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Coburg
Genossenschaftsbanken

Reine Renditejäger unerwünscht

Wer als Mitglied keine Geschäftsbeziehung zu seiner Bank unterhält, kann ausgeschlossen werden. Die Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund will von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Andere VR-Banken im Raum Coburg geben sich zurückhaltender.
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Rund 47000 Mitglieder haben die drei Volks- und Raiffeisenbanken, die im Raum Coburg tätig sind.  Foto: Simone Bastian
Rund 47000 Mitglieder haben die drei Volks- und Raiffeisenbanken, die im Raum Coburg tätig sind. Foto: Simone Bastian
Thomas Lang, Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund, hat es angekündigt: Von Mitgliedern, die mit ihrer Bank keine Geschäfte machen, will die Genossenschaft sich trennen. "Unser Hintergedanke ist der, dass nur der eine Dividende bekommt, der unsere Bank auch nutzt", erläutert Lang. Denn die VR-Bank Coburg-Lichtenfels schüttet in diesem Jahr vier Prozent aus. Das ist zwar nicht viel - ein Genossenschaftsanteil kostet 150 Euro, und maximal vier Anteile kann ein Mitglied zeichnen. Die Maximaldividende beträgt also 24 Euro. Aber es geht auch ums Prinzip: "Warum sollte jemand vom Geschäftsbetrieb profitieren, der nichts dazu beiträgt?", fragt Florian Ernst, Pressesprecher des Genossenschaftsverbands Bayern.

Deshalb will Thomas Lang allen inaktiven Mitgliedern nahelegen, die Geschäftsangebote der Bank zu nutzen, sei es ein Girokonto, eine Geldanlage oder eine Versicherung. Der Ausschluss komme erst dann in Frage, wenn einer dieser Einladung partout nicht nachkommt, versichert er. Auf Gewerbefreiheit kann sich ein solches inaktives Mitglied nicht berufen: Wer der Genossenschaft beitritt, akzeptiert auch deren Satzung. Da heißt es in Paragraf 9f: "Ein Mitglied kann ausgeschlossen werden, wenn sich sein Verhalten mit den Belangen der Genossenschaft nicht vereinbaren lässt, insbesondere, wenn es den Geschäftsbetrieb nicht mehr nutzt."

Zahlreiche Ausschlussgründe

Es gibt auch andere Ausschlussgründe, zum Beispiel ein Verhalten, das der Genossenschaft schadet, oder wenn Kredite nicht mehr bedient werden, erläutert Christian Senff, Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Ebern. Deshalb habe es auch immer wieder Ausschlüsse von Mitgliedern gegeben. Die Haltung seines Lichtenfelser Kollegen Lang findet Senff mehr als verständlich: "Jedes Mitglied kann zum Vertreter gewählt werden und bestimmt dann die Geschäftspolitik mit. Wenn das jemand ist, der sich nicht in der Bank engagiert, hat das keinen Sinn." Oder, kurz gesagt: Genossenschaftsanteile sind nichts für reine Renditejäger.

Bank hat Aufwand

Was die Rendite angeht, haben die meisten Genossenschaftsbanken ohnehin einige Grenzen gesetzt: Fast alle deckeln die Zahl der Anteile, die ein Mitglied halten kann. Die Lichtenfelser erlauben bis zu vier Geschäftsanteile zu je 150 Euro; bei der VR-Bank Ebern und der VR-Bank Coburg-Rennsteig ist ein Geschäftsanteil 260 Euro wert, und ein Mitglied kann maximal zehn zeichnen.

Ebern gewährte für das Jahr 2014 eine Dividende von 3,5 Prozent. Ein Genosse mit zehn Geschäftsanteilen hat somit 91 Euro Rendite. Die Coburger Vertreterversammlung beschloss vier Prozent, also maximal 104 Euro.
Wer einer Genossenschaft beitritt, sollte ohnehin andere Ziele verfolgen als seine persönliche Renditemaximierung, findet Christian Senff. "Wir wollen ja auch hier für die Region etwas tun." Die Genossenschaftsbanken unterstützen Vereine und Kulturangebote, gibt Senff zu bedenken. Das setze voraus, dass auch Geld verdient wird.

Freilich: Öffentlich mit dem Ausschluss drohen wie Thomas Lang will Senff nicht. Aber auch in Ebern werden inaktive Mitglieder in Gesprächen darauf hingewiesen, dass sie doch bitte auch eine Geschäftsbeziehung zu ihrer Bank eingehen mögen.

Für Karlheinz Kipke, Vorstand der VR-Bank Coburg-Rennsteig, ist das kein Thema: "Wir haben keinen hohen Anteil inaktiver Mitglieder, und deshalb haben wir darüber noch nicht nachgedacht." Das Coburger Institut ist mit seinen rund 27 600 Mitgliedern die stärkste Genossenschaft der drei befragten. Die VR-Bank Lichtenfels-Itzgrund hat 11 031 Mitglieder, die VR-Bank Ebern 8868. Die Betreuung der Genossen bedeute für die Banken einen erheblichen Aufwand, erläutert Kipke. "Für jedes Mitglied wird ein Konto geführt." Wenn die Anteile nur wenig wert seien, sei der Aufwand überproportional hoch.

Einen schnellen Rausschmiss aus der Genossenschaft muss kein Mitglied befürchten. Wer ausgeschlossen werden soll, kann sich schriftlich äußern. Wenn ein Mitglied, egal aus welchem Grund, die Genossenschaft verlässt, muss die Bank die Anteile zurücknehmen. Auch Thomas Lang will die Einzelfälle prüfen - manchmal gibt es ja auch Gründe, warum jemand kein Konto hat. Die räumliche Entfernung sei in Zeiten von Online-Banking jedoch keiner, meint Christian Senff.

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