LKR Coburg

Straßennamen in der Region Coburg erzählen: Fremde wird zur neuen Heimat

So spiegelt sich in Straßennamen die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik auch in Coburg und Rödental.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sprechende Straßennamen: Neue Heimat in Coburg.Foto: Jochen Berger
Sprechende Straßennamen: Neue Heimat in Coburg.Foto: Jochen Berger
+8 Bilder
Als die Welle der Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg den westlichen Teil des geteilten Landes traf, war die Lage eine völlig andere als heute. Millionen von Menschen mussten in einem Landesteil untergebracht werden, in dem auch ohne sie blanke Not herrschte. In Stadt und Land wurden Hauseigentümer gezwungen Flüchtlinge aufzunehmen.


Wohnraum war knapp


Eine Parallele zu heute: Willkommen waren die Flüchtlinge damals vielen nicht, obwohl sie nicht aus einer fremden Kultur kamen. Wohnraum war knapp. Ihn zu schaffen war ein Ziel, zu dessen Umsetzung es entschlossenes Vorgehen brauchte. Einer, der hier keine Kompromisse einging war damals Oeslaus Bürgermeister Ferdinand Fischer. Weil staatlicher Grund für die Baulandbeschaffung zu bevorzugen war - aber nicht dort lag, wo Fischer die Wohnblocks und Häuser für die Neubürger bauen wollte - kaufte und tauschte er Domänenland.


Heimkehrerstraße

"Das war harte Arbeit", kommentierte er sein Vorgehen später. Arbeit, die von Erfolg gekrönt war. Aus dem damals kleinen Dorf Oeslau wurde rasch ein beachtlicher Ort. Namen wie Ostlandstraße, Danziger, Leipziger oder Gothaer Straße erinnern daran, wie die Bebauung dort entstand. Sinnbildlich, und daher in mehreren Gemeinden zu finden, ist die Heimkehrerstraße.


In den folgenden Jahren sorgte ein Städtebauprogramm, das Fischer für seine Gemeinde regelrecht dem zuständigen Ministerium abgerungen hatte, für ein Wachstum, das später in der Großgemeinde und schließlich in der Erhebung zur Stadt Rödental mündete.


Zustrom von Heimatvertriebenen ließ Coburgs Einwohnerzahl kräftig wachsen


Von Flucht und Vertreibung im Gefolge des Zweiten Weltkriegs erzählen auch in der Stadt Coburg viele Straßennamen vom Karpatenweg über den Ostpreußenweg bis zum Schlesierweg. Für viele Flüchtlinge wurde Coburg buchstäblich zur "Neuen Heimat". Der Zustrom der Heimatvertriebenen ließ die Einwohnerzahl von 32552 im Jahr 1939 auf zeitweilig mehr als 50000 ansteigen (1947).
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren