiele schauten sich um und grübelten lange: Wann gab es zum letzten Mal eine solche Stimmung in der Angerhalle wie am Sonntagabend? Ausgerechnet Tischtennis, das gerne mal als Ping-Pong belächelt wird, brachte die Handball-"Vestung" zum Beben. Es war aber auch eine herausragende Mischung aus Show und Sport, die den Besucher bei der zehnten und letzten Station des "Orion LCD-TV Super Cup 2010" geboten wurde. Über 1700 Zuschauer waren phasenweise schier aus dem Häuschen und ließen die La-Ola-Welle durch die Reihen rauschen (Tageblatt vom 21. Juni).

Die Protagonisten des fußballfreien Abends hielten das, was ihre großen Namen versprachen: Timo Boll, Chen Weixing, Christian Süß und Jan-Ove Waldner zeigten den Tischtennis-Fans atemberaubende Ballwechsel. Freilich können Kritiker den sportlichen Wert der privaten Turnierserie (bei der Boll am Ende sieben von zehn Stationen gewann) in Frage stellen - aber auch sie müssen einräumen: Eine bessere Werbung, insbesondere bei Unbedarften, kann es für diesen Sport kaum geben.

An der Seite des 29-jährigen Boll als Zugpferd sorgte ein alter Hase für die großen Momente in der Angerhalle: Jan-Ove Waldner, 44 Jahre alt und wohl der Mann mit dem besten Ballgefühl, das der Tischtennis-Sport jemals gesehen hat. Im Halbfinale zeigte der alte Schwede mit Timo Boll mehr einen Schaukampf als eine ernsthafte Begegnung und riss die Zuschauer damit zu Beifalls-Stürmen hin. Fünf-Sätze dauerte der Spaß, bei dem beide Profis am Ende einer extrem langen Saison noch große Spielfreude, sensationelle Ballonabwehr und spektakuläre Trickschläge zeigten. Da ließen sich Christian Süß (Deutschland Nummer 3) und der für Österreich spielende Weltklasse-Abwehrspieler Chen Weixing an der anderen Platte natürlich auch nicht lumpen. Insbesondere der verschmitzt grinsende Mongole Weixing hat das Zeug zum Entertainer, was der als Zählrichter eingeteilte Wohlbacher Bayernliga-Spieler Oliver Grambs zu spüren bekam: Nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung zückte Weixing eine Schere aus der Sporttasche und ging Grambs damit an die schwarze Mähne.