Coburg
Aufklärung

Projekt in Coburg: Rote Hand gegen Belästigung

Insgesamt 39 Projekte präsentieren die Studierenden am Dienstag an der Hochschule. Eins informiert, was jeder gegen sexuelle Belästigung tun kann.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gruppenleiter Nando Petri nimmt beim Stationenlauf an der "Roten Hand" Verän derungswünsche entgegen. Foto: privat
Gruppenleiter Nando Petri nimmt beim Stationenlauf an der "Roten Hand" Verän derungswünsche entgegen. Foto: privat
+1 Bild
Sexuelle Belästigung findet überall statt. "Ich habe selbst ab und an mit studentischen Klientinnen zu tun, die sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind", berichtet Karin Burkhardt-Zesewitz, Therapeutin im Frauenhaus Coburg. Diese Vorfälle müssen nicht an der Hochschule selbst vorfallen. Dort scheint es sogar relativ wenig Belästigung zu geben, wie eine Studie von Studierenden aus dem Jahr 2015 ergab. Demnach gab es bislang lediglich einzelne gravierende Fälle, wobei die Betroffenen auch dazu tendierten, die Geschehnisse herunterzuspielen und zu bagatellisieren.


Frauenbeauftrage dabei

Deshalb hat sich nun erneut eine Projektgruppe des Themas angenommen. Sechs Frauen - Ariadna Bascunana, Jasmin Hildner, Maria Langguth, Tiana Oertel, stellvertretende Gruppenleiterin Sandra Rogler sowie Maria Schneider - und Gruppenleier Nando Petri wollten informieren, aufklären und Tipps geben, wie sich Betroffene zur Wehr setzen und wo sie Hilfe finden können. Ursprünglich hatten sie für ihr Projekt eine Vortragsreihe mit externen Partnern geplant, jedoch müssen Studenten "genug Vorträge" hören, wie Petri sagt. Deshalb entwickelte die Gruppe einen Stationenlauf unter dem Namen "Sexuelle Belästigung an der Hochschule Coburg - was tun?"

Das endgültige Konzept mit Budgetplan legten sie der Frauenbeauftragten der Hochschule, Claudia Lohrenscheit, vor. Begeistert willigte sie ein, das Projekt zu finanzieren.

"Das Geld wurde hauptsächlich für Flyer und Plakate verwendet, die wir drucken lassen mussten", erzählt Gruppenleiter Petri. "Außerdem haben wir noch einen großen Pappaufsteller mit unserer ,Roten Hand‘ drucken lassen. Das war alles sehr kostspielig." Lohrenscheit schlug des Weiteren vor, den Stationenlauf auf den "Gender and Diversity"-Tag zu legen, der einmal jährlich von der Frauenbeauftragten im Rahmen der Woche der Menschenrechte organisiert wird.


Stationenlauf

Fünf der insgesamt sechs Stationen zielten darauf ab, alle Hochschulangehörigen zur Thematik sexuelle Belästigung zu sensibilisieren und sie ihnen interaktiv ins Bewusstsein zu rufen. Außerdem wurden ihnen Handlungshinweise für den Ernstfall und praktische Tipps zur Selbstverteidigung mitgegeben.

Während die erste Station als Einstieg ein gemeinsames Brainstorming zur Thematik sexuelle Belästigung umfasste, bot die zweite Station ein interaktives Quiz, bei dem die Rechercheergebnisse der Gruppe präsentiert wurden. Die dritte Station zielte darauf ab, den Besuchern des Stationenlaufs Handlungshinweise für den Ernstfall zu geben. "Wichtig ist es, selbstbewusst aufzutreten und im Notfall laut zu werden. Man sollte versuchen, sich zuerst verbal zu verteidigen und andere darauf aufmerksam zu machen, dass man Hilfe braucht", fasst Petri zusammen. An der vierten Station wurden den Besuchern zusätzlich ein paar schnelle und praktische Handgriffe von Selbstverteidigungstrainer Bernd Machinek gezeigt.

Die fünfte Station unter Betreuung von Gruppenleiter Petri erfreute sich besonders großer Beliebtheit. Hier wurde den Studierenden die Möglichkeit geboten, Veränderungswünsche und Anliegen auf Zettel zu schreiben und sie an den mit der "Roten Hand" bedruckten Pappaufsteller zu heften. "Manche haben bemängelt, dass es auf dem Campus viele dunkle Wege gibt, zum Beispiel den Aufweg zur Hochschule oder im Parkhaus", erinnert sich Burkhardt-Zesewitz, die am Tag des Stationenlaufs ebenfalls vor Ort war. "Der Lauf konnte außerdem die Aufmerksamkeit der Studenten schärfen. Vielen ist zwar klar, dass es einige wenige Dinge an der Hochschule gibt, die nicht gut laufen, aber dass beispielsweise schon ein dummer Spruch als sexuelle Belästigung gelten kann, wussten viele bis dahin nicht."

An der sechsten und letzten Station konnten sich die Besucher schließlich noch Punsch und Kuchen sowie eine "Give Away"-Tasche mitnehmen. Diese beinhaltete zahlreiche Flyer und Poster, hauptsächlich vom Frauenhaus Coburg bereitgestellt, sowie Visitenkarten und Informationen zum Sammeltaxi wie auch zum "Heimweg"-Telefon. Dieser Service bietet Einzelpersonen die Möglichkeit, nachts auf dem Nachhauseweg ein Gespräch mit einem der in Berlin ansässigen Mitglieder zu führen und immer wieder ihren aktuellen Standort durchzugeben, sodass im Notfall schnell Hilfe geschickt werden kann.

Ebenfalls befand sich in der Geschenktasche ein sogenannter Panikalarm: nach außen ein kleiner Schlüsselanhänger mit Taschenlampe, kann das Gerät in einer Notsituation einen lauten Ton von sich geben und so um Hilfe rufen.


Zukunft des Projekts

Nachdem die Veränderungswünsche der Studierenden im Bezug auf die Situation der sexuellen Belästigung an der Hochschule ausgewertet und gesammelt wurden, hat Petri daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet und zusammengetragen. Wenn alles ausgearbeitet ist, sollen diese Wünsche und Ergebnisse an die nächste Studiengruppe weitergegeben werden. Deren Projektphase beginnt im Sommersemester 2017.

Da ihm und seiner Gruppe das Thema persönlich sehr am Herzen liegt, betont Petri, dass sie "möchten, dass da etwas passiert."


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren