Rödental
Hilfe

Rettung für einen kleinen Ukrainer im Coburger Land

Der Verein Tschernobyl-Kinderhilfe holte 20 Kinder aus der Ukraine zur Erholung ins Coburger Land. Einer von ihnen ist Maksym, der mit einer gefährlich infizierten Wunde ankam.
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Dieter Wolf mit dem neunjährigen Maksym, der bei seinem Besuch in Deutschland operiert werden konnte. Hilfe, die ihm wohl das Leben gerettet hat. Foto: Rainer Lutz
Dieter Wolf mit dem neunjährigen Maksym, der bei seinem Besuch in Deutschland operiert werden konnte. Hilfe, die ihm wohl das Leben gerettet hat. Foto: Rainer Lutz
Maksym wird den Besuch in Deutschland wohl nicht vergessen, so lange er lebt. Denn dass er lebt, verdankt er den fünf Wochen im Coburger Land, die ihm die Tschernobyl-Kinderhilfe Neustadt geschenkt hat. Gemeinsam mit 19 anderen Kindern aus der Katastrophenregion von Tschernobyl gehört der Neunjährige zur diesjährigen Gruppe, die zur Erholung ins Pfadfinderheim in Fornbach geholt wurde.

Schon am ersten Tag, vor fast drei Wochen, fiel einer Mitarbeiterin des Vereins Tschernobyl-Kinderhilfe auf, dass Maksym seine Hand versteckt. Auf Nachfrage zeigt er einen einfachen Verband. Als die Betreuer die Binde vom Finger nehmen, sind sie schockiert. "Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen", sagt Dieter Wolf, der Vorsitzende des Vereins, der in diesem Jahr zum sechzehnten Mal Kinder aus der verstrahlten Region der Ukraine nach Deutschland geholt hat.

Kaum zwei Stunden nach seiner Ankunft ist Maksym daher auf dem Weg ins Krankenhaus. Dort sind die Ärzte nicht weniger entsetzt als zuvor Wolf und die Betreuerinnen des Vereins. Wolf muss sich mit dem Gedanken beschäftigen, dass einem der Kinder, die ihm anvertraut sind, der Arm amputiert werden muss, um sein Leben zu retten. Infektion und Blutvergiftung geben Anlass zu größter Sorge. Für die Ärzte ist klar: Unbehandelt wäre diese Verletzung lebensbedrohlich. Sie operieren den Jungen sofort. "In der Ukraine wäre niemand mit dem Kind deswegen zu einem Arzt gegangen, und wenn, dann zu spät", ist Wolf überzeugt.

Wenig später wird eine weitere Operation notwendig. Wolf muss die nötigen Papiere und die Einwilligung beider Elternteile aus der Ukraine beschaffen. Formulare werden gescannt und per E-Mail an die Schule in Maksyms Heimatort geschickt. Die Schulleiterin druckt sie aus, lässt sie von den Eltern ausfüllen und unterschreiben. Per Fax landen sie wieder in Deutschland. Die Formalitäten mit der Versicherung, die für jedes Kind vor dem Besuch abgeschlossen wird, müssen abgewickelt werden. Dieter Wolf ist im Stress - zumal ihm wichtige Helfer für die Arbeit in Fornbach weggefallen sind.

Doch am Ende ist es positiver Stress. Nach einer Woche machen die Ärzte Hoffnung. Der Arm ist gerettet, die Hand wohl auch. Mit viel Glück wird Maksym auch seinen Finger behalten können. Der Bub hat viel Glück. Inzwischen muss Dieter Wolf nur noch regelmäßig mit ihm ins Krankenhaus fahren, damit der Verband erneuert und der Finger begutachtet wird.

Die Eltern in der Ukraine sind überglücklich. "Die Mutter hat sich entschuldigt, dass sie den Jungen trotz der Verletzung mitgeschickt hat", sagt Wolf. Dabei war es das größte Glück, dass sie ihm die Reise erlaubt hat, auf die er sich so gefreut hatte.
Großes Lob findet Dieter Wolf für die Behandlung im Coburger Klinikum. "Die Ärzte haben sich alle Mühe gegeben, dem Jungen die Hand und den Finger zu retten", sagt er. Bei all dem Stress und allen Sorgen, die ihm die Arbeit mit der Kinderhilfe manchmal bereitet, sind es Momente wie die mit Maksyms Rettung, die Wolf immer wieder weiter machen lassen. Er lächelt und legt den Arm um den Jungen, der in knapp zwei Wochen in seine Heimat zurückkehren wird.

Helfer, die bereit sind, kräftig zuzupacken, könnte der Verein übrigens gut gebrauchen.
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