Rödental
Demenz

Remental in Rödental braucht Unterstützung

Der Verein Remental unterstützt in Rödental Betroffene und Angehörige. Mit dem Projekt "Franken helfen Franken" möchte unsere Zeitung dabei helfen, dass die Betreuungsgruppe von Remental in neue größere Räume umziehen kann.
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Heike Beutnagel kümmert sich um eine Besucherin der Betreuungsgruppe bei Remental.  Foto: Rainer Lutz
Heike Beutnagel kümmert sich um eine Besucherin der Betreuungsgruppe bei Remental. Foto: Rainer Lutz
"Altwerden", so sagt es ein Buchtitel, "ist nichts für Feiglinge". Was viele am Ende eines langen Lebens fürchten, ist nicht die Zahl der Jahre. Sie fürchten die Demenz. Wenn der Geist nachlässt, ein Mensch, der lange voll im Leben stand, hilflos wird wie ein zweijähriges Kind, dann sind die Angehörigen oft überfordert. Der Verein Remental in Rödental wurde gegründet, um in solchen Fällen zu helfen. In seiner Betreuungsgruppe finden an Demenz Erkrankte Geborgenheit.
"Unser Verein wurde aus der Not geboren", sagt Vorsitzende Heike Beutnagel. Die Not entstand 2009. Damals wurde eine private Betreuungseinrichtung für von Demenz Betroffene in Rödental aufgegeben. Angehörige von Erkrankten suchten nach einer Lösung und fanden sie in ihrer eigenen Initiative. Seither werden Menschen mit unterschiedlich stark ausgeprägter Demenz in einer dafür angemieteten Wohnung umsorgt.
Täglich von 9 bis 17 Uhr kümmern sich ehrenamtliche Kräfte um die Gäste des Vereins. "Wir sind auch an den Feiertagen da. Demenz kennt keine Ferien", sagt Heike Beutnagel entschlossen. Doch nur mit Ehrenamtlichen ist die Betreuung nicht zu leisten. Daher arbeitet Remental mit dem privaten Pflegedienst Elan Vital zusammen. "Wenn es beispielsweise darum geht, dass Medikamente verabreicht werden, dann darf das nur der Pflegedienst", erklärt die Remental-Vorsitzende.
Für die Gäste - Heike Beutnagel spricht nicht etwa von Patienten - bietet die Betreuungsgruppe eine ruhige Umgebung. In einem Raum spielt Pflegerin Grazyna Popella mit einer Besucherin Mensch ärgere dich nicht. Eine andere sitzt daneben und liest, während die Pflegerin ihre Hand hält. Eine weitere Besucherin hat es sich in einem Liegesessel bequem gemacht und hält ein Schläfchen. Die ganze Atmosphäre strahlt sanfte Geborgenheit aus.
Das Mittagessen ist schon vorüber. Vorher war es nicht ganz so still. "Wir legen Wert darauf, die Hausarbeit selbst zu machen", erklärt Heike Beutnagel. Ihre Erfahrung ist, dass gerade solche Tätigkeiten wie Kochen bei an Demenz Erkrankten Erinnerungen wecken. Plötzlich können Arbeiten wie Bügeln oder Tätigkeiten in der Küche wieder tadellos ausgeführt werden. Eine ähnliche Wirkung erfährt die Betreuerin mit Musik. Eine angespielte Melodie lässt Heike Beutnagels Gäste oft mitsummen und nicht selten erinnern sie sich sogar an ganze Texte aus lange zurückliegenden Kindertagen.
Die Wohnumgebung enthält bewusst Elemente, die vielleicht in den 50er oder 60er Jahren in deutschen Wohnzimmern und Küchen standen. Gerade das scheint eine positive Wirkung bei den Menschen mit Demenz zu erreichen.

Umzug steht bevor

Heike Beutnagel freut sich riesig, dass der Verein bald in neue Räume umziehen kann. Ab Mitte Januar soll die Betreuungsgruppe im Haus Schlesierstraße 16 untergebracht sein. Schon jetzt hat Remental enge Kontakte dorthin, wo in den vergangenen Jahren das Modellprojekt "Wohnen in allen Lebensphasen" in Häusern der Wohnbau immer weiter ausgebaut wurde. Dort gibt es ein Quartiersmanagement und auch der Verein Lebenshilfe hat dort seinen Sitz. Mit Gemeinschaftsräumen, behindertengerechtem Ausbau und dem bereits engen Kontakt zu den dort etablierten Einrichtungen ist der neue Standort für Heike Beutnagel ein echter Glücksfall.
"Wir haben das Forum Schlesierstraße gegründet", sagt sie. In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten am Seniorenwohnkonzept werden Infonachmittage organisiert oder gemeinsam Feste gefeiert. Außerdem trifft sich dort die Harfengruppe, die Heike Beutnagel ins Leben gerufen hat. "Jeder kann bei uns mitmachen", betont sie. Die Altersspanne in der Gruppe reicht von Anfang 20 bis Ende 80. Und alle lernen das Spiel auf der Tischharfe.
Und damit ist Heike Beutnagel auch schon wieder bei ihrer Arbeit für Remental. "Ich setze die Harfe auch hier zur Gruppenarbeit ein", erklärt sie begeistert. "Der sanfte Ton der Harfe spricht die Demenz-Betroffenen an."
Der kleine Verein mit seinen zurzeit 19 Mitgliedern und einem bescheidenen Jahresbeitrag von 30 Euro, kann finanziell keine großen Sprünge machen. So wird der Umzug in die neuen Räume zum finanziellen Kraftakt. "Wir haben dort einen schönen Garten mit großen Bäumen drin. Aber für die Gestaltung haben wir im Moment leider gar kein Geld übrig", sagt sie. Es müssen geeignete Wege angelegt und Sitzplätze geschaffen werden. Die Finanzierung für die Terrasse und einen Sonnenschutz der Fenster an der Südseite des Gebäudes steht auch noch nicht.
Die Wohnbau unterstütze den Verein zwar nach Kräften. Doch wenn es etwa darum geht, die Küche so auszustatten, dass optimal mit den an Demenz erkrankten Gästen gearbeitet werden kann, dann muss einfach mehr Geld in die Hand genommen werden als für eine gewöhnliche Einrichtung. "Ohne die Unterstützung der Stadt, des Landkreises und eben der Wohnbau wäre das Projekt gar nicht möglich", lobt Heike Beutnagel, die in der Arbeit mit den Demenz-Betroffenen aufgeht: "Es kommt so viel zurück. Ich habe einfach gemerkt, das ist meins, das will ich machen."


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