Neustadt bei Coburg
Landkreisreform

Sonneberg liebäugelt mit dem Coburger Land

Sonneberg wehrt sich gegen das Aufgehen in einem Groß-Landkreis mit Hildburghausen und Suhl und prüft den Anschluss ans Coburger Land.
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Bis 1989 trennte an der Gebrannten Brücke eine mörderische Grenze Sonneberg vom Coburger Land. Heute ist es eine Landesgrenze, die niemand mehr bemerkt. Bald könnte es womöglich auch diese Grenze nicht mehr geben - falls sich Sonneberg an das Coburger Land anschließt. Foto: Rainer Lutz
Bis 1989 trennte an der Gebrannten Brücke eine mörderische Grenze Sonneberg vom Coburger Land. Heute ist es eine Landesgrenze, die niemand mehr bemerkt. Bald könnte es womöglich auch diese Grenze nicht mehr geben - falls sich Sonneberg an das Coburger Land anschließt. Foto: Rainer Lutz
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Die beabsichtige Gebietsreform in Thüringen treibt den Landkreis Sonneberg nach Bayern. Eine weiß-blaue Liaison wurde schon beim jüngsten Faschingsumzug in der Spielzeugstadt ausgemacht. Die Landesregierung des Freistaates Thüringen will die Zahl der aktuell 17 Landkreise auf acht reduzieren. Geschaffen werden sollen so Verwaltungseinheiten mit mindestens 130 000 Einwohnern, maximal eine Viertelmillion. Das "Kommunale Leitbild zukunftsfähiges Thüringen" sieht mit dem 1. Januar 2018 einen großen Landkreis vor, den die drei Kreise Sonneberg, Hildburghausen und Suhl bilden sollen.


Absolut dagegen

Im Landkreis und in der Stadt Sonneberg ist man vehement gegen dieses Vorhaben. Daher hat Heiko Voigt, hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Sonneberg und Stellvertreter von Bürgermeisterin Sibylle Abel (CDU), den Anschluss von Sonneberg an den Freistaat Bayern beim Neujahrsempfang ins Gespräch gebracht. Und auch Christine Zitzmann, Landrätin des Kreises Sonneberg, bezeichnet den Wechsel von Thüringen nach Bayern als eine "grundsätzliche Option".

Michael Busch (SPD), Landrat des Kreises Coburg, hat Verständnis für die ablehnende Haltung in Sonneberg. Sonneberg würde in dem geplanten Großlandkreis an den Rand gedrängt und damit an wirtschaftlicher Stärke verlieren, ist er sich mit den benachbarten Kommunalpolitikern einig.


Hohe Hürden

Vor einem Gebietswechsel in ein anderes Bundesland stehen sehr hohe Hürden. Gegen den Willen der Staatsregierungen ist ein solcher Wechsel kaum möglich. Denn beide Bundesländer - Thüringen und Bayern - müssten dazu einen Staatsvertrag schließen, der auch noch vom Bundestag abzusegnen wäre. Zudem müssten die Bewohner des Landkreises dem Wechsel in einem Volksentscheid zustimmen. Einige Stimmen gibt es, wonach alle Thüringer zu einem solchen Entscheid aufgerufen werden müssten. Heiko Voigt hat eine Bürgerbefragung zu einem Wechsel angeregt. Das werde auch derzeit geprüft.

Im vergangenen September hat die rot-rot-grüne Regierung in Erfurt den ersten Entwurf der umstrittenen Neuordnung vorgelegt. Nicht nur im Landkreis Sonneberg regt sich dagegen Widerstand. So hat der Landrat des Eichsfeldkreises mit dem Wechsel nach Niedersachsen gedroht, vor zwei Jahren brachte der damalige Landrat des Altenburger Landes, Sieghardt Rydzewski, einen Wechsel seines Kreises nach Sachsen ins Gespräch. Der Thüringer Landkreistag bezweifelt die Einspareffekte durch eine Kreisgebietsreform und verlangt vom Land Thüringen, zunächst bei sich selbst zu sparen.


Abneigung gegen Kreissitz in Suhl

Heiko Voigt fordert, dass "landsmannschaftliche Besonderheiten, wirtschaftliche und geografische Kriterien" bei der Neuordnung der thüringischen Landkreise mehr berücksichtigt werden müssten als nur die Höhe der Einwohnerzahl. Zwar sehen sowohl Voigt als auch Sonnebergs Landrätin Christine Zitzmann die Notwendigkeit, zukunftssichere Verwaltungsstrukturen zu schaffen, aber die Abneigung gegen einen möglichen Kreissitz in der früheren DDR-Bezirkshauptstadt Suhl ist fest verwurzelt. Damit, so Voigt, erführe die Benachteiligung Sonnebergs eine Neuauflage. Landrätin Zitzmann ärgert sich, dass es keine Gespräche der Landesregierung mit den Betroffenen gebe. "Wichtig ist es, die Menschen mitzunehmen."


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