Coburg
Gerichtsurteil

Sexueller Missbrauch: Coburger Rentner muss ein Jahr in Haft

Zur einer Freiheitsstrafe von einem Jahr hat Jugendrichterin Susanne Hinz einen 72-jährigen Coburger am Montag verurteilt. Nach drei Verhandlungstagen sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Rentner ein zwölfjähriges Mädchen sexuell missbraucht hat.
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Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. "Ich habe lange überlegt, ob es strafmildernde Umstände gibt, aber ich habe nichts gefunden", so Staatsanwältin Andersch.

Zur Vorgeschichte: Der Angeklagte, der im selben Stadtteil wie das Kind wohnt, näherte sich im Juni dieses Jahres dem Mädchen an, verwickelte das Kind in "nette" Gespräche, machte ihm Komplimente und fragte es aus.Wie das persönliche Umfeld und die Gewohnheiten seien, wollte er wissen, um sich mit ihm zu verabreden. Dieses Vorgehen wertete Staatsanwältin Andersch als besonders perfide: "Er hat sich als der nette Nachbar von nebenan gezeigt und holte sich einen Vertrauensvorschuss."


Mutter reagiert rasch

Es blieb nicht bei den netten Gesprächen: Als der Angeklagte die Zwölfjährige wieder traf, berührte er das Kind erstmals gegen dessen Willen unter dem
T-Shirt, einige Tage später nahm er im Schulbus auf der Rückbank neben dem Mädchen Platz, streichelte ihr über das Gesicht, nahm ihr den Schulranzen vom Schoss und streichelte und berührte sie bis in dem Intimbereich. Das Mädchen war geschockt, vertraute sich aber noch am selben Tag der Oma und später der Mutter an. Noch am Abend erstattete die Mutter Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Beleidigung in Tateinheit des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Am dritten Verhandlungstag bestätigten die Zeugen die Anklagepunkte. Unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit traten auch ein achtjähriger Junge in den Zeugenstand und das zwölfjährige Mädchen.
Trotz der erdrückenden Beweise sah sich der Angeklagte zu Unrecht vor Gericht, in seinem Schlusswort leugnete er die Vorwürfe: "Es wird hier ein Konstrukt gebaut und ich werde in eine Ecke hineinmanöviert, in die ich nicht gehöre." Er unterhalte sich lediglich nett mit Kindern, er sei weder pädophil, noch schaue er sich nach Kindern um, er sei ja selbst Vater von fünf Kindern.

Das Gericht wertete letztlich die Aussagen der Familie und der Zwölfjährigen als absolut glaubhaft. "Die Schilderungen waren neutral, sachlich und ohne Belastungseifer." Es gab laut Richterin Hinz auch keinerlei Widersprüche in den Schilderungen des Mädchen. "Sie hat durchweg konstant ausgesagt und sie hat keinen Grund, sich so was ausdenken", betonte die Richterin.


Keinerlei Einsicht

Ob es zu Spätfolgen komme, könne nicht ausgeschlossen werden. Eine Bewährungsstrafe könnte in diesem Fall nicht verhängt werden, da der Angeklagte keinerlei Einsicht zeige. Eine Bewährungsstrafe mit der Auflage einer Therapie mache eben nur Sinn, wenn der Angeklagte dazu bereit sei.
Erschwerend kam eine einschlägige Vorstrafe hinzu: Der Mann hatte bereits im Jahr 2010 eine 80-jährige Frau sexuell belästigt und dies bestritten.


"Sie haben ein Problem"

Möglicherweise, so die Richterin, habe der Angeklagte seine Strategie geändert und versuche es jetzt bei Kindern. "Sie dürfen sich mit Kindern unterhalten, aber Sie dürfen sie nicht anfassen oder streicheln, hier hört es auf." Richterin Hinz weiter: "Sie haben ein Problem, es ist so auffällig, dass man sich fragen muss, ob es nicht krankhaft ist."
Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. Rechtsanwalt Albrecht von Imhoff sah nämlich Zweifel an den Darstellungen und plädierte auf Freispruch.
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