Coburg
Provokation

Coburger Schlossplatz Open Air 2017 mit Söhne Mannheims: Sponsor und Stadt verärgert

Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims stiften mit ihrem neuen Song "Marionetten" Unruhe. Soll das Lied nicht auf dem Coburger Schlossplatz gespielt werden?
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Die Söhne Mannheims polarisieren mit ihren Liedern. Ihr neuer Song "Marionetten" enthält Drohungen und demokratiefeindliche Äußerungen.  Foto: Tommy Mardo
Die Söhne Mannheims polarisieren mit ihren Liedern. Ihr neuer Song "Marionetten" enthält Drohungen und demokratiefeindliche Äußerungen. Foto: Tommy Mardo
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Wird der geplante Auftritt von Xavier Naidoo und der Söhne Mannheims Ende August auf dem Coburger Schlossplatz zum Politikum? Ein neuer Song liefert jetzt jedenfalls reichlich Diskussionsstoff in sozialen Netzwerken und in den Medien. "Marionetten" lautet der Titel, in dem Politiker als Steigbügelhalter bezeichnet und heftig kritisiert werden: "Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter." Auch unverblümte Drohungen enthält der Text: "Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid."


Coburger Schlossplatz Open Air 2017: Mannheim distanziert sich

Während sich die Heimatstadt der Söhne Mannheims inzwischen von der Band distanziert hat, melden sich auch in Coburg besorgte Stimmen, wo am 25. August 2017 ein Gastspiel im Rahmen des HUK Coburg-Open-Air-Sommers geplant ist. Die Söhne Mannheims und vornehmlich ihr prominentestes, gerne auch solistisch auftretendes Mitglied Xavier Naidoo sind Künstler, die mit ihrer Musik und nicht zuletzt mit ihren Texten immer wieder polarisieren.

Die HUK Coburg als Hauptsponsor der Schlossplatz-Open-Airs bezieht unmissverständlich Stellung zu den Söhnen Mannheims und ihrem Song "Marionetten". Auf Nachfrage erklärt Stefan Eichhorn im Namen der Unternehmenskommunikation: "Die Botschaften, die der Song ,Marionetten‘ der Band ,Söhne Mannheims‘ beinhaltet, finden wir als Hauptsponsor des HUK-Coburg Open-Air-Sommers unakzeptabel." Und weiter: "Egal, um welchen Künstler es sich handelt: Wir halten demokratiefeindliche Äußerungen, ganz gleich wo und in welcher Form sie getätigt werden, für widerwärtig."


Einen ausdrücklichen Verzicht auf diesen Song fordere man zwar nicht, Firmensprecher Thomas von Mallinckrodt sagte aber: "Die relativierenden Äußerungen, die die Band dazu von sich gegeben hat, können das nicht aus der Welt schaffen." Und Stefan Eichhorn ergänzte: "Wir würden es begrüßen, wenn die Band diesen Song in Coburg im August nicht spielt. Das werden wir auch dem Veranstalter mitteilen. Wir werden beim Veranstalter auch darauf drängen, dass in Zukunft bei der Auswahl der Musiker für den HUK Coburg Open-Air-Sommer berücksichtigt wird, inwieweit sich die Akteure diskriminierend und tendenziös äußern."


"Appell zum Nachdenken"

Henning Wehland, Sänger der Söhne Mannheims, hatte dagegen am Rande des Tourstarts der Band am Montag gesagt, er verstehe den Song als "Appell zum Nachdenken".


Gaby Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg, der den Open-Air-Sommer ausrichtet, will auch nach gründlicher Beschäftigung mit dem fraglichen Song "Marionetten" kein abschließendes Urteil fällen und verweist darauf, "dass wir einen gültigen Vertrag mit den Künstlern abgeschlossen haben und gar keine Möglichkeit haben, in die Liedauswahl reinzureden". Nur wenn der Titel auf dem Index stünde, würde sich die Situation anders darstellen. "Dass ,Marionetten‘ auf den Index kommt, kann ich mir aber nicht vorstellen", sagt Heyder und betont: "Wir sind ein komplett unpolitischer Veranstalter." Wenn Konzertbesucher mit einem Transparent gegen "Marionetten" protestieren wollten, würde sie das selbstverständlich auch tolerieren.


Klima nicht vergiften

"Als Oberbürgermeister der Stadt Coburg sehe ich das negative Presseecho, das der Song ,Marionetten‘ der Band ,Söhne Mannheims' aktuell macht, mehr als kritisch", erklärt Norbert Tessmer (SPD) auf Nachfrage: "Es darf und kann nicht sein, dass demokratiefeindliche Äußerungen so in der Öffentlichkeit getätigt werden." Coburg lege Wert darauf, "eine tolerante und weltoffene Stadt zu sein, dieses Klima soll nicht durch derartige Aussagen vergiftet werden". Die Stadt Coburg sei nicht Veranstalter dieses Events, aber dennoch werden man "bei der Konzertagentur darum bitten, dass dieser Song nicht in Coburg gespielt wird und dass in Zukunft bei der Auswahl der Musiker darauf geachtet wird".


Treffen mit Mannheimer Stadtspitze

In dem Streit um das Lied "Marionetten" hatten die Band und Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) ein Gespräch vereinbart. Das Treffen sollte am Montagabend stattfinden. Kurz verlangt von der Gruppe Aufklärung zu "antistaatlichen Aussagen". Im Lied "Marionetten" heißt es über Politiker unter anderem: "Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter."

Beide Seiten wollten vor dem Treffen keine Stellungnahme abgeben. Die Musiker und die Stadt sind seit Jahren eng verzahnt. Eine der Initiativen ist die überregionale bekannte Popakademie in Mannheim. jb/dpa
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