Coburg
Extremsport

Stürmischer Empfang für Coburger Ultramarathon-Läufer auf Boa Vista

Die Coburger Markus Süße und Julian Popp nahmen zum wiederholten Male am Ultramarathon auf der Kapverden-Insel teil. Diesmal hatten sie allerdings nicht nur mit der sportlichen Herausforderung zu kämpfen, sondern auch mit außergewöhnlichen Wetterkapriolen.
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Boa Vista, die drittgrößte der Kapverden, ist eine Wüsteninsel mit kilometerlangen Sandstränden. Diese Passagen verlangen den Teilnehmern des Ultramarathons, darunter der Coburger Markus Süße, alles ab.  Fotos: privat
Boa Vista, die drittgrößte der Kapverden, ist eine Wüsteninsel mit kilometerlangen Sandstränden. Diese Passagen verlangen den Teilnehmern des Ultramarathons, darunter der Coburger Markus Süße, alles ab. Fotos: privat
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Während sich zuhause in Coburg allmählich vorweihnachtlicher Stress breit macht, fliegt Markus Süße in den Süden. Seit neun Jahren nimmt er Anfang Dezember am Ultramarathon auf der Kapverden-Insel Boa Vista teil. Einen so stürmischen Empfang wie dieses Mal hat der Coburger allerdings in den ganzen neun Jahren noch nicht erlebt: Das Wetter machte Süße und seinem Partner Julian Popp einen dicken Strich durch die Rechnung.

Aus der Teilnahme am 70-Kilometer-Lauf am Samstag wurde nichts. Den beiden Ausdauersportlern blieb schließlich nur noch der Marathon am Sonntag, den sie allerdings außer Konkurrenz laufen mussten.


Es fing schon damit an, dass Süße und Popp wegen beruflicher Termine nicht - wie sonst - am Mittwoch vor dem Lauf fliegen konnten, sondern erst am Freitag. Dieser Flieger konnte dann aber wegen eines Sandsturms nicht wie geplant auf Boa Vista landen.
"Boa Vista hat Sichtlandung", erzählt Markus Süße. "Wir sind über die Insel geflogen, es war neblig, diesig. Der Flieger ist dann durchgestartet und auf die Nachbarinsel Sal geflogen."


Knapper Zeitplan

Auf der Nachbarinsel werden die Coburger in ein Hotel gebracht.


"Am Freitagabend hieß es, wir werden am Samstagfrüh um 6 Uhr abgeholt." Um 7.30 Uhr sollten die beiden auf Boa Vista ankommen, der 70-Kilometer-Lauf sollte um 7 Uhr beginnen - eine ziemlich knappe Angelegenheit also. Die Veranstalter, mit denen Süße per Messenger im Kontakt steht, hätten den Start sogar extra für die Nachzügler verschoben. Doch mit jeder Stunde mehr, die die zwei Coburger am Flughafen sitzen, wird klar: Das wird heute nichts mehr!


Um halb drei am Nachmittag haben Süße und Popp die Nase voll und kümmern sich selbst um einen Charterflug. Das funktioniert zum Glück. Die Veranstaltung, wegen der sie gekommen sind, ist natürlich längst gelaufen.
"Aber", sagt Süße, "wir sind zum Laufen nach Boa Vista gekommen, also haben wir beschlossen: Wir laufen den Marathon am Sonntag mit - wenn auch inoffiziell." Einziges Problem: "Wir mussten sehen, wo wir Wasser herbekommen."


Gut, dass die beiden Coburger und ihre Bekannten auf der Insel schon so etwas wie eine kleine Familie geworden sind und, dass es Graziella und Luciano gibt. Das italienische Rentnerpaar lebt auf Boa Vista und kennt Markus Süße schon lange. Die beiden Italiener versprechen, sich auf ihre Quads zu setzen und den beiden Läufern Wasser zu den Checkpoints zu liefern.


Doch auch der Marathon hat es in sich, wie die zwei Sportler feststellen müssen. "Fünf Kilometer am Strand, bei aufschwemmender Flut - grausam", erinnert sich Süße. Der tiefe Sand macht das Laufen schwer, zweimal gerät der 49-Jährige mit den Schuhen ins Wasser, holt sich nasse Füße. Barfuß weiterlaufen sei nicht möglich gewesen, denn am Ende der Strecke wartet auf die Läufer eine Straße, auf der Laufen ohne Schuhe keine gute Idee wäre.


Kräftezehrender Untergrund

Süße kennt die Strecke gut, denn es ist eigentlich jedes Jahr die selbe. "Trotzdem hab ich es noch nie geschafft, blasenfrei durchzukommen", sagt er und grinst. Klar stellt er sich zu Hause die Frage, welche Ausrüstung nimmt man mit, welche Schuhe zieht man an. Diesmal probierte er andere Schuhe aus und, obwohl er statt 70 "nur" 42 Kilometer lief, hatte er wieder die übliche Blase am Fuß - übrigens immer am Linken, weil es ein gutes Stück an der Steilküste entlang geht, die links abfällt. "Das kann man zuhause einfach nicht trainieren - den Untergrund zumindest nicht", erklärt er das Phänomen. "Wenn ich 70 Kilometer in den Bergen laufe, passiert überhaupt nichts."
6.16 Stunden ("Mittelmaß") brauchen Süße und Popp am Ende für die Marathondistanz. Und weil sie offiziell nicht geehrt werden können, schmeißen ihre Bekannten für sie am Montag eine eigene Finisher-Party, wie Markus Süße lachend erzählt.
Der dritte im Bunde, Oliver Malowitz, durfte sich dagegen ganz offiziell freuen: Der Ausdauersportler aus Coburg war bereits am Mittwoch vor der Veranstaltung angereist und lief den Marathon in 6.14 Stunden.


Nicht gerade gemütlich

Süßes Resümee: "Wir sind bessere Zeiten gelaufen als im vergangenen Jahr" - das hatte "Betreuer" Luciano festgestellt. Gemütlich sei der Lauf zwar nicht gerade gewesen, aber immerhin ohne Stress und ohne Druck. Und vielleicht habe es am Ende doch noch sein Gutes gehabt, dass sie nicht die 70 Kilometer laufen konnten, überlegt Süße im Nachhinein. Denn, so haben die Coburger erfahren, der Lauf am Samstag muss wegen des Sandsturms so schwer gewesen sein, dass es viele schlechte Ergebnisse gab und einige Läufer sogar vorzeitig ausstiegen.
Doch trotz der Enttäuschung über die widrigen Umstände überwiegt bei den beiden Coburgern am Ende doch die Freude - darüber, dass sich ihre Freunde vor Ort so engagiert, freiwillig und kostenlos für sie eingesetzt haben. Allein dafür rentiere es sich, nach Boa Vista zu reisen. Und für Markus Süße steht schon jetzt fest: "Nächstes Jahr müssen wir wieder hin, um den Rückstand aufzuholen." Allerdings mit einer kleinen Änderung in der Anreise: "Definitiv am Mittwoch - damit wir Freitag dort sind und wieder die 70 Kilometer am Samstag laufen können."

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