Coburg
Sanierung

Stadt Coburg bekommt keine Handwerker

An der Heiligkreuzschule ruhen die Bauarbeiten. Wegen der guten Auftragslage haben sich kaum Firmen auf die Ausschreibung der Gewerke gemeldet.
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Die historische Turnhalle der Heiligkreuzschule wird zur Pausenhalle umgebaut. Das Archivbild zeigt den Stand der Bauarbeiten Ende Februar. Kurz darauf wurden noch Fenster nach altem Vorbild eingebaut. Seitdem ruhen die Arbeiten. Foto: CT-Archiv / Ulrike Nauer
Die historische Turnhalle der Heiligkreuzschule wird zur Pausenhalle umgebaut. Das Archivbild zeigt den Stand der Bauarbeiten Ende Februar. Kurz darauf wurden noch Fenster nach altem Vorbild eingebaut. Seitdem ruhen die Arbeiten. Foto: CT-Archiv / Ulrike Nauer
Eigentlich sollte der erste Abschnitt der Generalsanierung der Heiligkreuzschule Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. "Ein genauer Fertigstellungstermin ist aufgrund der derzeitigen Situation am Bau nicht voraussehbar", sagt Rolf Probst vom Hochbauamt der Stadt Coburg. Seit einiger Zeit schon ruhen die Arbeiten an der Schule. Der Grund sei die Auftragslage bei den Handwerksfirmen.
"Wir bekommen einfach keine Firmen", sagt Probst. "Wir haben verschiedene Gewerke ausgeschrieben und dann entweder nur ein Angebot bekommen - zu den dreifachen Kosten, die veranschlagt waren - oder wir haben gar keine Angebote bekommen." Verschiedene Gewerke habe das Bauamt deshalb sogar zweimal ausschreiben müssen. "Deswegen ist derzeit Stillstand auf der Baustelle."
Die Heiligkreuzschule wurde vor 110 Jahren unter Regie von Stadtbaumeister Max Böhme im Jugendstil gebaut. Abgesehen von einer größeren Sanierung in den 1960er Jahren wurde immer nur mal hier, mal dort modernisiert - zuletzt in den 1980er Jahren. Nun stand das Geld für die Generalsanierung bereit, und es konnte losgehen. Im ersten Bauabschnitt sollte die historische Turnhalle, die schon länger für den Schulsport gesperrt war, zur Pausenhalle mit Schülercafé umgebaut werden. Der Rohbau war bereits Ende Februar zu 95 Prozent fertig. Damals wurden noch die Sprossenfenster eingesetzt, einiges an Haustechnik eingebaut und der Kanal fertiggestellt. Danach wurden die übrigen Gewerke ausgeschrieben, doch das Interesse der Handwerksfirmen war ernüchternd.


Fachkräfte fehlen

"Bei der Ausschreibung für den Außenputz haben wir im ersten Durchlauf gar kein Angebot bekommen", berichtet Rolf Probst. Die Firmen hätten schlicht nicht genügend Fachkräfte und nehmen deswegen keine Aufträge mehr an. Aus anderen Kommunen wisse er, dass dort aus dem gleichen Grund bereits Investitionen verschoben wurden.
Immerhin, seit der vergangenen Woche hat die Stadt für das Projekt endlich eine Metallbaufirma - "und voraussichtlich auch einen Außenputzer", sagt Probst. Noch in dieser Woche sei ein Gespräch mit dem Metallbauer anberaumt, um Termine abzustimmen. "Ich hoffe, dass er dann zeitnah anfangen kann." Wenn alles gut läuft, könnten die Metallbauarbeiten Mitte September fertig werden.
"Einen Dachdecker haben wir zwar schon länger, der kann aber erst anfangen, wenn die anderen fertig sind", erläutert Probst. Ähnliches gelte für die Installation der Haustechnik. Die könne erst gemacht werden, wenn das Gebäude dicht ist und nicht mehr unbefugt betreten werden kann. Das wiederum hänge vom Metallbauer ab.
In den nächsten Tagen steht die Submission für die Klempnerarbeiten an. Rolf Probst: "Wir wissen aber noch nicht, ob wir Angebote bekommen und wenn ja, ob diese akzeptabel sind."
Jens Beland kennt das Dilemma als Kreishandwerksmeister nur allzugut. Im Bauhandwerk herrsche derzeit Hochkonjunktur. "Da macht sich der Facharbeitermangel natürlich besonders bemerkbar." Immer weniger Schulabgänger wollten einen Handwerksberuf lernen. Er merke das auch in seinem eigenen Maler- und Putzgeschäft.


Papierkram zu aufwendig

Auf die Ausschreibung für die Heiligkreuzschule habe er im ersten Durchgang auch kein Angebot abgegeben, gibt Beland zu. "Bei öffentlichen Ausschreibungen ist der bürokatische Aufwand extrem aufwendig", erklärt er und betont: Das liege nicht an der Stadt Coburg, sondern an den Richtlinien. "Die Chance, dass wir den Auftrag kriegen, ist zu gering." Wenn der Papierkram einen Mitarbeiter zwei Stunden beschäftige, der Betrieb sich aber in anderen Bereichen vor Arbeit nicht retten kann, dann lasse man eben die Aufträge der öffentlichen Hand weg, so Beland.
Für die Zukunft sieht er zwei Bereiche, in denen etwas getan werden muss: Nachwuchs für das Handwerk generieren und den "Papierwust" in der Vergabe zu minimieren. Gemeinsam mit der Stadt und dem Landkreis arbeite die Kreishandwerkerschaft bereits an einem einheitlichen elektronischen Vergabeverfahren. Was den Nachwuchs betrifft, sei es wichtig, an Schulen und auch bei Studienabbrechern für das Handwerk zu werben. Veranstaltungen wie die Berufsbildungsmesse, die es seit sechs Jahren gibt, zeigten bereits erste Erfolge. "Erstmals gab es oberfrankenweit ein leichtes Plus an Nachwuchs", sagt Jens Beland.
Der Stadt Coburg zuliebe hat er sich übrigens an der zweiten Runde für die Heiligkreuzschule beteiligt, sei aber nicht böse gewesen, dass letztlich sein einziger Mitbewerber den Auftrag erhalten habe.

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