Coburg
Urteil

Schulden zwangen Ehepaar zum Betrug

Um sein Eigenheim zu behalten, verkaufte ein verschuldetes Ehepaar das Haus an den Vater des Manns. Die Angeklagten erhielten Bewährungsstrafen.
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Symbolfoto: Archiv
Symbolfoto: Archiv
Eine enorme Schuldenlast drückte ein Ehepaar aus dem Landkreis Haßberge: Für den Bau ihres Eigenheims plus Photovoltaikanlage nahmen sie einen sechsstelligen Geldbetrag bei einem Kreditinstitut auf.
Aufgrund von Problemen mit dem Heizungsbauer, einer daraus resultierenden Gerichtsverhandlung und einer langwierigen Krankheit des Manns wuchsen der Familie, die drei kleine Kinder hat, die Schulden über den Kopf.
Um ihr Haus nicht zu verlieren, verkauften sie es an den Vater des Manns, der im Itzgrund lebt, und beantragten dafür einen Kredit. Da die Kreditwürdigkeit des Vaters allerdings nicht gegeben war, fälschte der Sohn eine Gehaltsbescheinigung und einen Kontoauszug.

Das sagten sowohl der 34-Jährige als auch seine Ehefrau aus. Wegen Betrugs und Urkundenfälschung mussten sich die drei Angeklagten deshalb am Donnerstagvormittag vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Coburg verantworten.

Anfang des Jahres 2012 fingierte der 34-jährige Angeklagte, der als Versicherungsmakler arbeitete, eine Verdienstbescheinigung und gab sie als die Gehaltsabrechnung seines Vaters aus. Außerdem fälschte er einen Kontoauszug. Dieser bescheinigte seinem Vater ein Monatsgehalt von rund 5000 Euro.
Unter diesen Voraussetzungen gewährte die Bank dem Vater ein Darlehen in Höhe von 46 000 Euro. Mit dem Geld bediente das Paar seinen ursprünglichen Kredit für das Eigenheim.

Für die Rückzahlung des gewährten Kredits an den Vater war dann allerdings kein Geld mehr übrig. Als die Bank deshalb das Darlehen im November 2013 kündigte und den Geldbetrag noch am selben Tag fällig stellte, flog alles auf.

Dass der Vater von den Machenschaften seines Sohnes nichts gewusst haben will, glaubten weder Richter Wolfgang Bauer noch Staatsanwältin Ulrike Andersch. Er habe Angst gehabt, dass sein Sohn das Haus verliert, gab der Mann an und nur deshalb mitgemacht: "Aber ich habe mir das ganze Zeug nicht durchgelesen."
Die Post habe er immer gleich an seinen Sohn weitergeleitet. Der 34-jährige, der momentan an der Hochschule Coburg studiert, beteuerte, dass sein Vater ahnungslos gewesen sei. "Die Planung lag bei mir", gab er zu.
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Versicherungsmakler habe er sich die Gehaltsbescheinigung eines arglosen Kunden beschafft, der in gehobener Stellung eine entsprechende Entlohnung erhalten habe: "Diese Lohnabrechnung war perfekt dafür."

Er und seine Frau bereuten ihre Tat. Sie täten alles dafür, der Versicherung den entstandenen Schaden zurück zu zahlen, versicherte der Angeklagte. Auch eine Schuldnerberatungsstelle hätten die beiden aufgesucht. Doch der Druck sei einfach zu groß gewesen, die Schulden seien ihnen über den Kopf gewachsen.
Vor zwei Jahren trat das Paar schon einmal strafrechtlich in Erscheinung und wurde dafür jeweils zu Bewährungsstrafen verurteilt. Im Februar 2014 täuschte der Mann einen Einbruch vor, bei dem ihm diverses Werkzeug und ein Mountainbike gestohlen worden sein sollten.

Seine Ehefrau wurde wegen Betrugs verurteilt: Sie meldete zur selben Zeit wiederholt zu Unrecht Schadensfälle bei Versicherungen, um an Versicherungsleistungen zu kommen. Beide erhielten dafür damals jeweils Freiheitsstrafen zur Bewährung.

Staatsanwältin Ulrike Andersch forderte für den Vater, der "wusste, was er tat und was gespielt wurde" eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten zur Bewährung.

Dem 34-jährigen Sohn bescheinigte sie eine hohe kriminelle Energie. Sie sei anfangs davon ausgegangen, für ihn keine Bewährungsstrafe, sondern eine Freiheitsstrafe zu fordern, sagte sie.



Bemühen erkennbar

Nachdem sie aber erfahren habe, dass der Mann beruflich immer wieder umgesattelt habe, um die Familie von den drückenden Schulden zu befreien, und bemüht sei, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen, halte sie eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für tat- und schuldangemessen.

Nichtsdestotrotz sei der Familienvater "das Gehirn der Operation" gewesen und auch die Höhe des Schadens spreche gegen ihn: "Das sind keine Peanuts." Richter Walter Bauer verurteilte den Vater zu einem Jahr auf Bewährung. Unter Einbeziehung der Bewährungsstrafen von 2014 erhielt das Ehepar jeweils eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die Bauer ebenfalls zur Bewährung aussetzte.

"Der Sachverhalt ist klar", sagte er: "Sie sind einsichtig, geständig und um Wiedergutmachung bemüht." Er würdigte die Notlage der Familie und ihrer drei minderjährigen Kinder.

Trotzdem werde er den beiden einen Bewährungshelfer zur Seite stellen, betonte er: "Bei den finanziellen Verhältnissen, die bei ihnen herrschen und was alles noch werden könnte, ist das zwingend notwendig." Das Urteil ist rechtskräftig.

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