Frohnlach

Polsterer - ein Job für echte Typen

Im Coburger Land sind Möbel immer noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Aber selbst die großen Hersteller tun sich bei der Suche nach Nachwuchskräften zunehmend schwer.
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Als Leiter der Qualitätssicherung schaut Swen Hoese (links) auch immer wieder mal in der Polsterei vorbei - wie hier bei seinem Kollegen Thomas Schäfer, der auch schon über zwei Jahrzehnte Erfahrung als Polsterer hat. Foto: Berthold Köhler
Als Leiter der Qualitätssicherung schaut Swen Hoese (links) auch immer wieder mal in der Polsterei vorbei - wie hier bei seinem Kollegen Thomas Schäfer, der auch schon über zwei Jahrzehnte Erfahrung als Polsterer hat. Foto: Berthold Köhler
Geschickt, ausdauernd, handwerklich begabt und kräftig sollte man schon sein, sagt Swen Hoese, wenn man als Polsterer arbeiten will. Und Hoese, der Leiter der Qualitätskontrolle bei der Traditionsmarke "W. Schillig", weiß, wovon er spricht. Der 43-Jährige hat schließlich selbst neun Jahre lang gepolstert - im Akkord, versteht sich. Denn Polsterer-Arbeit ist schon lange Akkord-Arbeit.

Der Akkord und der damit unweigerlich verbundene zeitliche Druck wird sicher einer der Gründe sein, warum die fränkischen Jugendlichen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz den Herstellern in der Polstermöbel-Hochburg des nordwestlichen Oberfrankens nicht gerade die Türen einrennen. Hoeses Kollege, Produktionsleiter Uwe Scheler, kann das sogar ein bisschen verstehen: "Es ist halt eine schwere Arbeit. Da muss man schon der richtige Typ dafür sein."

Aber der Polsterer ist auch ein Job, mit dem man persönliche Erfolgsgeschichte schreiben kann. Bei "W. Schillig" mit seinen immer noch rund 70 Polsterern in Frohnlach gibt es jede Menge davon. Junge Menschen, die sich nach ihrer Lehre weitergebildet haben und heute Führungskräfte sind.

Swen Hoese ist so ein Fall. Der gebürtige Sonneberger wechselte nach einer Lehre als Werkzeugmacher im Mai 1991 zu "W. Schillig" nach Frohnlach. Dort arbeitete er anfangs als Polsterer, über Stationen in der Konstruktion und Warenannahme führte ihn sein beruflicher Werdegang Anfang des Jahres in die Qualitätskontrolle. Die Weiterbildung zur "QM"-Fachkraft bezahlte ihm sogar sein Arbeitgeber. "Man muss nicht sein Leben lang polstern", sagt Uwe Scheler zu Hoeses Lebenslauf. "Fünf, sechs Jahre aber schon", ergänzt Hoese mit dem ausdrücklich Verweis darauf, dass man als Meister einfach wissen müsse, wie der Hase in der Produktion so läuft.


Der Altersdurchschnitt steigt

Hoese und Scheler sind sich in der Einschätzung einig, dass die körperlichen Anforderungen an einen Polsterer heute vermutlich sogar ein bisschen höher sind als früher. Uwe Scheler hat 1976 bei der renommierten Untersiemauer Firma Wagner begonnen und weiß um den entscheidenden Unterschied: Die Polstergarnituren von heute sind deutlich wuchtiger als die fast schon zierlich wirkenden Möbelstücke der 70er- und 80er-Jahre. Und große Möbel sind eben schwere Möbel, erklärt Scheler: "Du musst schon kräftig zulangen können." Aber wer das kann, der wird am Monatsende auch gut dafür entlohnt.

Obwohl der Nachwuchs nicht so recht zieht und der Altersdurchschnitt des Teams in der Polsterei stetig Richtung "40 plus" marschiert, ist Swen Hoese felsenfest davon überzeugt, dass die traditionsreichen Möbelhersteller auch langfristig eine Zukunft haben. "Selbstverständlich", sagt der 43-Jährige, könne er bis zu seiner Rente in der Branche bleiben. "Sonst könnte ich ja gleich wieder Werkzeugmacher werden."

Dass es künftig nicht einfacher wird, wissen Hoese und Scheler aus Erfahrung. Aber es gibt halt auch typisch deutsche Eigenschaften, die bekommt die Konkurrenz aus Osteuropa oder gar Asien einfach nicht hin. Das macht Hoffnung. "Qualität und termingerechte Lieferung - das sind die Punkte, die am Ende zählen", sagt Scheler, der nach seiner Lehre zum Polsterer noch den Meisterkurs dranhängte.

Der gebürtige Gleußener spricht aber auch von einem Spagat, den deutsche Möbelhersteller künftig schaffen müssen. "Super Design und Qualität" - dafür stehe "Made in Germany". Aber ganz zum Schluss, da müsse auch eine deutsche Garnitur eben auch immer noch bezahlbar bleiben.


Es werden immer weniger

Trotz dieser großen Herausforderung ist der Produktionsleiter bei "W. Schillig" (1200 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Ungarn, Tschechien und China) überzeugt davon, dass in den fränkischen Polstermöbel-Hochburgen die großen und renommierten Hersteller optimistisch in die Zukunft blicken können. "Aber man wird als Polsterer immer die Möglichkeit haben, einen Job zu bekommen", versichert Scheler.


Zahlen aus der Polstermöbelbranche

Bayern "Oberfranken", sagt Christian Dahm (Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern), "ist und bleibt das Mekka der Polstermöbel-Industrie". Die 20 oberfränkischen Hersteller sind die Leitbetriebe einer Branche, die bayernweit im ersten Halbjahr rund 260 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftete. Hermann Zeis, Pressesprecher bei der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, berichtet von derzeit 924 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Sparte der Polsterbetriebe. Das sind 60 weniger als im vergangenen Jahr.


Polster-Day lockt den Nachwuchs

"An der Bereitschaft der Unternehmen liegt es nicht", sagt Rainer Kissing (Leiter der Abteilung "Berufliche Bildung" bei der IHK zu Coburg) zur Tatsache, dass sich die Zahl der Auszubildenden zum Polsterer seit Jahren in Grenzen hält. Es liege vielmehr an der mangelnden Bereitschaft junger Menschen, sich in einem handwerklichen Job wie dem Polsterer ausbilden zu lassen.

"Dabei tut die Polstermöbelbranche jede Menge für die Nachwuchswerbung,", betont der Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern, Christian Dahm. Allen voran mit dem im März stattfindenden "Polster-Day" (www.polster-day.de), bei dem Jugendliche in die Ausbildungsbetriebe gefahren werden und dort selbst ausprobieren können, welche Anforderungen der Job des Polsterers mit sich bringt. Zudem wurde erst im vergangenen Jahr das Berufsbild des Polsterers neu geordnet. Eine maßgebliche Rolle dabei spielte der Coburger Berufsschul-Lehrer Bernd Faber (Weidhausen). Zudem bietet die Coburger IHK die Weiterbildung zum Industriemeister in der Polstermöbelbranche an. Rainer Kissing fasst deshalb zusammen: "Gute Polsterer haben gute Chancen."


Schulstandort Coburg

32 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung zum Polsterer in zehn Betrieben des Coburger IHK-Bezirkes, acht davon haben ihre Lehre in diesem Herbst begonnen. Unterrichtet werden die Auszubildenden aus den Regierungsbezirken Oberfranken und der Oberpfalz an der Coburger Freiherr-von-Rast-Schule.

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