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Coburg
Verkehrslandeplatz

Stadt will Flugplatz-Neubau mit aller Macht

Die Stadt hat sich bis 2025 an die Projektgesellschaft gebunden. Auch ein Bürgerentscheid könnte das nun nicht mehr ändern. Denn, so Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD): Die Brandensteinsebene kann nicht ausgebaut werden - das stehe seit 1.März 2010 endgültig fest.
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Blick über die Brandensteinsebene nach Lützelbuch heute. Gegner eines Flugplatzneubaus behaupten, dieser sei überflüssig, weil sich die Landebahn auf der Brandensteinsebene auch verlängernlasse. Foto: CDM
Blick über die Brandensteinsebene nach Lützelbuch heute. Gegner eines Flugplatzneubaus behaupten, dieser sei überflüssig, weil sich die Landebahn auf der Brandensteinsebene auch verlängernlasse. Foto: CDM
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Gibt es eine Zukunft für den Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene? Nein, sagt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Dass die Brandensteinsebene niemals zu einem zukunftstauglichen Flugplatz umgestaltet werden könne, stehe quasi höchstamtlich fest: Das wurde so festgehalten in einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium am 1. März 2010.

Seinerzeit musste Tessmer den damaligen Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) vertreten. Weil Tessmer in der Flugplatzthematik nicht firm war, schrieb er sicherheitshalber alles mit und stützt sich heute noch auf dieses Protokoll. Denn es gibt - sehr zu Tessmers Unmut - immer noch Leute, die behaupten, man könne den Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene so ertüchtigen, dass er dauerhaft von den Firmenjets der Coburger Unternehmen genutzt werden könnte.

"2008 beschloss der Stadtrat, den Aus- und Umbau der Brandensteinesbene abzulehnen", sagte Tessmer am Freitag bei einem Pressegespräch im Rathaus. Einstimmig sei das damals geschehen - eben weil der Umbau technisch schwierig und teuer wäre. Außerdem sei nur eine Landebahn von maximal 1200 Metern Länge möglich - und das sei nun mal nicht zukunftsträchtig, sagte Tessmer.

Einen zukunftsträchtigen Flugplatz will die Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg (PGVC) bei Neida/Wiesenfeld bauen. Der PGVC gehören die Stadt Coburg, die Unternehmen Brose Fahrzeugteile, Kapp Werkzeugmaschinen, Schumacher Packaging und Wöhner Elektrotechnische Systeme, die IHK zu Coburg und der Aeroclub Coburg an und - bis zum Jahresende - der Landkreis Coburg.

Der Landkreis tritt aus, weil ein Bürgerentscheid im Juni ihn dazu gezwungen hat. Nun soll es auch ein Bürgerbegehren in der Stadt geben mit dem gleichen Ziel. Aber weil die Initiatoren nicht abstreiten wollen, dass ein Flugplatz an sich für Coburg nötig und wünschenswert ist, plädieren sie dafür, die Brandensteinsebene auszubauen und haben eine Fotomontage erstellt, wie das aussehen könnte (Tageblatt vom 7. August).

Diese Fotomontage brachte am Freitag aber nicht nur Tessmer in Rage, sondern auch Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg. "Das ist nicht genehmigungsfähig", schimpfte er, und Xaver Rupp, Betriebsleiter des Flugplatzes Brandensteinsebene, erläuterte, warum: Selbst mit Aufschüttungen von der jetzigen Hangkante bis kurz vor Lützelbuch wäre eine maximale Bahnlänge von 1100 Metern möglich - und davon blieben netto 800 Meter für die Landebahn. "Das ist auf keinen Fall zukunftsfähig." Der geplante Neubau bei Neida kommt auf eine Landebahnlänge von rund 1400 Metern.

Die Befürworter eines Flugplatzneubaus halten nun mit eigenen Bildern dagegen, die Pilot Klaus Wanjura präsentierte ("von einem Architekturbüro erstellt, nicht von einem Lehrer aus Meeder"). Bei einer Landebahnlänge von 1200 Metern würden zwei Lützelbucher Siedlungsstraßen unter den Aufschüttungen begraben, und die Masten für die notwendige An flugbefeuerung stünden mitten im Dorf. "Sechs Millionen Kubikmeter Erdaufschüttung kosten allein 78 Millionen Euro und würden 44 Monate dauern", rechnete Wanjura vor.

Satzung geändert auf Druck der Wirtschaft
Anlass für das Pressegespräch im Rathaus war eine nichtöffentliche Sitzung des Feriensenats, der - wenn nötig - während der Stadtratsferien einberufen wird. Der neunköpfige Senat sollte einer Satzungsänderung der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg (PGVC) zustimmen, die festschreibt, dass die Mitglieder frühestens zum 31. Dezember 2025 austreten können. Bislang war dies immer zum Ende des jeweiligen Kalenderjahres möglich.

Dass dies vom kurzfristig einberufenen Feriensenat beschlossen werden sollte, hatte den ÖDP-Stadtrat Klaus Klumpers veranlasst, den Vorgang öffentlich zu machen. Denn die Satzungsänderung dient dem Ziel, einen vorzeitigen Austritt der Stadt aufgrund eines Bürgerentscheids zu verhindern.

Das räumte IHK-Präsident Friedrich Herdan durchaus ein: "Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit." Die Hoffnung dahinter: Ein Bürgerentscheid kann bestehende Verträge einer Kommune nicht aushebeln. Dass dem Feriensenat aufgrund der Zeitungsberichte bekannt war, dass das Bürgerbegehren am 15. August starten soll, "reicht meiner Meinung nach nicht, um eine Sperrwirkung auszulösen", sagte Willi Kuballa, Rechtsdirektor der Stadt und Geschäftsführer der PGVC. In dem Moment, wo ein Bürgerbegehren läuft, dürfen kommunale Gremien keine gegenläufigen Beschlüsse mehr fassen.

Die Gesellschafter der PGVC haben die neue Satzung schon beschlossen, aber die Zustimmung der Stadt galt erst durch den Beschluss des Feriensenats (acht gegen eine Stimme) gegeben. Wirksam wird die Satzungsänderung, sobald sie im Handelsregister eingetragen ist, was schnellstmöglich geschehen soll, wie Kuballa sagte.

Der Feriensenat segnete auch die neue Finanzierungsvereinbarung ab: Die vier Unternehmen in der PGVC hatten sich verpflichtet, zusammen acht Millionen Euro der Baukosten aufzubringen. Die Stadt sollte 5,5 Millionen zahlen, der Landkreis 1,5 Millionen, und 15 Millionen hat der Freistaat zugesagt. Der Landkreis scheidet aufgrund des Bürgerentscheids aus - somit erhöht sich der Anteil der Stadt auf 5,8 Millionen und der der Wirtschaft auf 9,2 Millionen Euro. Die Baukosten sind nun auch offiziell auf 30 Millionen Euro gedeckelt.


Brose warnt vor Verlusten
Die Wirtschaft will und braucht den Flugplatz: Diesen Standpunkt vertrat neben IHK-Präsident Friedrich Herdan der Leiter Politik- und Verbandsangelegenheiten der Brose Gruppe, Martin Kugel. Er erinnerte daran, dass Brose-Hauptgesellschafter Michael Stoschek sich lange für den Ausbau der Brandensteinsebene eingesetzt habe.

"Die Firma Brose hat auf eigene Kosten mehrere Gutachten und Ausarbeitungen für eine mögliche Verlängerung oder neue Landebahn, die den gesetzlichen Vorgaben für einen richtlinienkonformen Instrumentenflug auf der Brandensteinsebene ermöglicht, erstellen lassen. Keine der Untersuchungen hat ergeben, dass unter nur einigermaßen akzeptablen wirtschaftlichen Gesichtspunkten beziehungsweise Aspekten der Lärmbelästigung ein Flugbetrieb möglich ist, der den aktuellen und künftigen gesetzlichen Anforderungen entspricht."

Als Lösung bleibe nur ein richtlinienkonformer neuer Verkehrslandeplatz im Landkreis. Der komme nicht nur den einheimischen Fliegern zugute, "sondern allen, die ein Flugzeug chartern wollen sowie den Besuchern von außerhalb, die Coburg mit ihren Geschäftsflugzeugen oder einer Chartermaschine anfliegen wollen. Das ist auf der Brandensteinsebene schon seit Jahren nicht möglich". Kugels Fazit: "Die Brose Unternehmensgruppe, die für die Steuerung ihres weltweiten Geschäfts wesentliche Zentralfunktionen in Coburg unterhält, wird für den Fall, dass im Jahr 2020 eine uneingeschränkte Nutzung des Firmenflugverkehrs von Coburg aus nicht möglich ist, weitere Zentralfunktionen an andere Firmenstandorte verlagern."

"Es wäre schön, wenn unsere Kunden uns erreichen könnten", sagte auch Friedrich Herdan. Für Starts und Landungen auf der Brandensteinsebene gelten inzwischen zahlreiche Auflagen, unter anderem die, dass Piloten die Verhältnisse dort gut kennen müssen.

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