Coburg
Güterbahnhof

Patentes Dach wird Pavillon

Die Südterrasse der alten Pakethalle erhält ein neues altes Gebäude.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Kran lupfte das Fachwerk mit der Dachkonstruktion und versetzte sie einige Meter nach Süden, wo schon das neue Fundament vorbereitet wurde. Foto: Simone Bastian
Der Kran lupfte das Fachwerk mit der Dachkonstruktion und versetzte sie einige Meter nach Süden, wo schon das neue Fundament vorbereitet wurde. Foto: Simone Bastian
+10 Bilder
Es soll was bleiben vom alten Güterbahnhof: Die frühere Stückguthalle, nun Pakethalle genannt, hat sich als Ausstellungs- und Veranstaltungsort etabliert. Direkt daneben wird nun ein früherer Schuppen seinen festen Platz erhalten. Er wäre vermutlich abgerissen worden, wenn er nicht über eine besondere Dachkonstruktion verfügen würde.
"Zollingerdach" nennt sich die Konstruktion, die nur von Zimmereien ausgeführt werden durfte, die auch die Lizenz dafür erworben hatten. Das Besondere an dem Dachaufbau: Er kommt ohne massive Balken und ohne Stützen aus, ist also zum einen viel leichter als ein herkömmliches Dach und schafft einen durchgehend nutzbaren Raum.
Als das Dach im September 2015 geborgen wurde, war die Idee noch, es direkt an die Pakethalle anzubauen - sozusagen als neuen Eingangsbereich für die beiden Tore am Südende der Halle, wo sich eine Terrasse anschließt. Nun ist das Dach erneut angehoben und einige Meter nach Süden versetzt worden - weg von der Pakethalle. Nun ruht es wieder auf der alten Fachwerkkonstruktion, auf die es schon 1927 aufgesetzt wurde.
"Das wird wunderbar", schwärmt Auwi Stübbe, Vorsitzender des Coburger Designzentrums Oberfranken (CDO). In vier Wochen wird das CDO in der Pakethalle wieder die Coburger Designtage veranstalten. Die Terrasse an der Südseite dient dann wieder als Restaurantbereich - und dann wird das Zollingerdach im Mittelpunkt stehen. Das Fachwerk soll teilweise wieder mit den original Ziegelsteinen ausgemauert werden. Hinzu kommt viel Glas - auch fürs Dach, wie Stübbe erläutert. Der frühere Schuppen soll nicht nur eine neue Funktion als Veranstaltungsraum erhalten, sondern auch als Anschauungsobjekt dienen für angehende Bauingenieure und Architekten. Holz- und Leichtbauweise sind in diesem Metier ganz aktuelle Themen.
Aber erst müssen die Handwerker ran. Das Dach wurde im vergangenen Sommer mit Hilfe großer Leimbinder gesichert, von denen jeder um die 600 Kilogramm wiegt. Die wurden gestern mit Hilfe des Krans entfernt, der den gesamten Schuppen an seinen neuen Standplatz befördert hatte.

Das Zollingerdach

Entwickler Der Architekt und Meerseburger Stadtbaumeister Friedrich Reinhart Baltasar Zollinger (1880 bis 1945) entwickelte die Dachkonstruktion in Lamellenbauweise, die er 1910 als "Zollbauweise" patentieren ließ.

Prinzip Die Dachkonstruktion ist tonnenförmig. Die Holzlamellen werden rautenförmig zueinander angeordnet, so dass das Dach frei trägt.

Lizenz In Coburg hatte der Zimmereibetrieb Heß die Lizenz für den Bau von Dächern in Zollbauweise. Der Schuppen am Güterbahnhof war nicht das einzige Gebäude in dieser Bauweise. Weitere - teilweise sehr hohe und steile - Zollingerdächer finden sich in der Eigenheimstraße, im Probstgrund und in der Lutherstraße.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren