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Rödental
Ruhestand

Rödentals früherer Bürgermeister mischt noch mit

Gerhard Preß ist weiter politisch aktiv - nur anders. Für den Ehrenbürger der Stadt Rödental und Ex-Bürgermeister steht die Familie an erster Stelle.
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Ein eingespieltes Team: Gerhard Preß und sein Enkel Julius bei der Gartenarbeit  Foto: Christiane Lehmann
Ein eingespieltes Team: Gerhard Preß und sein Enkel Julius bei der Gartenarbeit Foto: Christiane Lehmann
Er hat sich seinen Jugendtraum erfüllt: ein Porsche 911. Die Millenium-Ausgabe hat er sich geleistet. Wobei sich Gerhard Preß die ersten Monate nach seiner Verabschiedung (zum 1. Mai 2014) als Bürgermeister der Stadt Rödental sicher anders vorgestellt hatte. Über ein halbes Jahr lang fuhr er jeden Tag nach Erlangen in die Uni-Klinik, in der seine Frau behandelt werden musste.

Mittlerweile sprüht Ilse Preß wieder vor Lebensfreude und im Rückblick auf das erste Jahr, in dem ihr Mann "seine Freiheit" vom Amt den Umständen entsprechend genießen konnte, kommen ihr viele schöne gemeinsame Erlebnisse in den Sinn. Dass sie ihre Krankheit ohne ihren Mann an ihrer Seite so nicht gepackt hätte, sagt sie ganz offen. Gerhard Preß war da - am Krankenbett, in der Reha, im Urlaub, daheim im Garten.

Das Reisen und die Gartenarbeit sind es auch, die er sofort mit einem zufriedenen Lächeln benennt, wenn er nach seiner liebsten Freizeitbeschäftigung gefragt wird. Stopp. So ganz stimmt das dann doch nicht. Denn nach wie vor ist Gerhard Preß natürlich der Opa von Julius. Ganz wichtig. "Wir verstehen uns super", sind sie sich einig. Und es ist ganz klar, dass Julius mit aufs Foto geht, wenn eins für die Zeitung gemacht wird. Da nimmt er sogar mal die Hacke in die Hand, während Opa gießt.

Jeden Morgen um fünf steht der langjährige Bürgermeister auf - schwimmt nicht mehr wie einst - sondern greift zum Wasserschlauch. Mit Schrecken denkt Ilse an die Wasserabrechnung. "Aber was sein muss, muss sein", sagt der Herr des Gartens.

50 Jahre verheiratet

Die Welt bereisen - ob Österreich, Türkei oder Südafrika und Namibia - für Gerhard und Ilse Preß ist das Entspannung und auch ein bisschen Luxus, den sie sich jetzt leisten können. Zeit miteinander hatten die beiden nämlich in den vergangenen Jahrzehnten eher wenig. Oft genug beklagte das seine Frau, die sich sehr auf den Ruhestand gefreut hatte. 50 Jahre sind die beiden im September verheiratet. Auch da wird verreist - natürlich mit Julius. "Die Freiheit ist schon schön", ist sich der 67-Jährige bewusst.

Gelassen sieht er dem Herbst entgegen: Er muss keine 16 Bürgerversammlungen besuchen, keine 30 Weihnachtsfeiern. Sieben Kilo hat der "Ruheständler" abgenommen - "sicherlich auch, weil ich nicht mehr so viel Stress und Häppchen habe".

Die Politik spielt für den Ehrenbürger Gerhard Preß immer noch eine große Rolle. Auf kommunaler, Landes- und Bundesebene ist er ein gefragter Mann, hält Verbindungen aufrecht, pflegt Kontakte - wie man es von ihm kennt. Seine Tochter Trixi sitzt für die CSU im Rödentaler Stadtrat. "Wir diskutieren viel und ab und zu holt sie sich auch schon manchmal einen väterlichen Rat."

Im Haupt- und im Strukturausschuss der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU Bayern diskutiert er Gesetzesentwürfe, auf Bundesebene geht's unter anderem um Verkehrsprojekte. "Neulich saß er mit Wolfgang Schäuble zusammen", sagt Ilse Preß. Um die Erbschaftssteuer sei es gegangen und die Griechenlandfrage. "Er hat alles genau erklärt. Ein toller Mann", schwärmt Preß.

Aus seinen guten Beziehungen zur Staatskanzlei in München hatte Preß nie ein Geheimnis gemacht. Das ist auch jetzt noch so. Erst neulich war das Ehepaar Preß beim amerikanischen Generalkonsul eingeladen.

Einmal Politiker, immer Politiker

Bis Anfang 2017 bleibt Gerhard Preß der Arbeitgebervertreter im kommunalpolitischen Unfallversicherungsverband, der Pflichtversicherung für alle Schüler und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Da kommen schon ein paar ehrenamtliche Stunden zusammen, meint er grinsend. Doch es macht ihm auch sichtlich Spaß, wenngleich die Entscheidungen, um die es im Widerspruchsausschuss geht, oftmals schwierig und nervenaufreibend seien.
Und wie sieht der politische Weitdenker die aktuellen Probleme im Hinblick auf den Bau eines neuen Verkehrslandeplatzes? "Ich bin sicher, der kommt", sagt Preß. Aber bis alles rechtlich abgeklärt und auf den Weg gebracht sei, werde es wohl 2018/19 werden. Und ob es dann nicht doch Flugzeuge gibt, die ganz andere Ansprüche an einen Landeplatz stellen als heutzutage, sei zumindest vorstellbar.

Fehlt Gerhard Preß denn so gar nichts? Ist er tatsächlich rundum glücklich? "Naja, ganz ehrlich, ich vermisse den Kontakt mit den Bürgern", gibt er zu. Aber wenn er ins Städtchen geht, trifft er "Gott und die Welt". Das genießt er dann.

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