LKR Coburg

Sonnefeld, Ebersdorf und Weidhausen: Erster Schritt zum Mittelzentrum

Der Antrag ist auf dem Weg nach München, noch heuer fahren die Bürgermeister aus Ebersdorf, Sonnefeld und Weidhausen in die Landeshauptstadt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ab nach München: Michael Keilich, Bernd Reisenweber und Markus Mönch (von links) haben gestern den Antrag auf ein gemeinsames Mittelzentrum nach München geschickt. Auf die Unterstützung des Landkreises können sich die Bürgermeister von Sonnefeld, Ebersdorf und Weidhausen dabei verlassen. Foto: Berthold Köhler
Ab nach München: Michael Keilich, Bernd Reisenweber und Markus Mönch (von links) haben gestern den Antrag auf ein gemeinsames Mittelzentrum nach München geschickt. Auf die Unterstützung des Landkreises können sich die Bürgermeister von Sonnefeld, Ebersdorf und Weidhausen dabei verlassen. Foto: Berthold Köhler
Mit dem von Landrat Michael Busch (SPD) gewünschten Signal einer gemeinsamen Linie hat der Kreistag gestern Abend seine Stellungnahme zur Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms auf den Weg nach München geschickt. Unterstützung signalisiert der Kreistag darin auch dem Bestreben der Gemeinden Ebersdorf, Sonnefeld und Weidhausen, die gemeinsam als Mittelzentrum eingestuft werden wollen. Im Entwurf für die Teilfortschreibung fehlt dieser Status allerdings noch.

Bernd Reisenweber (BG), Bürgermeister der Gemeinde Ebersdorf, ist sich im Klaren darüber, dass auch die Unterstützung des Landkreises nicht automatisch den Weg zum Mittelzentrum frei machen wird: "Es wird schwierig, sicher kein Selbstläufer, aber wir haben gute Argumente." Markus Mönch (parteilos), Reisenwebers Amtskollege aus Weidhausen, verweist zum Beispiel auf die (nicht nur) wirtschaftliche Weiterentwicklung der drei Kommunen aus dem westlichen Landkreis. Als das Trio vor fast 20 Jahren schon einmal mit einem ähnlichen Antrag scheiterte, waren die fehlenden Einzelhandels-Angebote der entscheidende Faktor. Heute gibt es genug Geschäfte, längst nicht alle davon nur auf der "grünen Wiese". Markus Mönch ist deshalb optimistisch, dass es mit dem Mittelzentrum klappt: "Wir sind mit den Anforderungen, die an uns gestellt werden, absolut auf Augenhöhe."


Bedarf in Bamberg

Den offiziellen Antrag haben Reisenweber, Mönch und ihr Sonnefelder Kollege Michael Keilich (CSU) gestern im Sonnefelder Rathaus unterzeichnet und nach München geschickt. Denn bis spätestens Dienstag müssen die Stellungnahmen zum Landesentwicklungsprogramm abgegeben werden. "Wir haben uns das Mittelzentrum verdient", sagte Keilich, als er sein Autogramm auf den Brief zu Heimatminister Markus Söder (CSU) setzte.

Aber den Antrag nur per Post zu schicken, ist dem Bürgermeister-Trio ein bisschen zu wenig. Keilich setzte sich deshalb mit seinem Parteifreund, dem aus Neustadt stammenden Landtagsabgeordneten Jürgen W. Heike, in Verbindung und hat deshalb einen Termin mit Markus Söder in Aussicht. Der soll noch in diesem Jahr in München stattfinden - da wollen Keilich, Mönch und Reisenweber dann noch einmal persönlich bei den Entscheidern in München vorstellig werden.

Nicht alles, was im Landesentwicklungsprogramm steht, stieß - trotz grundsätzlicher Zustimmung - gestern Nachmittag im Kreistag auf einhelliges Verständnis. Dass die bekanntlich eher gut situierte Stadt Bamberg und sogar Garmisch-Partenkirchen bald wie das Coburger Land schon länger als "Raum mit besonderem Handlungsbedarf" eingestuft werden sollen, war Michael Busch schon eine Bemerkung wert.

Aus Gründen des nachbarschaftlichen Friedens geht die Stellungnahme des Landkreises aber nicht auf den Bamberger Status ein - auch wenn die Stadt Bamberg künftig in Bereichen wie etwa der Breitbandförderung die gleichen Fördersätze wie zum Beispiel eine ländlich geprägte Coburger Landkreis-Gemeinde bekommt. Frank Rebhan (SPD) wollte deshalb zwar keine Neid-Diskussion losbrechen, schickte den Bambergern aber schon eine klare Botschaft. Motto: Vielleicht sollte man in der Domstadt als Zeichen guter Nachbarschaft einmal die "restriktive Haltung" (Rebhan) zum ICE-Halt Coburg neu überdenken.

Gegenstimmen bei der Stellungnahme des Landkreises gab es am Ende nur bei einem Punkt. Dem Gemeinderatsbeschluss der Gemeinde Meeder folgend, stellt sich der Landkreis hinter den Vorschlag, künftig in Ausnahmefällen größere Einzelhandelsansiedlungen auch an Knotenpunkten zweispuriger Staatsstraßen zuzulassen. Christoph Raabs (ÖDP) sowie unter anderem den Mitgliedern aus der "Grünen"-Fraktion ging dies dann doch einen Schritt zu weit. Er könne die Argumente der Meederer sehr gut verstehen, räumte Raabs ein - er verwies aber auch darauf, dass das Landesentwicklungsprogramm für den ganzen Freistaat gelte. Und der brauche nicht noch mehr Flächenversiegelung und zerstückelte Landschaften. Sieben Kreistagsmitglieder schlossen sich in diesem Punkt der ablehnenden Haltung Raabs an.

Entworfen und dem Kreistag präsentiert wurde die Stellungnahme von Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz. Der sah im künftigen Landesentwicklungsprogramm unter anderem verbesserte Aussichten für die Ansiedlungen von größeren Einzelhandelsbetrieben auch in kleineren Kommunen. Hier scheine der Freistaat die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und lockere seine Vorschriften. Denn eines ist inzwischen Realität, sagte Schmitz: "Unter 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche fangen die großen Discounter gar nicht erst mit dem Überlegen an."


Entscheidung im Frühjahr

Wie das Landesentwicklungsprogramm - bei dem auch Bad Rodach den Status des Mittelzentrums neu anstrebt - genau aussehen wird, werden die bayerischen Kommunen nicht mehr in diesem Jahr erfahren. Bernd Reisenweber rechnet damit, dass die endgültigen Ergebnisse der Teilfortschreibung nicht vor dem Frühjahr 2017 veröffentlicht werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren