Wiesenfeld bei Coburg
Landwirtschaft

Starke Familie bei Tag des offenen Bauernhofes in Wiesenfeld

Wer nicht mit der Zeit geht und sich etwas einfallen lässt, hat als Bauer in der heutigen Zeit verloren. Die Schreiners aus Wiesenfeld sind erfolgreich und stellten ihr Konzept beim "Tag des offenen Hofes" vor.
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Jürgen Martin erklärt moderne Landtechnik. Foto: Gabi Bertram
Jürgen Martin erklärt moderne Landtechnik. Foto: Gabi Bertram
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Der BBV-Kreisverband Coburg hatte gemeinsam mit der Familie Schreiner in Wiesenfeld am Sonntag zum "Tag des offenen Bauernhofes" eingeladen. Viele waren gekommen, um sich auf dem modernen landwirtschaftlichen Familienbetrieb umzusehen und sich mit den kulinarischen Spezialitäten verwöhnen zu lassen.

Nunmehr in der sechsten Generation bewirtschaftet Thomas Schreiner den Hof. Aber, räumt er ein, die Geschichte des Familienbetriebes könnte noch weiter zurückreichen. Ein Kirchenbrand hatte im 19. Jahrhundert alle Unterlagen zerstört und den Faden der Ahnenforschung abreißen lassen.

Direktvermarktung als Hauptstandbein

Thomas Schreiner hat seinen eigenen Weg gefunden und vor 25 Jahren mit der Damwildhaltung und Direktvermarktung angefangen. Inzwischen ist die Direktvermarktung das Hauptstandbein des Schreiner'schen Hofs geworden und der Hof manchmal zu klein für die Kunden.
Die Wildprodukte vom Damwild - Salami, Bratwürste, Schinken, Knacker - sind sehr beliebt. Thomas Schreiner vermarktet neben seinem Damwild aber auch Wildbret, das er von Jägern der Region bezieht, auch Hirsche aus dem südthüringischen Schönbrunn. Qualität wird hier auf dem Hof großgeschrieben, und Schreiner muss nicht mit dem Verkaufswagen tingeln, die Kunden kommen zu ihm nach Wiesenfeld, oftmals Stammkunden über Jahrzehnte. "Mit a bissle Rotwurscht und Weißwurtscht kommt man heute eben nicht weiter", meint Schreiner und ist stolz auf sein Wildschlachthaus, das den neuesten EU-Auflagen gerecht wird und das er "mei Schatzkammer" nennt.

Demnächst soll ein weiterer Kühlraum für die Selbstschlachtung der eigenen Schweine gebaut werden. Ohne eine starke Familie aber geht das alles nicht. Und so sind Monika und Thomas Schreiner glücklich, dass mit Tobias einer ihrer drei Söhne in der Eltern Fußstapfen getreten ist und eines Tages den Hof übernehmen will. Tobias ist von Beruf Metzgermeister und will im kommenden Jahr eine Ausbildung zum Landwirt aufnehmen.

Ohne Zusammenhalt funktioniert's nicht

Der Tag des offenen Bauernhofes stand heuer im Zeichen des von den Vereinten Nationen ausgerufenen "Jahrs der familienbetriebenen Landwirtschaft". Ohne Familienzusammenhalt keine funktionierenden Höfe, ohne zukunftsfähige Höfe keine lebendigen Dörfer - so fasste es Kreisobmann Gerhard Ehrlich zusammen und forderte einmal mehr von der Politik, den Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht auf dem Rücken der kleineren Betriebe auszutragen. Auflagen und eine nahezu maßlose Bürokratie würden die Landwirtschaftsbetriebe hemmen.

Landrat Michael Busch (SPD) sprach ein klares Bekenntnis zu den Bauern. Lebenswerte Dörfer bedürften der Landwirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt.

Futtermittel zu 90 Prozent aus Eigenproduktion

Neben dem Damwild - 23 Alttiere, 20 Jungtiere und 20 Kälber - stehen auf dem Schreiner'schen Hof 15 Mastbullen und im 2008 in Richtung Herbartsdorf neu gebauten Schweinestall 300 Schweine. Bewirtschaftet werden 60 Hektar Land, davon 55 Hektar Ackerland. Die Futtermittel, darauf legt Thomas Schreiner Wert, kommen zu 90 Prozent aus der Eigenproduktion. Aber, auch darauf macht Schreiner aufmerksam, die Flächen, die ein Landwirt heute in Pacht erhalten könne, würden knapp. Einen Acker in Pacht zu erhaschen, das werde immer schwieriger.

Auf dem Hof der Familie Schreiner in Wiesenfeld wird innovatives Denken mit bäuerlicher Tradition verknüpft. Zur Energiegewinnung wurde erst im Frühjahr eine Solaranlage aufs Dach montiert, die einen Großteil des Stromverbrauchs deckt. "Durch die Kühlräume und die Gerätschaften in der Direktvermarktung", sagt Monika Schreiner, "brauchen wir viel Energie. Eine eigene Solaranlage lohnt sich da schon." Wärmeenergie wird überdies mit einer Hackschnitzelheizung erzeugt. Schreiners Holzvorrat - er schürt ausschließlich trockenes gespaltenes Holz - reicht für zwei bis drei Jahre.

Am Tag des offenen Bauernhofes präsentierten sich auch die Partner der Landwirtschaft, die Futtermittel offerierten oder Hightech-Maschinen ausstellten. Der schon Tage vorher aufgebaute Maschinenpark im Garten, erzählt Thomas Schreiner, hatte natürlich schon vorher Neugierige angelockt und zur Munkelei am Stammtisch in Wiesenfeld geführt vom "wohl reichsten Bauern im Dorf".





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