Meeder

Politik schwächelt bei Sachfragen der Coburger Landfrauen

Mit dem Landfrauentag in Babuckes "Fabrik" in Meeder starteten die Coburger Landfrauen ins Jahr, das heuer unter dem Motto "Vielfalt leben" steht.
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Zu lachen geb es natürlich auch etwas beim Landfrauentag. Mit einem Sketch gewannen die Ulknudeln Renate Hofmann, Ilona Schelhorn, Dagmar Eckhardt und Monika Schad das Publikum für sich. Foto: Gabi Bertram
Zu lachen geb es natürlich auch etwas beim Landfrauentag. Mit einem Sketch gewannen die Ulknudeln Renate Hofmann, Ilona Schelhorn, Dagmar Eckhardt und Monika Schad das Publikum für sich. Foto: Gabi Bertram
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Wirtschaftlich und nachhaltig, so Kreisbäuerin Heidi Bauersachs beim Landfrauentag, werde Landwirtschaft betrieben und in mehrfachem Sinne auch vielfältig. Das reiche von der Arbeit auf den Höfen bis hin zum Engagement der Landfrauen für den und im ländlichen Raum.


In der Hand des Verbrauchers

Auf die Familienbetriebe - ob biologisch oder konventionell wirtschaftend - könne man stolz sein, auch wenn der Kampf um faire Preise noch immer ein Wermutstropfen sei. Umso mehr müsse der Appell nach wie vor an den Verbraucher gehen, sich nicht von Billigpreisen und vom Duft aus dem Backautomaten verführen zu lassen.
Und auch von der Politik erwarten die Landfrauen klare Zeichen und Bekenntnisse. Das Thema Vielfalt, so Bauersachs, sei in Anbetracht der Flüchtlingskrise aktueller denn je.
"Viele Betriebe könnten Hilfe brauchen", macht sagt die Kreisbäuerin und macht um diese Problematik keinen Bogen. "Warum sollten wir nicht unsere Kultur vorleben, um Integration praktikabel zu machen?"

Den Festvortrag hielt eine Frau, die herkommt, wo Landwirtschaft ein hartes Brot ist. Maria Hochgruber-Kuenzer, Landtagsabgeordnete in Südtirol und ihres Zeichens auch Bäuerin. Aus einer Bergbauernfamilie mit 14 Kindern stammt sie, hat selbst fünf Kinder und plädierte gestern eindrucksvoll für Bildung, Gemeinschaft und Gestaltung der Zukunft als Fundament der großen Landfrauenfamilie. Die Zukunft der Landwirtschaft, davon ist Hochgruber-Kuenzer überzeugt, liegt auch künftig in den Händen der Bäuerinnen.

Sie seien es, die Familientraditionen bewahren, Leidenschaft und Motivation für den Bauernstand an die nachfolgende Generation weitergeben, die im ländlichen Raum die Dorfgemeinschaften prägen, die Botschafter seien für die Produkte der Region und zugleich kreativ immer wieder neue Wege zu finden verstehen.
Das reiche von regionalen und qualitativ hochwertigen Erzeugnissen über generationenübergreifendes soziales Engagement bis hin zur Gastgeberfunktion beim Urlaub auf dem Bauernhof. Bäuerinnen würden in diesem Sinne "Vielfalt leben" und als Chance sehen und ihrer Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft, der Familie und dem Dorf täglich aufs Neue gerecht werden.


Zeit für sich selbst

Allerdings, auch das gab Maria Hochgruber-Kuenzer den Bäuerinnen mit auf den Weg: Sie mögen sich doch auch einmal einen Ruck geben, um etwas Neues zu beginnen oder beginnen zu lassen, einen Ruck, dem Alltagstrott zu entrinnen und "den siebten Tag in der Woche auch als Ruhetag zu verstehen und zu nehmen".
Gelegentlich auch mal aus dem Trott auszusteigen, das riet auch Landesbäuerin Anneliese Göller den Frauen. Sie verwies auf die Möglichkeiten und Chancen, die Vielfalt biete. Das bedeute allerdings nicht, dass es keine Grenzen gebe.

In bewährter Manier wurden die Ehrengäste von der Kreisbäuerin Heidi Bauersachs und ihrer Stellvertreterin Dagmar Hartleb beim moderierten Grußwort in die Zange genommen. In diesem Jahr ging es um den Quadratmeter Boden und was auf ihm wachsen könnte - wenn, ja, wenn da nicht schon wieder der nächste Supermarkt oder die nächste Straßenbaumaßnahme anvisiert wären.


Fachfremde Raterunde

Die Kandidaten auf der Bühne Bernd Reisenweber, Hans Michelbach, Bernd Höfer, Michael Busch und Jürgen Heike taten sich schwer.

Wie viel Braugerste muss denn geerntet werden, um das Malz für eine Maß Bier zu erzeugen? Oder wie viele Brötchen kann man mit dem geernteten Weizen von einem Quadratmeter backen? Also, 15 Brötchen sind es, und von den 40 Cent, die ein Brötchen kostet, erhält der Bauer gerade einmal 0,71 Cent. Darüber waren dann doch alle erstaunt.

Um 41 Cent müsste man den Brötchenpreis erhöhen, wenn der Landwirt die 30 Euro pro Doppelzentner Weizen erhalten würde, die er für seine Existenz braucht. Der Preis für den Weizen liegt übrigens nur bei 12,95 Euro.



Kurzweil

Wie vielfältig das Landfrauenleben in all seinen Facetten sein kann, zeigte das anschließende kurzweilige Programm mit Vorstellung des Projekts "Landfrauen machen Schule" sowie der Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft,. Mit einem Sketch der Ulknudeln Renate Hofmann, Ilona Schelhorn, Dagmar Eckhardt und Monika Schad und einer süße Modenschau aus vergangenen Jahrzehnten, die unlängst schon auf der Grünen Woche für Aufmerksamkeit und Applaus gesorgt hatte, setzten die Frauen dem Tag Glanzlichter.

In bewährter Manier trug auch der Landfrauenchor zum Gelingen bei.




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