Coburg
Interview

Stilllegen - und dann? Wie in Coburg gespart werden könnte

Die Forderungen der CSB-Stadtratsfraktion ans Baureferat klingen sehr konkret. Doch so einfach lassen sie sich nicht erfüllen.
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Kunst und Kakteen im Palmenhaus am Rosengarten: Es zu schließen, würde 60 000 Euro im Jahr sparen. Foto: Simone Bastian
Kunst und Kakteen im Palmenhaus am Rosengarten: Es zu schließen, würde 60 000 Euro im Jahr sparen. Foto: Simone Bastian
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Vor allem das Baureferat hat die Fraktion der Christlich-sozialen Bürger (CSB) bei ihrer jüngsten Pressekonferenz aufs Korn genommen: Es müsse mehr gespart werden, und die alten Schlachthofgebäude sollten baldmöglichst abgerissen werden, um ein Aufbruchsignal zu setzen. Das Tageblatt sprach mit Zweiter Bürgermeisterin und Baureferentin Birgit Weber über diese Vorschläge.

Frau Bürgermeisterin Weber, der Stadtforst soll endlich schwarze Zahlen schreiben, fordern die CSB. Warum gelingt dem Coburger Stadtforst nicht, was alle anderen Forstbetriebe - auch die staatlichen - offenbar können?
Bürgermeisterin Birgit Weber: Zum Thema Stadtforst liegt eine Anfrage von Herrn Amend (Stadtratsmitglied der CSB, die Redaktion) vor, die im März beantwortet wird. Dem möchte ich nicht vorgreifen. Der Stadtforst ist ja sehr vielseitig - von den Geländeformen her, den Böden, wie es zu bewirtschaften ist. Außerdem wird darauf geachtet, mit Laubbäumen aufzuforsten, die langsamer wachsen und damit auch erst später Ertrag bringen. Außerdem hält der Stadtforst Ausgleichsflächen vor. Seit Jahren wird darüber nachgedacht, das Defizit zu senken, und es laufen auch Verhandlungen, den Stadtforst mit dem Forst der Niederfüllbacher Stiftung zusammen zu bewirtschaften. Wir wollen schwarze Zahlen schreiben, das ist gar keine Frage. Aber wir müssen auch Ausgleichsflächen vorhalten, und einige Bereiche könnten wir auch gar nicht verkaufen - die will niemand haben.

Die Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers (PWC) hat die Stadtverwaltung untersucht und mit Sicherheit auch Sparvorschläge fürs Baureferat und das Grünflächenamt gemacht.
Das erste Benchmarking war unzureichend, weil es nicht berücksichtigt hat, dass wir große historische Parkflächen haben, die intensiv gepflegt werden müssen. Deshalb wurde das Grünflächenamt ein zweites Mal betrachtet. Die CSB haben nun vorgeschlagen, die Gewächshäuser zu schließen und auf die An- und Nachzucht von Zierpflanzen zu verzichten. Das ist aber Bestandteil der Ausbildung der Zierpflanzengärtner, und die müsste dann aufgegeben werden. Und dann muss man sich fragen: Was macht man mit den Gewächshäusern? Gleiches gilt fürs Palmenhaus: Man kann es schließen - aber was machen wir dann damit?

Gibt es da Vorschläge von Ihrer Seite? Die CSB sagen: Wenn die Verwaltung vorschlägt, das Palmenhaus zu schließen, sagen wir nicht Nein.
Diesen Punkt hatten wir schon einmal in einem früheren Gutachten. Damals hat der Stadtrat für den Weiterbetrieb des Palmenhauses gestimmt. Ich habe bei verschiedenen Gärtnereien angefragt, ob die Interesse hätten, das Palmenhaus zu nutzen für Ausstellungen oder ähnliches. Man könnte es vielleicht auch als Kunsthalle nutzen. Aber man kann es nicht einfach nur schließen. Die logische Konsequenz wäre der Abriss. Aber dazu muss man auch sagen, dass das Palmenhaus als Stützpunkt fürs Grünflächenamt zur Pflege des Rosengartens dient, mit Toiletten und Geräteraum. Die Vögel und die Pflanzen müsste man dann auch anderweitig unterbringen. Man muss auch Wege aufzeigen, was man nach der Schließung damit macht.

Wer ist "man" in diesem Fall?
Die Politik. Aber noch sind wir ja nicht so weit. Das PWC-Gutachten ist in verwaltungsinternen Sitzungen vorgestellt worden, aber es gab noch keinen Antrag auf Schließung des Palmenhauses. Das Gebäudemanagement, das die CSB fordern, liegt schon seit 2010 beim Hochbauamt. Damals wurde ein Büro beauftragt, ein Konzept auszuarbeiten, das seitdem umgesetzt und weiter optimiert wird. Es gibt einen Hausmeisterpool, und natürlich kümmern sich die Schulhausmeister teilweise auch um die Sporthallen. Aber wenn die Sportstätten bis nachts um 22 Uhr genutzt werden, haben wir einfach schon arbeitsrechtliche Probleme, wenn wir den Hausmeister von morgens um 8 bis in die Nacht arbeiten lassen. Man kann da aber sicher noch weiter optimieren, und wir nehmen alle Anregungen gerne an.

Jeder ist fürs Sparen, aber gleichzeitig soll soll es immer wieder neue Pflanzungen geben und der Rasen in den Parks schön gemäht sein.
Natürlich muss man sich überlegen, was man möchte. Aber wir bewerben uns als Unesco-Welterbe, wir haben ab 9. Mai die Landesausstellung - da muss man gerade im Innenstadtbereich einen gewissen Standard halten. Es geht auch sparsamer: die Rabatten an der Gaudlitz-Kreuzung sind schon weg, und die Staudenpflanzungen haben sich bewährt. Das kann man optimieren, und das Grünflächenamt ist dabei. Wir haben auch schon Dinge eingestellt, zum Beispiel im Winterdienst. Da gab es Flächen, die haben wir als Stadt früher geräumt, heute nicht mehr. Da muss der Bürger schon verzichten. Auch die Bepflanzungen werden mit Sicherheit zurückgefahren.

Noch ein Thema: Den gesamten Schlachthof bald abreißen bis aufs denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude, fordern die CSB.
Der Abbruch von bestimmten Gebäuden ist beschlossene Sache. Ausgenommen sind die erhaltenswerten Gebäude, wie das an der Itz oder das mit den denkmalgeschützen Fensterrahmen. Und das Verwaltungsgebäude.

Da sind die CSB radikaler.
Da gibt es verschiedene Strömungen. Die einen sagen: Wir müssen die identitätsstiftenden Gebäude für das Gelände erhalten. Andere sagen: Wir brauchen die sechs Hektar - also weg mit allem. Wir haben schon sehr viel abgerissen. Durch den Bau der Ernst-Faber-Brücke können wir im Südteil des ehemaligen Güterbahnhofs schon Grundstücke anbieten.

Die liegen aber relativ weit weg von der Hochschule.
Die Hochschule selbst sucht derzeit keine Räume. Am Schlachthofgelände ist eigentlich alles erschlossen. Wenn da abgerissen ist, kann man sofort loslegen. Aber das aktuelle Interesse richtet sich auf die Flächen an der Ernst-Faber-Brücke. Außerdem wollen wir das Gebiet über die nächsten zehn bis 15 Jahre entwickeln. Es soll sich auch stadtplanerisch einfügen, und wir wollen ja die Itz als Naherholungsgebiet in der Stadt erlebbar machen. Da ist eine wohlüberlegte Entwicklung geboten. Und so haben wir es ja einstimmig im Rahmenplan beschlossen.

Das Gespräch führt Tageblatt-Redaktionsmitglied Simone Bastian.
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