Coburg
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Steinwegvorstadt: Da geht was

Saniert wird erst dann, wenn die Untersuchungen einen Sanierungsbedarf nachweisen und dies im öffentlichen Interesse liegt.
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: Der Rundgang mit Reiner Wessels, Abteilungsleiter bei der Wohnbau der Stadt (Mitte), startete im Steinweg.
: Der Rundgang mit Reiner Wessels, Abteilungsleiter bei der Wohnbau der Stadt (Mitte), startete im Steinweg.
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Jetzt waren die Bewohner der Steinwegvorstadt mal dran. Am Samstag konnten sie von 10 Uhr an bis in die Mittagsstunden hinein mit den Architekten vom Büro "Umbau Stadt" (Berlin, Weimar, Frankfurt am Main) reden und deutlich machen, was ihnen in ihrem Wohngebiet missfällt und welche Erwartungen sie an eine Sanierung haben.
"Den ganzen Morgen wird hier schon kontrovers diskutiert", sagt Nikolai Freiherr von Brandis vom Architekturbüro, das sich mit der Untersuchung des Terrains zwischen Oberer Bürglaß und Seifartshofstraße befasst. Am Infostand vor dem sogenannten Schlick-Gebäude im Steinweg ist ständig Betrieb. "Ich finde, im Steinweg sollten Bänke aufgestellt werden, damit man sich auch mal setzen kann, ohne gleich etwas trinken oder verzehren zu müssen", ist ein Vorschlag. Ein grünes Fähnchen wird auf die Karte mit dem möglichen Sanierungsgebiet gesteckt und Nikolai Freiherr von Brandis macht sich eine Notiz.
"Hier dieses Stück der Schenkgasse ist sehr ungepflegt", sagt ein anderer Diskussionsteilnehmer und zeigt die Stelle auf der Karte. Von den Gaststätten dort komme viel Lärm und außerdem werde in die Ecken uriniert. Darüber hinaus stehe in diesem Bereich eine alte Scheune, die fast einstürzt und dringend abgerissen werden müsste. Ein rotes Fähnchen wird auf den betreffenden Abschnitt gesteckt. Im Schlick-Gebäude begrüßt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) die an einem Rundgang durch die Steinwegvorstadt Interessierten und macht deutlich, dass er in diesem Gebiet Handlungsbedarf sieht. "Wir wissen, dass es hier Konflikte gibt. Die Anwohner fühlen sich durch das Nachtleben in ihrer Ruhe gestört. Geschäfte ziehen weg." Aber das stelle kein reines Coburger Problem dar, sondern könne in vielen Städten ähnlicher Größe beobachtet werden. Nichtsdestotrotz sei die Stadt gefordert. "Wir wollen das Viertel zu einem anderen Leben erwecken", ergänzt Norbert Tessmer und verweist auf die Ketschenvorstadt, wo das gelungen sei.


Gläser im Schrank geklirrt

Anschließend führt Reiner Wessels, Abteilungsleiter bei der Wohnbau, eine Gruppe von Interessierten durch das Untersuchungsgebiet. Er schildert die historische Entwicklung im mittelalterlichen Bebauungsbereich und erzählt aus der Zeit, in der der Steinweg noch Teil der B 4 war und die Autos über den Unteren Bürglaß fuhren. "Da haben bei uns die Gläser im Schrank geklirrt", erinnert sich eine Bewohnerin, die keineswegs wieder Verkehr im Steinweg haben möchte.
Im Innenhof des Oberen Bürglasses 21, dort, wo sich das Schulgebäude der Sprachenschule Asco befindet, sagt Reiner Wessels erstmals etwas über ein mögliches zukünftiges Projekt: "Hier könnte man Dinge entwickeln, zum Beispiel Urban Gardening, also Stadtgärtnern." Für entwicklungsfähig hält er auch die Sichtachse von der Hahnmühle in Richtung Brauhausgelände. Nach Ansicht des Wohnbau-Abteilungsleiters gibt es auch Potenzial in der Schenkgasse, auf der Fläche links der Ausfahrt aus dem Parkhaus Post. Und die drei Hochhäuser in der Hindenburgstraße ließen sich durch eine andere farbliche Gestaltung und eine Verschönerung der Freiräume im rückwärtigen Bereich aufwerten. Aber all das ist Zukunftsmusik. Jetzt werden erst einmal Anregungen gesammelt und Untersuchungen angestellt.
Rund 20 Prozent staatlichen Zuschuss können Hausbesitzer bekommen, wenn sie sich beteiligen und ihre Immobilie auf Vordermann bringen wollen, erläutert Nikolai Freiherr von Brandis. Nicht jeder ist davon begeistert und kann die verbleibenden 80 Prozent der Kosten aufbringen, wie aus den Gesprächen beim Rundgang zu erfahren ist. "Wer zieht denn in mein saniertes Haus, wenn ich keine Parkplätze und noch nicht einmal Abstellmöglichkeiten für Fahrräder anbieten kann?", fragt ein Hausbesitzer und macht deutlich, dass noch viele Gespräche und Lösungsvorschläge notwendig sind.



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