Coburg

Rekordverdächtig: 48 Jahre im Dienst der Stadt

Evelin Trunzer arbeitete 48 Jahre lang im Passamt der Stadt Coburg - und hat es keinen Tag bereut.
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Evelin TrunzerFoto: Christiane Lehmann
Evelin TrunzerFoto: Christiane Lehmann

Die Menschen fehlen ihr schon jetzt. Die "vielen netten, lieben Menschen", mit denen sie tagein, tagaus seit 48 Jahren zu tun hatte. Evel Trunzer ist seit Anfang des Jahres im Ruhestand. Nach fast einem halben Jahrhundert ging in der Melde- und Passbehörde des Einwohneramtes der Stadt Coburg eine Ära zu Ende. "Eine rekordverdächtige Marke", fand auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer, der die gebürtige Coburgerin persönlich verabschiedete.
 


Warteschlangen


Mit 14 Jahren begann sie ihre Ausbildung als Anfangsstenotypistin. Vier Wochen arbeitete sie im Ordnungsamt, wechselte aber dann - mittlerweile 15 Jahre alt, ins Passamt, zu dem damals noch die Ausländerstelle gehörte. An die Welle der ersten Gastarbeiter - vorwiegend Italiener und Jugoslawen - kann sie sich noch gut erinnern. Auch an die langen Schlangen, die zuweilen anstanden, da es eben etwas länger dauerte bis ein Pass mit der Schreibmaschine beschrieben war.

 


Immer Vollzeit gearbeitet

"Ich hätte die Stelle öfters mal wechseln können und vielleicht woanders auch etwas mehr verdient", sagt sie, aber das kam für Evelin Trunzer nicht in Frage. Ihr habe die Arbeit richtig Spaß gemacht. Als ihr Sohn auf die Welt kam, pausierte sie gerade mal sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Damals gab es eben noch keine Elternzeit. "Und wer nicht gleich wieder zu arbeiten angefangen hat, war weg vom Fenster", erinnert sie sich. Gut, dass es eine Oma gab, die auf den Sohnemann aufgepasst hat.


Dass es den jungen Müttern mittlerweile etwas leichter gemacht wird, findet Evelin Trunzer gut. Selbst zweifache Oma sieht es durchaus positiv, dass Mütter oder auch Väter zu Hause bleiben können, wenn die Kinder krank sind.

 

 


Am Samstag aufgeschlossen

Bereut hat die agile Frau ihren Vollzeitjob nie. "Es war gut so. Ich habe alles unter einen Hut gebracht." Auch, wenn samstags mal ein Anruf kam, dass jemand dringend seinen Pass gebraucht hat, war es selbstverständlich für sie, das Passamt aufzuschließen und den Pass auszuhändigen. "Das kam öfters im Monat vor, vor allem, wenn jemand dringend geschäftlich verreisen musste."

 

 

 


Stolz auf den ersten Pass


Eine schöne Erinnerung hat sie an Jugendlichem, die ihren ersten Pass mit 16 Jahren beantragten. Anders als heutzutage, wurde ein Personalausweis erst ab 16 ausgestellt. Die Mädchen und Jungen waren dann oft ganz stolz, ihren ersten Pass in Händen zu halten.


Eher ein Ärgernis: die Einführung der biometrischen Fotos. "Es gibt eigentlich niemanden, der sich auf diesen nüchternen Fotos gefällt," sagt sie. Und manchmal kam es auch vor, dass Antragsteller zurückgeschickt werden mussten, weil die Porträts nicht den Vorschriften entsprachen. "Aber das war hat unsere Pflicht!"


Zur Kür gehörte es für die freundliche Frau, den älteren Menschen zuzuhören, die manchmal nur vorbei kamen, um ihr Herz auszuschütten. "Die haben sich dann hingesetzt und einfach ein bisschen erzählt. Wir waren ja da."
Nicht mehr täglich ins Amt zu gehen, ist schon ein Umstellung. Doch langweilig wird es der 63-Jährigen daheim nicht. Sie möchte zunächst einmal ihre hinzugewonnene Freizeit auskosten: "In Zukunft genieße ich die Zeit mit meinem Mann, der bereits seit anderthalb Jahren im Ruhestand ist." Und mit ihre Enkelkindern und in ihrem Garten. Die Ehrenamtsbörse der Stadt wird wohl noch etwas auf sie warten müssen.

 

 

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