Coburg
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Souveränen Auftritt hingelegt

Das Frühjahrskonzert des Musikvereins Beiersdorf im Saalbau "Schwarzer Bär" war ein besonderer Kunstgenuss und Werbung für die konzertante Blasmusik.
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Dietmar Luther dirigierte den Musikverein Beiersdorf bei einem Marsch seines Urgroßonkels August Luther. Foto: Martin Koch
Dietmar Luther dirigierte den Musikverein Beiersdorf bei einem Marsch seines Urgroßonkels August Luther. Foto: Martin Koch
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Konzertante Blasmusik ist als weitaus mehr als bloße Bierzelt- oder Marschmusik. Dazu gehören auch reizvolle Arrangements der gehobenen Unterhaltungsmusik, manchmal folkloristisch angehaucht, mitunter ganz und gar jenseits sogenannter volkstümlicher Klänge. Der Musikverein Beiersdorf, ein Klangkörper mit über 30 Musikerinnen und Musikern (und einem Frauenanteil von immerhin über 27 Prozent) zeigte sich am vergangenen Samstag in seinem gut 20 Nummern umfassenden Abendprogramm souverän vertraut mit vielen kontrastierenden Musikstilen.
Eigentlich klar für eine Blaskapelle begann das Abendprogramm mit einem Marsch, dem "Gruß an Thüringen" von Hermann Ludwig Blankenburg. Bei dem nächsten Titel griff Dirigent Dietmar Luther ins Musikarchiv der eigenen Familie: 1922 komponierte sein Urgroßonkel August Luther einen Großen Festmarsch für das 3.
Württembergische Infanterie-Regiment.
Die Freude an der Musik hat wohl in der Familie Tradition: Vor fast 500 Jahren komponierte ein Vorfahre aus der Seitenlinie, der Reformator Martin Luther, ja auch bekannte Lieder, die heute in der Christenheit hohe Popularität genießen.
Wie sehr E- und U-Musik beieinander liegen, zeigte ein James-Last-Medley, in dem der berühmte Jazzmusiker und Bandleader Melodien von Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich Smetana, Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi in einem Klangmix mit dem von ihm geprägten Happy-Sound verwob. Musik einfach zum Wohlfühlen.
Volkstümliche Klänge erfreuen sich bei weiten Bevölkerungsteilen weiterhin großer Beliebtheit. Obligatorisch ist die böhmische oder böhmisch inspirierte Blasmusik ein Schwerpunkt der Beiersdorfer Musikanten. Da gab es auch starken Applaus für die gewohnt souverän dargebotenen Stücke.
Vor allem aber bewegte sich der Musikverein Beiersdorf musikalisch durch Mittel- und Westeuropa. Da gab es das irische Volkslied "Whisky in the Jar", das fast zum Mitsingen verführen konnte - wenn denn die Textsicherheit vorhanden gewesen wäre. Der "Summer of 69" von Bryan Adams und Jim Vallance war gleich ein doppelter Exkurs, ein Ausflug ins rockige Metier und geografisch auf den amerikanischen Kontinent.
Die musikalische Reise ging aber wieder zurück nach Deutschland und nach Mitteleuropa. Unter dem Dirigat von Rainhard Kramer erklang die Polka "Beim Dorfwirt". In einem Medley gab es ganz und gar einheimische Folklore: "Wu is denn mei Görchla", "Hans bleib dou" und "Mei Schatz, des is a Schlamperla" seien hier nur stellvertretend genannt.
Die "Berliner Luft", ein Marsch von Paul Linke, bekannt aus der Operette "Frau Luna", fuhr dem Publikum im vollen Saalbau Hanft geradezu in die Glieder. Der "Fliegermarsch" von Hermann Dostal gehört zu den populären Evergreens des deutschen Militärs.
Rainhard Kramer und der Musikverein Beiersdorf ließen es am Schluss nicht bei dem schriftlich fixierten Programm bewenden. Als Zugabe gab es noch einmal eine schmissige Portion Militärmusik als Zugabe, zunächst einmal den Radetzkymarsch von Johann Strauss Senior. Und in Coburg muss dann auch noch ein Österreicher erklingen: Johann Michael Haydn. Aus dessen Feder stammt der Coburger Marsch, den man in Coburg nicht auslassen kann.


Michael Münnich 40 Jahre dabei

Ronald Friedrich, Coburger Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes, nahm im Rahmen des Frühjahrskonzertes einige Ehrungen vor. Seit 40 Jahren gehört Michael Münnich zum Musikverein Beiersdorf. Zehn Mitgliedsjahre sind es bei Jessica Birkner, Jennifer Gleichmann, Laura Schwarz, Franziska Stubbert und Jonas Grobe.
"So ein Erlebnis kann uns kein Smartphone und kein sonstiges Gerät bieten", lobte Oberbürgermeister Norbert Tessmer, die Darbietungen des Beiersdorfer Klangkörpers. "Ich bin stolz auf meinen Musikverein Beiersdorf." Durch das Programm führten Musikvereinsvorsitzende Stefanie Kramer sowie die beiden jungen Musikerinnen Deborah Wenk und Franziska Stubbert. Und dass der Musikverein Beiersdorf optimistisch in die Zukunft blicken kann, demonstrierten die beiden jungen Instrumentalisten Kim (13) und Anna (9) mit drei Frühlingsliedern, gespielt auf zwei Flöten. Die Nachwuchsarbeit funktioniert in Beiersdorf.
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