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Neustadt bei Coburg
Tradition

Pitschnasser Start ins Berufsleben

Was hat ein Medientechnologe Druck von heute mit einem Buchdruckergesellen aus dem 16. Jahrhundert gemeinsam? Das Gautschen , also die Gesellentaufe.
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Luca wurde von seinen Mitarbeitern gepackt und getauft - da führte kein Weg dran vorbei.  Fotos: Manja von Nida
Luca wurde von seinen Mitarbeitern gepackt und getauft - da führte kein Weg dran vorbei. Fotos: Manja von Nida
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Die Jünger Gutenbergs werden gegautscht, sozusagen reingewaschen. Früher symbolisch von der Druckerschwärze, heute von Lehrsünden. Für die Zunftgenossen der Schwarzen Kunst ist das Gautschfest noch heute eine beliebte Zeremonie. Es gehört der humorvolle Gautschspruch durch den Gautschmeister und die Verleihung des Gautschbriefes dazu.

So geschehen auch kürzlich in der Neustadter Druckerei Nötzold. Die "Foltermethode" aus dem Mittelalter erlebte Luca Pechtold am eigenen Leib. Pünktlich um 12 Uhr stand der 18-Jährige parat, umzingelt von Zeugen der Buchdruckerkunst. Schwarzkünstler Luca ahnte, jetzt musste sein Stündchen geschlagen haben: Vor den Toren der Druckerei stand sie, die Badewanne, in der Eiswürfel das Niveau der Wassertemperatur sicherten.
"Gott grüß die Kunst. Den alten Kunstgebrauch zu ehren, tät er sich weder sträuben noch wehren.
Erhielt die üblichen drei Stöße auf den Arsch und zappelte dabei wie ein Barsch. Darauf bezahlte er blank und bar das altbekannte Gautschhonorar. Und jetzt Gesellen, packt an. Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen seine beide Ballen. Der durstigen Seele gebt ein Sturzbad oben-drauf, das ist dem Sohne Gutenbergs die allerbeste Tauf.

Schon packten zwei gestandene Mannsbilder zu. Mit Schwung landete Fliegengewicht Luca vor versammelter Mannschaft in der Wanne. Und tapfer war er, ohne sich zu wehren. Dabei bot das Wetter alles andere als reinstes Badevergnügen im Freien. "Da muss er durch", meinte seine Mutter. "Vielen Dank", schlotterte der triefende Gautschling mit klappernden Zähnen, als man ihn triefend aus der Wanne zog. "Das war ein Erlebnis. Ich habe nicht gewusst, was da auf mich zukam. Als ich vor der Wanne stand, war es zu spät. Und als die mich ins Wasser hievten, dachte ich, mir bleibt das Herz stehen."


Erinnerungen an früher

Nein, das Wässer hätte nicht wärmer sein dürfen, erklärte sein Chef Peter Hantschel. "Mich hatte man damals auch ins kalte Wasser geschmissen, vor bald 30 Jahren." Luca hat die Zeremonie überstanden.

Vor drei Jahren war Hantschel spät dran, eine Lehrstelle anzubieten. "Ich habe mich an die Moos-Schule gewandt und da waren noch zwei oder drei Schüler, die noch gar nichts hatten. Das war Lucas Chance. "Der Junge war sehr zuverlässig, hatte ein gutes Elternhaus und er hatte ja hier schon sein Schülerpraktikum gemacht", erinnerte sich Hantschel. "Es hat mir so viel Spaß gemacht, einen jungen Menschen auszubilden. Wir haben einen Arbeitsplatz für die Zukunft, das freut mich besonders. Bei mir wird nicht ausgebildet, um danach wieder zu entlassen, sondern man bildet aus und behält seine Leute. Dafür macht macht man sich doch die ganze Arbeit und das liegt mir sehr am Herzen. Immer wird es halt nicht funktionieren, aber man hofft es", sagte Hantschel.
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