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Bad Rodach
Verfahren

Schwere Vorwürfe gegen Arzt und Heim in Bad Rodach

Sein Hausarzt und ein Seniorenzentrum aus dem Landkreis sollen den Tod eines 81-Jährigen verschuldet haben, sagen dessen Angehörige. Das Gericht schlägt einen Vergleich vor.
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Ein 81-jähriger Mann kommt wegen einer Fußverletzung nach seinem Krankenhausaufenthalt zur weiteren Betreuung in die Kurzzeitpflege eines Seniorenzentrums in Bad Rodach. Knapp einen Monat später stirbt der Senior aus dem südlichen Landkreis aufgrund von Flüssigkeitsmangel und einem septischen Multiorganversagen. Kurz vorher lassen die besorgten Angehörigen den 81-Jährigen noch in eine andere Einrichtung bringen, die den Notarzt verständigt. Zwei Tage später ist der Mann tot: Die Angehörigen werfen sowohl dem Hausarzt als auch der Senioreneinrichtung vor, den Tod des Seniors verschuldet zu haben, und erheben in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Klage auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe. Nach seiner Verletzung habe sich der Mann erst einmal nicht mehr selbst versorgen können, äußerte sich der Anwalt der Angehörigen, Martin Jensch. Deshalb sei er am 4. November 2010 in das Seniorenheim gebracht worden. Sein Hausarzt habe ihn dort wegen der räumlichen Distanz nicht mehr besucht. Am 9. November dokumentiert die Pflegeeinrichtung erstmalig das Auftreten einer Diarrhoe.

Antibiotische Therapie

Seit seiner Entlassung aus dem Klinikum in Coburg unterzog sich der Patient einer antibiotischen Therapie, erläuterte der Sachverständige Dr. Florian Fuchs, der das internistische Gutachten erstellte. "Dies führt gerade bei älteren immungeschwächten Patienten oft zu einer Disbalance der Darmflora." Der Patient habe massiv angestiegene Nierenwerte gehabt, sagte er. "Um diesen Kreatininwert zu erhalten, muss schon eine Woche lang erheblicher Flüssigkeitsmangel vorgelegen haben." Parallel zum Flüssigkeitsverlust bescheinigte er dem Patienten eine Sepsis: "Wenn der Darm sich drei Wochen lang in einem geschwächten Zustand befindet, gelangen Bakterien ins Blut, die die Organe schädigen." Dies habe zum Tod geführt, erläuterte er. Nur ein rechtzeitiges adäquates Reagieren und eine erhebliche Flüssigkeitszufuhr hätten das noch verhindern können. Aufgrund unzureichender Dokumentation konnte allerdings nicht festgestellt werden, wie viel Flüssigkeit dem Patienten gefehlt habe, sagte er. Aus ärztlicher Sicht seien diese Nachweise in dem Pflegeheim nicht ausreichend geführt, eine Vielzahl von Sachverhalten nicht dokumentiert worden.

Problem nicht erkannt

Bei einer Erkrankung über so einen langen Zeitraum hätte man Ursachenforschung betreiben müssen, ist er überzeugt. Das Pflegepersonal habe pflichtwidrig das Problem nicht erkannt oder ignoriert und keine adäquaten Versorgungsmaßnahmen getroffen. Aus gutachterlicher Sicht liege ein grober Behandlungsfehler vor sei.
Aufgrund der räumlichen Distanz zwischen Hausarztpraxis und der Einrichtung besuchte auch der Hausarzt den Patienten nicht. Stattdessen stellte er dem Mann eine Überweisung an einen anderen Arzt aus - allerdings ohne konkret den Namen eines anderen Hausarztes anzugeben. So schilderte es der Gutachter, der das Ganze ziemlich "unkonventionell" fand: "Das ist so wie: Nach mir die Sintflut", sagte er. Obwohl der Hausarzt sich aus seiner Verantwortung habe winden wollen, seien nach dieser Überweisung vonseiten der hausärztlichen Praxis noch medizinische Leistungen erbracht worden. "Es gibt zwei Beklagte", sagte der Gutachter, "und jeder schiebt dem anderen die Schuld zu. Ich gehe davon aus, dass eine geteilte Verantwortung vorliegt."

Vergleich in niedriger fünfstelliger Höhe

Die Zivilkammer unter Vorsitz des Vizepräsidenten des Landgerichtes, Andreas Bauer, ging von der Rechtsauffassung aus, dass der Hausarzt auf alle Fälle haftbar gemacht werden könne, und regte einen Vergleich in niedriger fünfstelliger Höhe an. Bei der Haftung hinsichtlich des Trägers des Seniorenzentrums sei die Rechtsprechung allerdings nicht ganz so eindeutig, erläuterte Martin Jensch. Um das zu klären, müsse ein Pflegegutachten beantragt werden. Ob sich die Angehörigen dahingehend entscheiden, ließ er offen.

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