Coburg
Begegnung

Saxofon-Legende und Jung-Star begeistern Coburg

Wie Heinz Sauer und der Pianist Michael Wollny das Publikum beeindrucken: So erleben Musikfans die 4. Coburger Jazz-Nacht rund um den Marktplatz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Tenor-Saxofnist Heinz Sauer und der Painist Michael Wollny eröffneten im Rathaussaal die Coburger Jazznacht. Foto: Jochen Berger
Der Tenor-Saxofnist Heinz Sauer und der Painist Michael Wollny eröffneten im Rathaussaal die Coburger Jazznacht. Foto: Jochen Berger
+23 Bilder
Ein Abend zum Träumen. Augen zu und einfach ganz entspannt vergessen, dass im historischen Coburger Rathaussaal mit seiner dunklen, schwer lastenden Holzdecke ansonsten Politik gemacht, gestritten, polemisiert und abgestimmt wird. Für eine Nacht im Jahr aber wird der Saal zum Konzertsaal mit ganz besonderem Flair. Verschwunden die Tische und Mikrofone, an denen die Stadträte ansonsten Platz nehmen und ihre Stimme erheben.


Eindringlicher Dialog

Stattdessen Stühle im Halbkreis zur Längsseite hin aufgestellt - ausverkaufter Rahmen für das Auftakt-Konzert der 4. Coburger Jazz-Nacht. "Altmeister trifft auf Jazz-Popstar" - unter diesem Motto erlebt das ebenso erwartungsvolle wie begeisterungsfähige Publikum die Begegnung von Jazz-Legende Heinz Sauer und dem pianistischen Hoffnungsträger Michael Wollny.


Zwei Musiker-Generationen trennen Sauer (Jahrgang 1932) und Wollny. Mehr noch. Eigentlich kommen der Tenorsaxofonist und sein Klavierpartner aus sehr unterschiedlichen musikalischen Sphären. "Die junge Generation hat mit Jazz eigentlich nicht viel am Hut", spöttelt Sauer in seiner Begrüßung und zeigt sich dennoch begeistert vom musikalischen Dialog, der zwischen Alt und Jung möglich ist. "Manchmal funktioniert's, manchmal nicht", sagt Sauer mit Selbstironie.


Entdeckungsreise ins Unbekannte

An diesem Abend - vom Publikum begeistert beklatscht - funktioniert es mit faszinierender Selbstverständlichkeit. Sauer und Wollny - zwei Musiker, die ihre ganz eigene künstlerische Sprache gefunden haben und dennoch der Versuchung widerstehen, ausgetretenen Pfaden zu folgen.


Sie riskieren mit größtem Vergnügen die Entdeckungsreise ins Unbekannte, lassen sich immer wieder inspirieren und mitreißen von den künstlerischen Impulsen des musikalischen Partners.


Untrüglicher musikalischer Kompass


Heinz Sauer lässt sein Tenor-Saxofon gerne leicht angeraut klingen, demonstriert aber auch, welches rhythmisches Potenzial in seinem Instrument stecken kann. Vor allem besitzt Sauer einen untrüglichen musikalischen Kompass, der auch bei den scheinbar abenteuerlichsten klanglichen Exkursionen immer wieder Orientierung gibt. Heinz Sauers Musizieren im Zusammenspiel mit Michael Wollny ist wunderbar frei und verliert sich dennoch nie in der Anarchie der unendlich vielen Möglichkeiten. Die Stücke, die Sauer und Wollny spielen, haben - vom Ende her betrachtet - immer eine organische Form, wirken bei allen Kontrasten in sich in Balance gehalten. Sie halten es aus, wenn sich bei Wollny immer wieder mal Momente von Pop-Balladen-Anklängen einschleichen.


Experimentierfreudige Musiker

Denn auch Wollny ist ein unerschrocken experimentierfreudiger Musiker, der den Konzertflügel im Rathaussaal mit leeren Gläsern präpariert, den Klang auf diese Weise gezielt verfremdet und die Saiten flirren und klirren lässt oder effektvoll die Bass-Saiten zupft.


Wer nach den spannenden Ausflügen von Sauer und Wollny Bedürfnis nach eher geradlinier Jazz-Kost haben sollte, ist im Anschluss beim Emminger Hahn Quintett zwei Stockwerke tiefer im Erdgeschoss des Rathauses bestens aufgehoben. Denn Jürgen Hahn (Trompete, Flügelhorn) und Norbert Emminger (Baritonsaxofon) pflegen mit ihren drei Mitstreitern Andreas Feith (E-Piano), Rudi Engel (Bass) und Julian Fau (Schlagzeug) im Ratskeller besten Late-Night-Jazz zwischen New Orleans-anklängen und Hard Bop.


Lebendige Impulse

Mit seinem aktuellen Programm unternimmt das Quintett den Versuch, die Jazz-Geschichte mit Eigenkompositionen neu zu vermessen. Das ist stilistisch abwechslungsreich und vielseitig, letztlich aber doch nicht allzu überraschend. Versiert und routiniert im Zusammenspiel, findet das Quintett rasch Kontakt zum applausfreudig gestimmten Publikum.


Deutlich experimentierfreudiger agiert ums Eck in der Herrngasse bei "Leise am Markt" das Ka Ma Quartett um die Saxofonistin und Bassklarinettistin Katharina Maschmeyer. Das liegt sicher nicht nur daran, dass sich das Quartett für diesen Abend Verstärkung durch den indonesischen Percussionisten Nippy Noya geholt hat, der als einer der bekanntesten Conga-Virtuosen gilt. Denn der Stilmix des Ka Ma Quartetts entsteht aus der Fähigkeit, scheinbar völlig konträre Elemente überraschend schlüssig miteinander zu verbinden.


In ihrer vierten Auflage demonstriert die vom Kulturbüro der Stadt organisierte und von Förderern unterstützte Jazz-Nacht ihre Anziehungskraft, ihre Lebendigkeit. Für ein paar Stunden bringt sie die nächtliche Altstadt rund um den Marktplatz zum Vibrieren - und das in einer Zeit, in der kurz hintereinander zwei traditionsreiche inhabergeführte Geschäfte ihre bevorstehende Schließung angekündigt haben.


Die Coburger Jazz-Nacht - ein quicklebendiger Impuls für die Innenstadt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren