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Heldritt
Coburger Sommeroperette

Sie haben ins Herz getroffen

Leo Falls "Der fidele Bauer" war ein Wagnis, die erstmalige Koproduktion mit einer anderen Bühne auch: Es hat sich gelohnt, sagt Adelheid Frankenberger.
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Volkstümliche Charaktere und viel Spaß gibt es noch bis morgen Abend auf der Waldbühne Heldritt. Leo Falls "Der fidele Bauer" hat aber durchaus auch eine unter die Haut gehende Dimension.  Foto: Albert Höchstädter
Volkstümliche Charaktere und viel Spaß gibt es noch bis morgen Abend auf der Waldbühne Heldritt. Leo Falls "Der fidele Bauer" hat aber durchaus auch eine unter die Haut gehende Dimension. Foto: Albert Höchstädter
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"Heinerle, Heinerle, hab kein Geld". Und mag Leo Falls rührendes, unvergängliches Lied über die Not der kleinen Leute noch so sehr auch auf freie künstlerische Unternehmungen zutreffen, ins Herz getroffen hat die Coburger Sommeroperette in diesem Jahr mit Leo Falls "Der fidele Bauer" ganz besonders.

Wenn sich morgen Abend die vielen Mitwirkenden im Schlussbild zum versöhnlichen Glaserl Wein zum letzten Mal in dieser Inszenierung zusammenfinden, dann hofft Adelheid Frankenberger, Vereinsvorsitzende, Geschäftsführerin, Projektleiterin, die 8000er Besuchermarke auf der Waldbühne wieder erreicht zu haben. Doch wurde in der ersten Spielwoche die Kasse durch Kälte und Nässe arg verregnet. Immerhin gibt es heute noch zweimal (14 und 19.30 Uhr) und morgen um 18 Uhr die Gelegenheit zum Ausflug in das stimmungsvolle Waldbühnen-Ambiente, zu Bratwurst und Bier und Wein und was sonst noch zum entspannten Sommerfestival-Besuch dazu gehört. Und vor allem zum "Fidelen Bauern".

Leo Falls lange vernachlässigte Operette spielt gerade in dieser treffenden Koproduktion von Pramtaler Sommeroperette und Heldritt gekonnt zwischen Spaß und Heiterkeit und tief berührendem Hintergrund. "Viele begreifen den Wert dieser Operette erst, wenn sie sie vor Ort erlebt haben", fühlt sich Adelheid Frankenberger durch den allabendlichen, geradezu frenetischen Jubel bestätigt. "Ich sag' ja immer, die Operette schreibt das Leben, und das trifft besonders zu auf den fidelen Bauern."

Künstlerisch hat die erstmalige Zusammenarbeit mit einer anderen Bühne voll getroffen; Claus J. Frankl hatte das in Pram herausgebrachte Stück hier vor Ort entsprechend eingerichtet. "Da war für uns immer noch viel zu tun", sagt Frankenberger, "aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall". Und aufs Wirtschaftliche muss die freie Bühne halt auch im 23. Bühnenjahr weiter intensiv achten. Noch immer sind die Altlasten, die Adelheid Frankenberger vor neun Jahren bei ihrem Amtsantritt übernehmen musste, nicht gänzlich bewältigt. Die Sommeroperette ist auf Sponsoren angewiesen, erst Recht, seit sich die Oberfrankenstiftung zurückgezogen hat. "Dass an manchen Stellen hier in der Region nicht an uns geglaubt wird, kann ich nicht verstehen. Ich bin überzeugt, die Sommeroperette ist ein Gottesgeschenk. Der Einsatz lohnt sich."

Was doch auch die Auszeichnung durch das Fachmagazin "Festspiele" belege, das die Coburger Sommeroperette vor allen anderen deutschen Festivals platzierte. Nur drei österreichische Bühnen wurden als besser bewertet.


Regional und international

Wirtschaftlich umsetzbar sind die ambitionierten Bestrebungen der Coburger Sommeroperette nur aufgrund persönlicher, oftmals freundschaftlicher Beziehungen. "Dann kommen all die hochrangigen Künstler halt zu besonderen Bedingungen zu uns", unterstreicht Frankenberger die Leistung, die ja durchaus als Geschenk an die Region zu bewerten ist.

Etwa 100 Mitwirkende in den unterschiedlichsten Konstellationen hat die Sommeroperette, Laien wie Profis, regional bis international agierende Darsteller: von den etwa 20 Chormitgliedern aus der Region, in der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Tanzstudio Ramona und Dominique Scholz, dem Theater- und Konzertkinderchor (jetzt unter Leitung von Arno Seifert) über viele Ehrenamtliche hinter den Kulissen, bis zu den Professionellen, den mehrheitlich aus Ungarn stammenden hervorragenden Musikern des Orchesters in diesem Jahr unter Leitung von Urs-Michael Theus, und dem mitreißenden Trupp renommierter Darsteller, nicht zu vergessen mit der rundum vielseitig wirkenden Sylvia Luise Denk (der einzigen noch aus dem Ursprungsensemble verbliebenen Mitarbeiterin).

Die Zusammenarbeit mit der jungen oberösterreichischen Bühne soll weitergehen, je nach Stückauswahl. Nächstes Jahr allerdings wird erst mal wieder umfassend in Heldritt produziert: "Die Fledermaus" von Johann Strauss.


Heinz Erhardt zur Matinee

Und morgen Vormittag (11 Uhr) dreht Spielleiter Claus J. Frankl, begleitet von Urs-Michael Theus am Klavier, noch eine Extrarunde - als Komiker und Komponist Heinz Erhardt.
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