Schottenstein
Aufbruchstimmung

SV Schottenstein ist noch lange nicht am Ende

Bei einer außerordentlichen Versammlung geht es am morgigen Freitag um den Fortbestand des SV Schottenstein (Landkreis Coburg).
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Und wenn es vorübergehend mal nur die Gleußener Herren sind: Auf dem Fußballplatz des SV Schottenstein herrscht immer noch Leben - und Michael Späth will als Vorsitzender alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt. Foto: Berthold Köhler
Und wenn es vorübergehend mal nur die Gleußener Herren sind: Auf dem Fußballplatz des SV Schottenstein herrscht immer noch Leben - und Michael Späth will als Vorsitzender alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt. Foto: Berthold Köhler

Das klingt aber nicht gerade verheißungsvoll. Um "den Fortbestand des Vereins" geht es am morgigen Freitag bei einer außerordentlichen Versammlung, für die der SV Schottenstein um 19.30 Uhr ins Sportheim eingeladen hat. So schreibt es Michael Späth, der Vorsitzende, jedenfalls in der Einladung an die Mitglieder.
Ob die Existenz des Vereins wirklich gefährdet ist, wie es nach der Abmeldung der Herren-Fußballmannschaft ausschaut und dass der SV sehr wohl noch am Leben ist−, erzählt der 2009 in sein Amt gewählte Vorsitzende im Interview mit dem Tageblatt.

Sie wollen am Freitag mit den Mitgliedern über den Fortbestand des Vereins reden - ist der SV denn in Gefahr?
Michael Späth: Ich darf da nicht missverstanden werden: Es geht bei der Versammlung um den Fortbestand des Vereins und nicht um die Auflösung.

Mir wird in diesen Tagen alles zu negativ gesehen. Wir müssen schauen, dass es mit dem SVS weiter geht - auf welche Weise auch immer. Denn der SVS ist noch lange nicht tot.

Wer soll denn am Freitag alles zur Versammlung kommen?
Am besten alle, deren Herz am SVS hängt. Ich weiß: Wir haben Urlaubszeit und in Gleußen ist zeitgleich auch ein Fußballspiel. Aber wer unseren Verein noch nicht abgeschrieben hat, sollte am Freitag vorbei schauen. Wir haben uns im Vorstand Gedanken über Ideen gemacht, die wir gemeinsam weiter entwickeln können.

Für Außenstehende kam die Abmeldung der Herren-Fußballmannschaft sehr plötzlich. Für den Vorsitzenden auch?
Es war ein langes Procedere, das letztlich dazu geführt hat, dass wir die Mannschaft zurückgezogen haben.

Wer sich mit Vorsitzenden anderer Vereine in unserer Größenordnung unterhält, weiß: Bei vielen hängt die Existenz der Fußballmannschaft am seidenen Faden. Bei uns war es in den vergangenen fünf, sechs Jahren abzusehen, dass wir in Schwierigkeiten geraten werden, weil einfach zu wenige Jugendliche nachkommen. Ich bin 1999 dem SV beigetreten: Damals hatten wir 63 Jugendliche, heute keine 20 mehr. Das sagt doch schon viel.

Worauf führen Sie diese Entwicklung, bei der der SV Schottenstein in der Region gewiss nicht alleine da steht, zurück?
Der demografische Wandel, die zahlreichen Alternativen zum klassischen Vereinssport - es gibt viele Gründe für diesen Trend. Zudem schöpfen die großen und leistungsstarken Vereine aus der Region die talentierten Jugendlichen immer früher ab.

Ich kann dies aus deren Sicht verstehen, aber uns kleinen Vereinen tun solche frühen Verluste sehr weh. Aber das ist eine Entwicklung, die kaum mehr zu stoppen sein wird.

Aber die Fußballer des SV Schottenstein waren doch zuletzt sehr erfolgreich? Sie haben immerhin in der Kreisliga gespielt...
Was unsere Fußballabteilung trotz der fehlenden Jugendlichen immerhin ein paar Jahre über die Zeit gerettet hat. Hätten wir diese erfolgreiche Phase nicht gehabt, wären die Probleme schon früher aufgetreten.

Erfolge, die dem Verein - glaubt man zumindest vermeintlichen "Insidern" - auch ganz schön Geld gekostet haben...
Das muss ich schon einmal klarstellen: Von Vereinsseite haben wir, auch dank unserer aufmerksamen und sparsamen Kassiererin, kein Geld bezahlt. Deshalb hat der SV Schottenstein auch keine finanziellen Probleme.

Ich will deshalb diese erfolgreiche Zeit auch nicht schlecht reden. Bei dem, was da gelaufen ist, steckte ein Haufen Idealismus drin - aber kein Geld des SVS.

Aber die Fußballmannschaft ist inzwischen Geschichte. Wie geht es mit dem gesamten Verein weiter?
Es ist ja nicht so, dass der SVS nur durch die Fußballer gelebt hat. Die Altherrenmannschaft ist noch da und wir haben eine Laufgruppe, bei der es momentan sehr gut läuft. Da bin ich unglaublich stolz darauf. Wir müssen jetzt zeigen, dass es - zumindest vorerst - im Verein ein Leben nach dem Fußball gibt.

Ein Leben, in dem sich auch genügend Menschen im Verein engagieren?
Leute, die sich verantwortlich fühlen, kann es nie genug geben. Wir sind im Vorstand ein harter Kern von sechs, acht Leuten, die immer da sind. Auch bei der Kirchweih finden sich immer noch genug Helfer.

Wenn da künftig alles so bleibt, wie es derzeit ist, dann ist das schon okay. Wir sind immer noch in der Lage, fünf Tage Kirchweihprogramm zu bewältigen. Dazu gehört der Kirchweihlauf: Die vielen Läufer, die da an den Start gehen, loben immer die Organisation und die schöne Strecke.

Wird es irgendwann noch einmal eine Fußballmannschaft beim SV Schottenstein geben?
Wir haben fest vor, eine Damenmannschaft ins Rennen zu schicken. Und wenn ich nicht mehr an eine aktive Fußballabteilung glauben würde, dann wäre ich hier der falsche Mann. Ich träume immer von der "Aktion Storchennest": Dass Fußballer, die aus Schottenstein stammen und inzwischen woanders spielen, wieder in ihren "Heimat-Horst" zurück kehren und etwas aufbauen wollen. Ich habe zuletzt viele gute Gespräche geführt, aber ganz gereicht hat es halt nicht.

Aber ich bin überzeugt: Wenn es uns vom Verein aus gelingt, die richtigen Signale zu senden, dann hat auch der Fußballsport bei uns eine Zukunft.
Das Gespräch führte
Berthold Köhler

 


Da ist noch jede Menge los beim SV Schottenstein

Kerwalauf: Der genehmigte DLV-Volkslauf findet am Samstag, 24. September, statt. Start und Ziel ist das Sportgelände des SV Schottenstein. Startzeiten sind - 14 Uhr: Bambinilauf; 14.15 Uhr: Schülerlauf A (zwei Kilometer) und Schülerlauf B (ein Kilometer); 14.45 Uhr: Hauptlauf (10,2 Kilometer), Hobbylauf (5 Kilometer), Nordic Walking (6,5 Kilometer). In diesem Jahr gibt es erstmals eine Familienwertung: Ab drei Personen im Ziel gibt es für die Familie einen Verzehrgutschein über fünf Euro.

Kontakt: Der SV Schottenstein im Internet: www.sv-schottenstein.de

Kerwa: Das Festprogramm der Schottensteiner Kirchweih dauert heuer vom Donnerstag, 22., bis Montag, 26. September. Sämtliche Veranstaltungen finden im Festzelt auf dem Gelände vor dem Sportheim statt.

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